
Letztens hatten sie einen Börsen-Astrologen im Fernsehen. Wie ich solche Typen liebe: sitzten da wie Graf Koks persönlich und geben vor, die Welt mit ihren windschnittigen Laptops berechnen zu können.
Als wäre das Leben jemals berechenbar gewesen. Wann werden (manche) Astrologen bloß lernen, dass Astrologie, genau wie die Karten, eine Kunst der Deutung ist, nicht nur der Berechnung oder gar der Computerprogramme, die vorgefertigte Textstücke ausspucken, die dann als Analysen angepriesen werden.
Das ist ganz eigenartig: während die Leute bei automatischen Kartenlegungen (z.B. online auf Homepages) sofort wissen, dass man es nicht zu ernst nehmen sollte, vertrauen viele auf nicht weniger automatisch erstellte Horoskopberechnungen.
Der Reporter fragte dann, ob er seine Berechnungen denn auch für sich selbst nutzt. Nein, das würde er natürlich nicht tun, das wäre ein Interessenkonflikt. – Aha. Also ich lege mir z.B. ganz gerne die Karten. Nicht allzu oft, aber wenn etwas wichtiges ansteht, dann auf jeden Fall. Klar muss man aufpassen, dass man neutral bleibt, aber man kann doch nicht anderen etwas anbieten, was man für sich selbst nicht nutzen würde. Ich finde, das wäre schon eher ein Interessenkonflikt.
Wie dem auch immer, das Beste war jedenfalls die Antwort auf die Frage, ob er sich ein Leben ohne Astrologie vorstellen könnte. Ja, natürlich kann er das. Also ganz ehrlich: dann kann es nicht weit her sein mit der Überzeugung für das, was man tut.
Wobei er jetzt nur ein Beispiel ist. Eines unter vielen. Auch wenn ich mir meist sage: lass sie doch einfach machen, manchmal rege ich mich doch darüber auf, wenn Leute Esoterik einfach nur als – ja, als was eigentlich? – vermutlich als Geschäftsmodell betrachten.
Dass man von etwas leben muss ist schon klar, aber wenn ich z.B. im Lotto gewinnen würde (was nicht klappen dürfte, da ich kein Lotto spiele), dann würde ich trotzdem weiter Karten legen, magisch arbeiten, schreiben und forschen. Dann hätte ich sogar ein wunderbares Budget für magische Studienreisen rund um die Welt…
Der generelle Stil wird jedenfalls an vielen Stellen härter. Erst vor kurzem erfuhr ich, dass die Berater auf manchen Hotlines mittlerweile Schulungen in „Qualitätsmanagement“ bekommen. Oder auf deutsch gesagt: sie werden professionell darauf getrimmt, Anrufer so lange wie möglich in der Leitung zu halten. Spätestens an der Stelle darf man berechtigt fragen, was das noch mit Beratung zu tun hat.