Was ist das eigene und was ist “fremd”?
Ausgangspunkt für meine Überlegungen ist ein Satz, den ich letztens aufgabelte: “Wir müssen nicht mehr von anderen Kulturen abgucken, wir haben das jetzt doch alles selbst!”
Grundsätzlich ist es eine wunderbare Sache, in der eigenen Kultur zu forschen und man wird ein reiches Erbe finden. Ich denke da spontan an Agrippa von Nettesheim, der so etwas wie die männliche Hildegard von Bingen der Magie ist.
Aber was ist überhaupt eigen und was fremd, in einer globalisierten Welt? Die Orchidee aus Asien auf der Fensterbank und das Shirt aus Indien, der Morgenkaffee aus Ecuador, die Teegläser aus Ägypten oder die schwedischen Möbel, die aus China kommen, werden aus unerfindlichen Gründen sehr oft übersehen in dieser Diskussion.
All diese Dinge umgeben uns jeden Tag und haben natürlich auch ihre Geister mitgebracht. Nie waren wir mehr eine gemeinsame Welt, als es heute der Fall ist!
Die Frage nach den eigenen Wurzeln wird von machen recht bequem gelöst, indem sie vom jetzigen Wohnort auf die Geschichte schließen. Doch Völkerwanderungen, Vertreibungen und Kriege haben so einiges durcheinander gewirbelt. Neue Kulturen tauchen auf, flechten sich mit ein. Spirituelle Ströme reisen um die Welt, wirbeln erst hier, schauen dann dort zum Fenster hinein. Man denke nur an den Buddhismus.
Was außerdem auffällt: die Medizinleute, Schamanen, Heiler, Hexen, Zauberpriester, Weisen und Orakelkundigen und alle anderen, die sich tiefer gehend mit dem Magischen befassen, betonen immer wieder, dass es viele verschiedene Gesichter EINER Kraft sind, die sich in den verschiedenen Kult(ur)en zeigen.
Daher steht man dann manchmal auch etwas verwundert vor manchen Bestrebungen, alles haarklein zu separieren und in Schubladen zu stecken.
Wie kann sich etwas grundlegend fremd sein (natürlich kann es das, aber nur im Kleinen betrachtet), das auf derselben Basis Erde existiert. Ich will damit keineswegs sagen: das muss man so machen und jenes sollte anders gemacht werden. Ich finde einfach das Gedankenspiel interessant: Wo sind die Grenzen? Warum sind sie da? Sind sie (ver)wandelbar? Würde es mir Freude machen, etwas zu wandeln? Oder ist es so bestens, wie es jetzt ist?
Schon ein kleiner Spaziergang durch die eigene Wohnung wird zur Weltreise, wenn man sich mal anschaut, wo die Sachen alle her kommen. Das Sofa, das Currypulver, der Drucker, die Teetassen, die Pflanzen, das technische Spielzeug, das Obst, die Steine mit denen man sich umgibt, die Pigmente der Farben, der Tee, die Schuhe…
Bei den meisten Sachen kommt man so ohne weiteres gar nicht dahinter, aber wenn man mal ein bißchen auf die “Made in …” Zettelchen achtet, dann sieht man sofort, dass es keinen einzigen Haushalt gibt, der nicht ein bunter Pool der unterschiedlichsten Einflüsse wäre. Und das ist erst der Haushalt!
mein Übungsmotiv am Wochenende

