Hexen und Naturgeister

Im Hexenkurs heißt es sehr oft: “Du, ich habs eigentlich gar nicht so mit Gottheiten, ich arbeite lieber mit Naturgeistern.” Das brachte mich darauf, dieses Thema auch hier im Blog einmal anzuschneiden.

Natürlich ist der Übergang zwischen Gottheit und Geistwesen bisweilen sehr fließend. Die brasilianischen Orixas beispielsweise (anderswo auch als Orishas oder Orisas bekannt) werden zwar oft wie kleine Gottheiten verehrt, sind aber letztendlich Naturwesenheiten, die zum Göttlichen vermitteln, welches seinerseits eine Nummer zu groß ist, um direkt ansprechbar zu sein. Das Wort “Geister” ist vielleicht irreführend. Es ist schwer dabei nicht an weiße Bettlaken und Schlossgespenster zu denken. Nennen wir sie besser Wesenheiten.

In der Volksmagie trifft man sehr oft auf Wesenheiten (manchmal auch im Gewand von Heiligen, es ist – wie gesagt – alles sehr fließend). Das Hexentum war sehr oft eher ein naturmagischer Weg, der weniger von klassischen Gottheiten geprägt wurde, sondern von mystischen Waldfrauen, Nebelgeistern, Pflanzenelfen und vielen mehr. Die direkte Umgebung wurde beobachtet und daraus das Wirken bestimmter Kräfte abgeleitet, denen man dann Namen gab.

Wir gehen heute manchmal den Weg: das ist Gottheit X. Ich habe das-und-das über sie gelesen und finde sie in den Bereichen 1, 2 und 3 wieder. Das “alte Hexentum”, wenn wir es mal so nennen wollen, ging genau den umgekehrten Weg: ich bin hier und sehe die folgenden Dinge: … . Also wirken hier offensichtlich die Kräfte von diesem und jenem. Das ist eine völlig andere Denkweise, aber sie ist wirklich empfehlenswert, um nicht verkopft zu denken, sondern im hier und jetzt zu fühlen.

Ein Gedanke zu “Hexen und Naturgeister

  1. Klasse, daß Du das hier noch einmal aufgreifst!

    Manchmal denke ich aber auch, daß das Bild vom kettenrasselnden Gespenst, wie wir es meistens schon als Kinder kennen- und oft lieben gelernt haben, gar nicht so die falsche Fährte ist.
    Schließlich sind solche Gespenster immer an irgendwie magischen, oder besonderen (Kraft-) Orten zu finden, haben oft eine bestimmte Botschaft oder erinnern uns an “Vergangenes” oder an (gesellschaftlich verdrängte) Seelenthemen.
    So findet man sie auch in Kunst, Musik und Literatur unserer Heimat.
    Solchen Geschichten auf den Grund zu gehen und ihnen nachzuspüren verbindet uns doch sehr mit einer Landschaft, oder einem Gebäude, oder einer Gegend – das könnte dann schon fast spirituell sein… ;O)
    Z.B. ist der Erlkönig so ein Beispiel, wo Pflanzengeist und “Gespenst” irgendwie fusionieren.

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