andere Ebenen

ein Kleiber in Aktion

Die Überschrift hört sich schön esoterisch an, das ist sie vielleicht auch, aber in einem handfesten Sinn. Seit ich immer mal ein Körnchen an die gefiederten Freunde verteile ist mir klar geworden, wie blind man im Alltag oft ist. Immer auf der „Menschenebene“ unterwegs, mit dicken Scheuklappen für das, was sich im direkten Umfeld abspielt.

Aber man kann ja dazu lernen! Ich entdeckte neben den offensichtlichen Krähen, Elstern, Amseln und Spatzen auch noch Blaumeisen, Kohlmeisen, Grünfinken, Hausrotschwanz, Buchfinken und Mauersegler (und dass die im Winter verreist sind). Vermutlich gibt es noch mehr, manchmal tue ich mich mit der Bestimmung schwer, spätestens im Auwald ereilt es mich regelmäßig, dass ich denke: „Du bist ein…, Moment mal…“ – und schon ist er weg.

Ich staune auch immer wieder, welche Pflanzen an den unmöglichsten Stellen aus der Erde sprießen, sie sind einfach da, mitten in der Stadt. Und keiner guckt hin.

Das gipfelt darin, dass Leute auf ihr Smartphone schauen wie das Wetter ist, anstatt einfach mal den Blick zum Himmel zu heben. Natürlich kann man nicht ständig alles im Blick haben was einen umgibt, aber man kann immer mal gezielt hinschauen und kommt aus dem Staunen oft nicht mehr raus.

Neben unserer menschlichen Ebene laufen so viele spannende Dinge ab, die schnell übersehen werden, wenn man sich in diesen Kokon aus Künstlichkeit und Dauerberieselung begibt, mit dem die große Shoppingwelt lockt. Aber spätestens die frechen Spatzen unter´m Cafétisch erinnern einen wieder daran: Wir sind nicht allein.

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5 Gedanken zu „andere Ebenen

  1. Ja, die Smartphones haben in der S-Bahn die Zeitungen ersetzt, hinter denen man sich früher versteckte, um nur ja niemandes Blick zu begegnen. 🙂 Ich fand vor einigen Monaten auf meinem Fensterbrett ein winziges totes Insekt und war fasziniert davon, wie schön es aussah. Es kam mir vor wie eine kleine Fee. Eine Bekannte sagte mir, wie es heißt, ich googlete hinterher und fand heraus, daß es massenhaft dieser Tierchen in Deutschland gibt, in etlichen Unterarten. Ich hatte noch nie eines gesehen und fragte mich natürlich auch, wie viele Dinge und Lebewesen es wohl noch so in Hundertschaften direkt neben mir gibt, die ich nie wahrnehme.

  2. Ich glaube, die meisten Menschen interessieren sich nicht dafür.Entweder ist es einfach nur
    Unkraut,ekelige Insekten oder irgendein Vogel.Mir macht es Spaß,heraus zu finden,wer da singt
    oder was da blüht.Das klappt nicht immer.
    Als ich von der Arbeit zum Bahnhof ging,habe ich mal einen Baumläufer entdeckt.Der klettert so
    ähnlich wie der Kleiber am Baum herum.Da er bräunlich ist,muss man schon genau hinschauen,
    um ihn zu entdecken.

  3. Das stimmt, wenn man sich für seine Umwelt interessiert wird man oft angeschaut, als wäre man ein bißchen wunderlich. Wobei gleichzeitig alle betonen, wie sehr sie die Natur lieben. Aber damit ist oft eine Postkarten-Natur gemeint und nicht das Käferchen hier oder der Strauch da.

    Ich bin letztens in der Stadt an einem dekorativ gepflanzten Strauch vorbei gegangen, in dem Spatzen saßen und die waren es so sehr gewohnt ignoriert zu werden, dass sie sichtlich überrascht waren, dass ich sie angeguckt habe. Das war wie: Hilfe, da ist eine Spannerin! 😉 Ich bin dann weiter gegangen, man will ja nicht stören, aber das war wieder so ein Moment, in dem man denkt: es ist so viel um uns herum los und viele Leute haben alle ein großes Bedürfnis nach Natur (Postkarte hin oder her, das Bedürfnis an sich ist ja echt), nur warum sehen sie sie nicht?

  4. Mir geht es mit meinem Hexengarten so. Bei mir blüht zu jeder Jahreszeit irgendein Kraut und es schwirren bis in den Herbst Insekten und verschiedene Bienenarten herum.
    Allerdings bin ich der einzige „Unkrautgarten“ in der ganzen Straße und die Leute bleiben zum Teil kopfschüttelnd stehen und starren auf meine Wildblumen und Kräuter.
    (Alle anderen Gärten sehen hier aus wie im Gartencenterversandkatalog und man scheut auch nicht davor zurück schon Kindern den Umgang mit der Giftspritze zu zeigen (!).)
    Wenn ich dann irgendwo im Markt anstehe, höre ich die Frauen dann klagen: „Ach es ist ja so trist alles draußen! Da will man sich gar nicht mehr im Garten aufhalten…alles irgendwie grau… ich brauch unbedingt was Buntes…“ und dann wird irgendwas Gezüchtetes, Besprühtes, Knalliges, Fertiges oder Exotisches gekauft…
    Ich versteh´s nicht.

  5. Etwas verspätet will ich nun doch noch unbedingt einen Kommentar zu Deinem Blogeintrag abegeben, weil er mir so gut gefällt! Mir ging es nämlich wirklich so, dass ich diese „andere Welt“ erst entdecken musste, obwohl sie ja schon immer da war.
    Jahrelang bin ich mit meinem Hund spazieren gegangen, ohne die Umgebung wirklich wahrzunehmen. Nach seinem Tod vor ein paar Jahren fing ich an alleine spazieren zu gehen und weil mir das anfangs so einsam vorkam, nahm ich meine Kamera mit und fotografierte in Wald und Flur – und dann erst hat es im wahrsten Sinne des Wortes „klick“ gemacht und plötzlich sah ich alles: wundervolle Pflanzen, kleine Käfer, Raupen und Schnecken, großartige Bäume, …
    Jahrelang stehen da wunderschöne Bäume vor meinem Fenster und ich habe sie früher nie beachtet. Irgendwann kam ich auf die Idee 1,2 Meisenknödel auf meinen Balkonkasten zu hängen und da es so toll war, die Meisen, Amseln und sonstigen Vögel zu beobachten, habe ich immer mal wieder gefüttert und auch eine Wasserschale aufgestellt – die kommt das ganze Jahr über übrigens am besten an! – sogar Spechte und Eichhörnchen kommen seither immer mal wieder zu Besuch (die Meinungen über Fütterung gehen da ja auseinander, aber ich denke so ein paar Körnchen und die Wasserschale richten keinen Schaden an und mir tut es so gut, ein bisschen „Gesellschaft“ zu haben.). Auch die Bäume sind mir richtig ans Herz gewachsen, die Eichhörnchen bauen dort ihre Kobel und die Meisen nisten jedes Jahr im Meisenkasten. Mein Ausblick auf die Bäume im Garten und die Vögel und Eichhörnchen übertrifft echt jedes Fernsehprogramm.
    Jahrelang kommen die Schwalben jedes Jahr zu unserem Haus und nisten dort- und ich habe sie nie wirklich gesehen. Seit ein paar Jahren erst bin ich fasziniert von ihren Kamikaze-Flugkünsten, kann es im Frühjahr kaum erwarten, dass sie kommen und könnte ihnen stundenlang beim „Essen-fangen“ in der Luft zusehen.
    Seltsam, oder? … wie sich die Sichtweise ändern kann… alles ist gleich, nur die Sicht ändert sich. Ist ja in vielen Bereichen des Lebens so. Jedenfalls freue ich mich, wenn immer mehr Menschen bewußter wahrnehmen, dass wir uns hier auf der Erde nicht alleine tummeln, so dass hoffentlich immer mehr Rücksicht auf unsere „Mitwesen“ genommen wird. Liebe Grüße Katrin
    p.s.: Hi hi, die Spatzen-Spannerin *lach*

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