Herbst

Der Herbst macht seinem Namen alle Ehre, aber das Goldene überwiegt, man kann nochmal in vollen Zügen genießen. Samhain streckt so langsam die ersten Fühler aus und erinnert an die Vergänglichkeit, aber auch das Endlose. Für Hexen ist Samhain das Neujahrsfest, wobei ich es nicht wie Silvester empfinde, es ist ein schwebender, in Nebel gehüllter Übergang, während Silvester ein rauschendes, fröhliches Fest ist.

Schon ab dem Sommer fiel immer wieder der Satz: Hoffentlich geht das Jahr bald rum, bevor noch jemand geht. Es war ein Jahr mit Verlusten, völlig überraschend aus heiterem Himmel, bei Leuten von denen man es nie gedacht hätte, die gerade mal in der Mitte des Lebens standen.

Mich macht so etwas nachdenklich und demütig. Das Leben ist ein Geschenk. Man meckert so schnell über Nichtigkeiten, was oft so albern ist, auf die Länge eines Lebens bezogen. Ist es in einem Jahr noch wichtig, in fünf, in zehn Jahren? Kräht da überhaupt noch ein Hahn danach? Ist es überhaupt wichtig?

Den guten Dingen Raum geben, sie hegen und pflegen für sich und andere, das sollte im Vordergrund stehen. Ärger kommt und geht, aber das macht er auch ganz von allein, da muss man nicht noch mitmachen. Das Wesentliche ist das warme, schöne, weiche im Leben, das will bestärkt und gepflegt werden, dann kommt man durch den Rest auch irgendwie durch.

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18 Gedanken zu „Herbst

  1. ja wie wahr! Vor allem wird einem immer wieder bewusst wie schnell sich das ganze Leben ändern kann, von einem Moment auf den nächsten kann alles anders sein und Dinge über die man sich vorher aufgeregt hat sind plötzlich nichtig und klein !

  2. In dem Zusammenhang hat mich ein Artikel in der „Welt“ sehr beindruckt, dieser hier über die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bedauern. Das gibt einem zu denken und hilft sehr dabei wichtig und unwichtig zu erkennen.

    In meinem Job hört man natürlich viel und es wird einem offener über Dinge berichtet, als anderswo. Es ist nicht selten, dass Sterbende voller Zerrissenheit sind, Wutanfälle bekommen und in ihren letzten Tagen erkennen, dass dies ihr Leben war und wie wenig davon das war, was sie wirklich wollten und im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch hätten tun (oder lassen) können.

    Es geht ja gar nicht darum ein perfektes Leben zu führen, aber die Dinge, die einem wirklich wichtig sind und am Herzen liegen, die sollte man ernst nehmen und so gut es eben möglich ist integrieren. Das Leben ist kein Wunschkonzert, aber selbst wenn eine Sache auf direktem Weg verbaut ist, kann man sie oft trotzdem noch erreichen.

    Ich denke da zum Beispiel an einen Mann, der Archäologe werden wollte, was ihm verwehrt war und der nun im Alter in einem Antike-Museum begeistert Freiwilligendienst macht. Oder an eine Frau, deren Kinderwunsch nicht in Erfüllung ging und die mit großer Leidenschaft benachteiligten Kindern vorliest und Hausaufgaben mit ihnen macht. Oder an eine Frau, die ihre kreativen Arbeiten im Internet verkauft, weils als Brotberuf nicht ausreichen würde, aber ihr Brotberuf eine reine Vernuftsgeschichte ist, die sie nicht erfüllt. Es gibt so viele Wege, man muss nur schauen, was einem wirklich am Herzen liegt.

  3. Ich habe deinen Text mit Nachdenkleikeit gelesen und auch deinen Link.
    Gut vorstellbar, dass man am Ende des Lebens „Unterlassungssünden“ bereut. Leider läßt es sich nicht immer so leben wie man mag, aber so schöne Kompromisse wie du sie beschrieben hst, sind sicher möglich.
    Man kann nur wünschen, das viele Menschen für sich den Weg finden
    Cassy

  4. Wie wahr…. Ich habe den Eindruck, dass es bei vielen – auch bei mir – zu Veränderungen kam, mehr als sonst, zu einigen Verlusten, einiges wurde neu überdacht, Prioritäten neu gesetzt und einiges, das sooooo furchtbar wichtig war, verliert in Anbetracht dessen, was so passiert ist, seine Dramatik und die wirklich wichtigen Dinge werden wieder wichtig

  5. Da kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen,dass man auf sein Bauchgefühl hören sollte
    oder was einem das Herz sagt.

  6. Ja das Bauchgefühl richtig darauf zu hören, nur glaube ich das vielen das verloren gegangen ist, zu erspüren was brauche ich , was tut mir gut , ich denke wenn man den Zugang zu sich selber hat ist man in der Lage aus scheinbar auswegslosen Situationen noch eine annehmbaren Kompromis zu finden, obwohl das nicht immer einfach ist:-(! Bei sich sein und zu wissen was man möchte ist wohl der erste Schritt um zu erkennen was für einen selber wichtig ist und das ist zum Glück bei jedem etwas anderes! Aber der Weg zu sich selbst ist manchmal steinig und schwer, aber es lohnt sich Schritt für Schritt sich selber nahe kommen.

  7. Und es gibt nichts geschenkt bzw. – das hatten wir ja gerade 😉 – man kann nicht alles haben. Wenn man Dinge im Leben neu gewichtet, kostet das oft etwas, da muss man ehrlich sein. Vielleicht verdient man weniger, vielleicht hat man mehr Arbeit, vielleicht muss man anderen klar machen, dass man sich verändert hat und weiß nicht, wie sie reagieren werden.

    Es gibt Unsicherheiten, wenn man wirklich etwas ändert und weil es die gibt, verbieten sich viele vorsorglich, den Bauch überhaupt zu Wort kommen zu lassen, denn wenn der erstmal redet, werden mögliche Konflikte sichtbar.

    Ich finde ja, es müsste in der Schule oder am besten schon im Kindergarten ein Fach geben, in dem man lernt mit Konflikten aller Art umzugehen, sie auszuhalten und möglichst gute Lösungen zu finden, damit wäre einem im späteren Leben wirklich gedient.

  8. Den Luxus, auf seinen Bauch zu hören, den kann sich leider nicht jeder erlauben.
    Ansonsten würden wohl viele viele Entscheidungen ganz anders ausfallen.
    Aber wenn man nicht alleine, sondern in der Gemeinschaft lebt, dann kann man nun mal nicht nur auf die eigenen Bedürfnisse schauen, sondern muss immer auch an die anderen denken.

    Das bedeutet oft persönlichen Verzicht, der einen ganz fürchterlichen Konflikt mit sich selbst darstellen kann.
    Und im nachhinein zu sinnieren ob es anders nicht hätte besser laufen können, halte ich für normal, aber nicht sinnbringend.

    Das Leben bietet genug Zerreißproben. Ich denke, dass jeder genug Gelegenheit hat für sich zu lernen damit umzugehen.

    Der eine erduldet unglücklich, der nächste geht zum Angriff über.
    Was richtig ist, ist kaum zu sagen.

    Es gibt sooooooo viele Lebenswege, da gibt es wohl auch genausoviele „Richtigkeiten“.
    Man muss nehmen was man kriegt und das Beste draus machen.
    Manchmal leicht, manchmal verdammt schwer.
    Aber so ist Leben nun einmal, oder?

    Man kann nicht alles haben…
    Für denjenigen, der alles hat, was er braucht, ein einfacher Satz.
    Für jemanden dem vieles fehlt, und keine Möglichkeit hat zu bekommen, was er so dringend benötigen würde, ist es reiner Hohn.

  9. @ Jessi: Ich meinte das nicht von oben herab mit dem „man kann nicht alles haben“, es ist auf einen früheren Blogeintrag bezogen, mir fällt gerade auf, dass man das auch falsch verstehen kann, aber so ist es keinesfalls gemeint.

    Wer hat alles? Das ist ein interessanter Aspekt und ich denke „alles“ gibts nicht, nur eigene „Richtigkeiten“, genau wie du es sagst. Persönliche Nöte sind sehr individuell, was den einen belastet, ist für den anderen kein großes Ding. Umgekehrt bedeutet manchen Leuten etwas unheimlich viel, wo andere nur verwundert die Augenbraue heben.

    Ob es Luxus oder eine Notwendigkeit ist auf den eigenen Bauch zu hören ist eine wichtige Frage. Vieles geht nicht von heute auf morgen und manches geht vielleicht nie oder nur mit Kompromissen. Man muss den wirklich wichtigen Dingen die Treue halten und immer wieder schauen: Wie könnte es gehen? Was wäre ein Schritt in diese Richtung?

    Als ich zum Beispiel diesen Sommer Island besucht habe, hatte das eine über 20-jährige Vorgeschichte. Mein erstes Islandbuch ist noch aus DDR-Zeiten, das kann man sich also ausrechnen. Manche Träume muss man sehr lange nähren, aber irgendwann klappt es dann eben doch. Nicht nur die großen Umbrüche sind etwas wert, mit kleinen, aber kontinuierlichen Schritten kann man genauso viel erreichen.

  10. Das war hier auch in keinster Weise angreifend gemeint.

    Eher traurig, denn ich bekomme gerade von so vielen Leuten mit, dass sie nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen.

    Daher stieß mir der Satz: Man kann nicht alles haben, gerade sauer auf.
    Entschuldige!

    Im Sinne von “ Alles im Rahmen und Nichts im Übermaß “ stimmt er ja.

    Kennst Du Beppo den Straßenkehrer aus dem Buch Momo?

    (Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter: Schritt – Atemzug -Besenstrich.

    Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat. Nach der Arbeit, wenn er bei Momo saß, erklärte er ihr seine großen Gedanken. Und da sie auf ihre besondere Art zuhörte, löste sich seine Zunge, und er fand die richtigen Worte. „Siehst du, Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“

    Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: „Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, daß es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluß ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“

    Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muß nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“ Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

    Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: „Auf einmal merkt man, daß man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“ Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: „Das ist wichtig.“ )

    An diese Geschichte musste ich gerade denken, als ich Deinen Text las 🙂

  11. Eine wunderschöne Geschichte – genau das meinte ich! 🙂 Man darf sich nicht überfordern, vieles ist nicht auf einmal zu schaffen, aber auf lange Sicht schafft mans!

    Ich dacht´s mir schon, dass du das nicht angreifend gemeint hattest, aber ich wollte auch nochmal sagen, dass ich es wirklich nicht von oben herab meine, im Web kann man die Betonung ja immer nicht mitlesen. 😉

    Außerdem kenne ich das selbst nur zu gut, ich hatte mal Bekannte die finanziell sehr üppig lebten (was ich jedem gönne), aber überall lauthals verkündeten, dass Geld doch nicht so wichtig ist und es total oberflächlich wäre, danach zu streben. So nach dem Motto: seid doch glücklich, dass ihr so wenig habt, das ist doch ein geradezu erleuchtender Zustand. Bei sowas ballt man dann irgendwann im Geiste die Faust in der Tasche, das ist an Arroganz kaum zu überbieten, denn bestimmte Dinge sind einfach ein Problem, wenn sie fehlen, egal wie positiv man denkt und wie gut man improvisieren kann.

  12. @jessi, oh ja Beppo, ich mag die Geschichte so gerne und besser als beppo kann man es nicht auf den Punkt bringen. Ich meine auch nicht mit auf seinen Bauch hören, dass jeder alles machen kann was er will, das ist schon richtig das da noch genug Beschränkungen sind um uns herum. Ich selber habe aber auch gelernt das trotz der beschränkungen( mein sohn ist krank und wir haben echt manchmal die Hölle durchgemacht), man immer weiter macht mit dem Hintergedanken das Beste rauszuholen für alle Beteidigten und manchmal klappt es auch;-). aber Fakt ist, wenn Dinge fehlen, wie Liebe , Geld, Freunde, ein Dach über dem Kopf , dann ist es echt ein Problem und nicht nur mit einer positiven Einstellung zu ändern!

  13. Nicht alle haben die gleichen Wahlmöglichkeiten.Ich hatte gewisse Wahlmöglichkeiten die auch
    meine Tochter betrafen,ohne wohlhabend zu sein.Dabei spielten auch Ängste eine Rolle.

  14. @ Weidenfrau: Das stimmt, Geld ist nur ein Faktor unter vielen. Vieles ist Kopfsache und damit meine ich keinesfalls, dass Kopfsachen einfach wären. Es wird ja oft so getan als müsste man nur mal ein bißchen positiv denken und schon wird alles gut, aber in der Praxis braucht man viel Geduld und die Fähigkeit immer wieder von neuem anzufangen nach einem Rückschlag und sich nicht unterkriegen zu lassen – am besten mit einer guten Prise Humor kombiniert, damit man nicht bitter wird.

  15. Ein sehr wichtigesThema.
    Den letzten Satz aus dem ursprünglichen Blogeintrag von Dir, Claire, muß ich mir noch hinter die Ohren schreiben. Er ist wirklich wichtig und es gelingt mir so wenig, weil der Alltag so hart sein kann, und man dann immer glaubt, daß alles irgendwie „hart“ sein muß.
    Irgendwann glaubt man dann, daß man das „Weiche“ gar nicht mehr braucht, oder man vergißt es, daß da noch was war, und dann wird man krank.

  16. Ja, das „Weiche“!

    Weich, warm und wohlig. So bekommt man oft einen herrlich erholsamen Schlaf.
    Und weich im Sinne von“nicht hart und ungemütlich“ sollen die Lebensumstände doch am liebsten sein.
    Und warm hat man es in seiner Wohnung doch meist auch gern.

    Aber leider wird einem ja heute immer vorgegaukelt, dass man „tough“ und „strong“ und „abgehärtet“ sein muss.
    Dabei ist ein „weicher“ Mensch (im Sinne von nicht versteift) doch oft ein sehr angenehmer Partner.

    Aber bei „weich und warm“ fallen einem gleich Worte wie Weichei, weichgespült und Warmduscher ein.

    Warum eigentlich???

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