das Weiche

Ich wollte das Thema noch einmal aufgreifen, weil es dazu auch viele Mails direkt an mich gab. Wir befinden uns in einer Gesellschaft, die beständig sagt: Du musst hart sein! Nur die Harten komm` in` Garten! – und so weiter. Mir kommt das eher wie Angst vor, als würde man sich grundsätzlich in einer Ritterrüstung bewegen, damit bloß niemand mitkriegt, dass man auch weiche Seiten hat.

Wie so viele habe ich mich auch mit diesem Konzept versucht und festgestellt: diese harte Linie ist Mist, man vergisst dabei zu hinterfragen, wird stromlinienförmig und unflexibel, was einem irgendwann mehr Probleme einbringt, als es löst.

Man muss nicht hart sein um etwas zu erreichen. Das dachte ich früher auch, es stimmt aber nicht. Wenn man mal ehrlich ist, hat man viele Seiten, nicht bloß eine und das gilt für jedeN von uns, egal wie cool die Außenwirkung auf den ersten Blick auch sein mag.

Unsere Kultur denkt extrem in „entweder-oder“, sie tut sich mit „sowohl-als-auch“ sehr schwer. Das sehe ich immer sehr deutlich, wenn mich Leute durch die Blume fragen: „Wie kann man sich mit spirituellen Themen beschäftigen und trotzdem ganz normal sein?“. Tja, der Mensch kann halt mehr als Brot essen.

Ein Blick in andere Kulturkreise kann da sehr erhellend sein, auch was das Annehmen des Menschen als einem Wesen mit vielen Facetten und einem natürlichen Bedürfnis nach Weichheit betrifft. In manchen Kulturen unterscheidet man zum Beispiel zwischen „heißen“ und „kühlen“ Wesenheiten, die genau das zum Ausdruck bringen: die Balance muss stimmen, immer nur scharfe Hitze brennt die Leute irgendwann aus, ohne das Gegengewicht von weicher Kühle kann man nicht existieren (das ist auf südliche Gefilde bezogen, wo Kühle ein angenehmer Zustand ist, bei uns wird das Weiche aufgrund des Klimas natürlich eher warm gedacht).

Unsere Sprache kennt das auch, ohne Weichheit wird man spröde, geizig, unflexibel, starr und irgendwann dann auch bitter, denn das hält doch niemand aus auf die Dauer.

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10 Gedanken zu „das Weiche

  1. Eine gewissen Härte muss sein, aber ich nenne es Konsequenz. Eine klare Linie gepaart mit dem Ohr zum Zuhören, der Schulter zum Anlehnen, den Augen um „klar“ zu sehen und dem Herz zum „mitfühlen“ einen Mund zum „zu“sprechen oder/und lachen. Viele Menschen in meiner Umgebung verwechseln Konsequenz mit Härte,. Aber ich bin wohl eher ein „sowohl als auch Typ“, wenn auch nicht auf den ersten Blick ;-).
    Das Eine geht manchmal nicht ohne das Andere. Allerdings sollte man nicht „verhärten“, wodurch auch immer. Manche macht das Schicksal hart (schade) andere weich.

  2. …und wenn etwas hartes so weich ist daß es sich verschiebt um unmögliches möglich zu machen, z.b. einen Zug umzuleiten, wird es direkt anders geschrieben 😉
    aus weich wird Waich! Damit es nur nicht des Wortes Sinn beinhaltet! Und doch versetzt es Berge, leitet Züge und transportiert tausende von Menschen auf Messers Schneide sozusagen, denn wenn die Waiche nicht richtig gestellt ist…..

    Herbstliche Grüße,
    Beltane

  3. das mit dem hart sein ist wie mit den ach so starken frauen , die ist ja stark also packen wir noch was drauf,lass die mal machen wir sind so schwach
    wir müssen ruhen, die kann das ja.
    oh je die spielt nicht mit, sagt einfach nein bzw läßt es einfach sein und ist weg.,oder schlimmer,oh die ist zusammengebrochen, gut nehmen wir die nächste
    nicht hart oder weich ,sondern geschmeidigkeit ist das zauberwort.
    bei sich selbst bleiben ist immer richtig. mein kopf , mein herz ,mein bauch gehören nur mir.

    magische grüsse
    die adlerhexe

  4. Interessante Gedankengänge, liebe Claire! Ich habe auch festgestellt, dass es wichtig ist, ein Mittelmaß zu finden – bin ich zu weich, versucht jeder mich zu verbiegen. Bin ich zu hart, dann bin ich oft kurz davor, daran zu zerbrechen. Somit versuche ich inzwischen, gleichzeitig flexibel und stabil zu sein, manchmal die stählerne Rüstung zu tragen und ein anderes Mal geschmeidig wie eine Katze zu sein. Das klappt gut!

    Alles Liebe,
    Liath

  5. @ Dagmar: Ich hab´ mich lange gefragt, warum ich den Begriff „starke Frau“ nie positiv empfunden habe, obwohl man da als Frau doch eigentlich zustimmend nicken sollte. Aber mit der Zeit dämmerte mir, dass er immer in diesem Unterton verkündet wird: „Da schau her, andere schaffen alles ohne zu jammern, also sein gefälligst auch so „stark“ und geh uns mit deinen Problemen nicht auf den Senkel.“.

    Die viel gepriesene „starke Frau“ ist nur ein Idealbild um Überlastung für schick zu erklären, mit der wirklichen Kraft von Frauen hat das nichts zu tun. Allzu „kräftig“ sollen wir ja ohnehin nicht sein, könnte man da noch spitz hinzu fügen.

  6. Dieses immer stark sein oder hart sein,alles zu schaffen bedeutet für mich, immer zu funktionieren,die Zähne zusammen beißen.Das kann krank machen.
    Oder andere Menschen bekommen das zu spüren.

  7. Genauso sehe ich das auch, wenn jemand sagt „ich dachte Du bist eine STARKE Frau“?!
    Ah ja, weil ich mich immer durch-boxen mußte, immer kämpfen und mein Lebensweg vielleicht nicht der Aller-Leichteste war? Klar muß man da durch, keine Frage! Aber heißt das ich darf nicht weinen, wenn ich Kummer habe oder Angst? Und wenn Du Deinen Gefühlen dann freien Lauf läßt und nicht mehr artig die kühl-erleuchtete spielst, dann bist Du gleich die Drama-Queen – super Leute!

  8. @claire sagst du als frau du willst stark sein,nicken alle
    sag mal du willst mächtig sein .oh wie kann sie nur…
    stark ja aber bitte doch zu unserem vorteil.

    magische grüsse
    die adlerhexe

  9. Setzt sich die „Starke Frau“ nicht auch wieder aus „K“s zusammen?
    Ich meine damit: früher gab es die 3 „K“s: K-üche, K-inder, K-irche.
    Heute gibt es: K-üche, K-inder, K-arriere, K-onsum, (perfekt gestylter/hart trainierter) K-örper….
    K-irche (im Sinne von Spiritualität) hat im Leben einer modernen Frau kaum Platz mehr – wann soll sie denn dafür auch noch Zeit haben?
    Die „schwache“ Frau aus den 50ern hat nur 3 Ks geschafft und alle schauen abfällig auf sie zurück. Ja, damals in den 50ern…. ach….
    Die Anforderungen sind absolut unmenschlich geworden und so entwickelt sich die Gesellschaft auch ins Entmenschlichte.

    Amira, die eine „K“-Allergie hat ;O)

  10. hallo , ich wollte nochmal was zur weichheit sagen.
    in der natur gibt es nichs wirklich hartes, selbst steine schwingen für uns nicht sichtbar, nur gewalt bringt sie zum brechen.
    frage: wer will dich härten, wer will dich brechen?

    magische grüsse die adlerhexe

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