Opfern

Zu dem Thema wollte ich schon lange schreiben, denn Opfergaben sind ein wichtiger Bestandteil vieler spiritueller Wege, wobei das deutsche Wort „Opfer“ etwas unglücklich ist, es hat einen Beigeschmack von Unglück, Schmerz und Unfällen. Im Englischen schwingt da schon etwas anderes mit: „sacrifice“, da steckt „sacred“, also heilig, drin.

Opfergaben können viele Gesichter haben, wir alle opfern auch im Alltag ständig Dinge, denn alles hat seinen Preis. Man opfert Zeit und Kraft, um Geld zu verdienen, man opfert Liebe und Hingabe, um mit anderen verbunden zu sein – oder nennen wir es ab jetzt einfach mal „Gabe“ und „geben“, denn spätestens am zweiten Beispiel sieht man, wie negativ das Wort „opfern“ den Inhalt einfärbt.

Auch Rituale und Zauber sind Opfer bzw. Gaben, selbst so kleine Dinge wie: „Nimm eine rote Kerze und Rosenöl für die Liebe.“, bezeichnen letztendlich eine Opfergabe, die wie eine Akupunkturnadel den Fluss der Dinge verbessern soll. Es gibt ja ein Ziel bzw. einen Kreislauf dahinter. Und der beginnt erst einmal mit der Feststellung des Ist-Zustandes, sei es durch Nachdenken oder – wenn es etwas verzwickter ist – durch eine Orakelbefragung.

Vor einer Weile hörte ich den Satz, dass man ohne Opfergaben aus einem „diviner“ einen „fortuneteller“ macht, das lässt sich etwa so übertragen: aus dem, der den Willen der Götter und des Schicksals erkundet, wird dann einfach nur ein Wahrsager.

Wen befragt man denn beim Orakel, wenn nicht eine höhere Stelle? Viele vermuten, dass die besondere Kraft oder Begabung im Wahrsager oder der Kartenlegerin steckt, aber dem ist nicht so. Sie oder er ist im wörtlichen Sinn nur das Medium und Medium bedeutet: das Mittlere, das Zwischengeschaltete. Man stellt die Verbindung her, ist aber nicht das Schicksal persönlich.

Daher gibt es in manchen Traditionen auch die Überzeugung, dass eine Orakelsitzung erst mit einem Opfer beendet ist. Erst die Gabe, die sich aus dem Ergebnis der Sitzung ableitet – und aus ganz unterschiedlichsten Dingen bestehen kann, vom aufwendigen Ritual bis zu kleinen Veränderungen im alltäglichen Verhalten – setzt den Schlusspunkt.

Erst wenn man das Richtige gibt, verändert man die zugrunde liegende Energie, damit sie wieder in eine bessere Richtung fließen kann. Diese Gabe kann manchmal auch bedeuten, dass man das Thema ad acta legt, selbst wenn es schmerzt. Es ist also nicht so, dass man mit Bestechung alles seinem Willen gemäß drehen kann.

Das ist ein Kreislauf. Manche sehen nur einen Ausschnitt daraus: die Orakelbefragung, die einem sagen soll, wie es weitergeht oder was man tun soll. In der Praxis kann das auch völlig ausreichend sein, es kommt ganz darauf an.

Aber (das fällt jetzt in den Bereich: „Theorie mit Claire“ ;)) im großen Bild sieht es so aus, dass man „die da oben“ – also die gestaltenden Kräfte des Lebens – um Rat ersucht und dann diesen Rat umsetzt (das Umsetzen ist die Gabe, die man gibt), um wieder ins Plus zu kommen. Selbst wenn man die Gabe für eine vorübergehende Zeit als Minus empfindet. Orakel und Gaben sind nichts einseitiges, es kommt von beiden Seiten: Rat und Tat.

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12 Gedanken zu „Opfern

  1. Ein sehr schöner und übersichtlicher Beitrag. Ich selber unterscheide da immer noch, je nach Situation. Wähle ich die Kerze (um mal bei dem Beispiel zu bleiben), weil ich sie „jemandem“ opfern bzw. als Geschenk darbringe…? Oder ist sie für mich die greifbare Versinnbildlichung der Energie, die ich anziehen oder wg. der ich arbeiten möchte?
    Die Schwingungen der einzelnen „Zutaten“ oder wie man sagen möchte werden ja häufig nicht umsonst bestimmten Themen zugeordnet. Wobei man da natürlich sehr individuell vorgehen kann und auch sollte, meiner Meinung nach.

  2. Das ist ein sehr spannender Punkt: Wer ist „jemand“ und wer oder was ist eine Energie? Sind Wesenheiten (Götter, Engel, Feen usw.) gleichbedeutend mit Energien? Oder sind sie eher „jemand“?

    Nach meiner Erfahrung sind die Übergänge fließend. Kräfte der Natur können auch als eigenständige Persönlichkeiten angesprochen werden und umgekehrt. Vielleicht sind die Persönlichkeiten eine Art Hilfsmittel, um die großen Kräfte, die uns umgeben, greifbar zu machen und ihnen ein Gesicht zu geben. Vieles wäre sonst auch einfach eine Nummer zu groß, um es zu verstehen. Wobei man nicht alles bis ins letzte Detail verstehen muss, damit es funktioniert, manchmal ist zugrunde-analysieren auch der beste Weg, das Magische kaputt zu machen.

  3. Ja, stimmt! Es kommt ganz häufig vor dass ich überhaupt nicht weiß an wen ich mich da grade wende bzw. wer antwortet. Und dass ich mir da auch gar keine Gedanken drüber mache.
    Wie Du auch schon meintest: Ich glaube Engel, Götter, Feen ect. sind schon eigenständige Wesen, können sich aber auch in anderen Formen manifestieren. Bzw. dass ihre Schwingungen / Energien eben auch enthalten sind in den Elementen z.B., einem Tier ect.
    Daher kommen glaub ich auch oft die Zurordnungen. Weil halt „der XYZ“ häufig mit dem Adler als Botentier in Verbindung gebracht wird oder man seine Anwesenheit in diesem und jenem Strauch sehr gut wahrnehmen kann ect.
    Aber jeder fühlt auf seine Weise, womit auch klar ist dass diese Wesenheiten sich jedem von uns auf unterschiedliche Weise zeigen. Jeder bekommt wohl das, womit er gerade am besten umgehen kann und was er am besten versteht. Aber ich glaube ich drifte vom eigentlichen Thema ab, sorry 🙂

  4. Das gehört schon zum Thema mit dazu. 😉 Es ist sozusagen ein Unterbereich und zwar ein wichtiger. Jeder kommt doch irgendwann an den Punkt, an dem man sich fragt: Wer ist hier eigentlich mein Gegenüber in der spirituellen Arbeit? Was ist das da genau auf der „anderen Seite“?

  5. Liebe Claire,
    ein wundervoller Beitrag (mal wieder, ich kommentiere nicht immer, lese aber alles)….
    Das Thema Karten hat mich nie losgelassen, aber ich habe mit den Jahren immer weniger welche gezogen. Warum? Weil….
    Und jetzt kommts. Ist ja auch eine Theorie. Ich bin im Thema, spiele es gedanklich durch. und habe eine Karte vor Augen. Ohne daß ich meine Hände bewegt habe.
    Das Ding hab ich mal nachvollzogen. Hatte nicht exakt die Karte, aber absolut ähnliche Tendenzen im Ziehen nach dem geistigen Auge. Und das ist das spannende.
    Alles kann im Kopf passieren!

    Gab es nicht erst „Opfer“ nachdem die „Sünde“ da war?
    Ich finde das Wort „Geschenk“ z.B. viel schöner. Denn ich muss nichts opfern, ich möchte schenken.

    Hach, schon skurile Gedanken, danke für den Gedankenanstoß, – so ists in der Dunklen Zeit 😉

    Viele herbstliche Grüße
    Beltane.

  6. Ich weiß, auch ich drifte jetzt immer mehr vom Thema ab – aber kann es eigentlich auch mal passieren, dass diese „Energien“ sozusagen den ersten Schritt machen und ich nicht zu ihnen den Kontakt aufnehme, sondern sie zu mir? Gibt es das?

  7. Ich finde es sehr gut, daß Du die Sache mit dem Opfer aufgreifst. Denn auch mir „paßt“ das Wort nicht wirklich. Irgendwie ist es ein brachialer Ausdruck. Er läßt mich an Tieropfer, Zerstörung, Zeremonialmagie, Kirche, Tod und archaische Kulte mit fragwürdigen hierarchischen Strukturen denken.
    Es ist doch viel schöner von einem Geschenk oder einer Gabe zu sprechen. Vom Gefühl her paßt das mir zumindest sehr viel besser.
    Einer lieben Freundin bringt man ja auch ein kleines Geschenk mit und kein Opfer. ;O)
    Und natürlich macht es einen gleich viel freier und leichter, wenn man sich einfach auf die Situation einlassen kann und schauen kann, wer antwortet. So ganz ohne geistige Last und eingefahrene Vorstellungen.
    Ein spannendes und wichtiges Thema!

  8. @ Beltane: Das kenne ich, man sieht vorher schon die Karte vorm geistigen Auge, die sich dann auch wirklich zeigt. 😉 Sie liegt dann schon in der Luft.

    Der Sinn von Opfern ist einen Ausgleich zu schaffen, da komme ich oft auf den Vergleich mit der Akupunktur zurück, weil man es damit schön veranschaulichen kann. Man nimmt die Nadeln ja nicht weil man sich damit wehtun will (das wäre dann das Sünde/Bestrafungs-Modell), sondern weil man weiß, dass sie die Energien wieder ins Fließen bringen. Ganz ähnlich sind auch Opfergaben keine Strafe, sondern eine selbstbestimmte (!) Handlung, um etwas in Gang zu setzen, eben eine Gabe und kein Verlust.

    @ Cristina: Aber ja! Manchmal kommen die Energien auch auf einen zu, zum Beispiel durch bedeutungsvolle Zufälle, in Träumen, Orakeln usw., sie finden eigentlich immer einen Weg.

  9. Ich unterscheide folgendermaßen: Ein sog. Opfer ist wenn ich jemanden / etwas / eine Energie um günstige Bedingungen z. B. für ein bestimmtes Vorhaben bitten möchte (Magie betreibe ect.) und dafür quasi etwas zurück geben möchte. Alles ist immer geben und nehmen.
    Ein Geschenk ist wiederum wenn ich von alleine „meiner“ Göttin, einer Fee ect. etwas darbringen möchte. Einfach nur aus reiner Freude über ihre / seine Anwesenheit. Wie bei einer weltlichen Freundschaft: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.
    Und ja: Ich habe bisher eigentlich durchweg die Erfahrung gemacht dass „die jenigen“ sich irgendwie zuerst bei mir „zu Worte“ gemeldet haben und nicht umgekehrt. Ich glaube so herum ist es sehr häufig im Leben.

  10. Ein schönes Thema!
    Was die Karten und das „Opfern“ angeht: Prinzipiell gebe ich dir recht, aber es kommt natürlich auch darauf an, warum ich Karten lege. Wenn es darum geht, zunächst nur den eigenen Willen, die eigenen Gefühle zu ergründen (was manchmal durchaus nötig sein kann), dann kommuniziere ich ja nicht mit irgendwelchen außenstehenden Mächten, sondern mit mir selbst (das Höhere Selbst, das Unterbewusstsein, wie man es eben nennen und sehen mag). Das heißt, ich könnte als Schlusspunkt höchstens mir selbst etwas opfern, was schon begrifflich schwer möglich ist.

    Geht es natürlich darum, etwas zum Positiven zu wenden (und dafür ggf. auch den Rat/die Kräfte einzuspannen, die außerhalb meiner eigenen Macht liegen), dann finde ich es nur logisch, auch etwas einzusetzen, etwas zu geben, um etwas zurückzubekommen/zu bewegen/zu ändern. Bei solchen Dingen habe ich mir eine Art dynamisches Kartenlegen angeeignet, das Ritual und Divination kombiniert und darauf abzielt, den Änderungswillen auch sofort zu manifestieren und danach zu handeln.

    LG
    Liath

  11. @ Liath: Da gehe ich voll mit, wobei ich denke, dass man sich auch selbst etwas opfern kann und das auch ziemlich oft tut. Im Grunde ist jede Entscheidung für etwas gleichzeitig auch die „Opferung“ der anderen Möglichkeiten.

    Man opfert/gibt vielleicht Zeit für eine Weiterbildung oder man opfert/gibt eine Beziehung (auf), weil sie einen nur noch runterzieht oder man opfert/gibt eine Möglichkeit (auf), weil eine andere einfach besser ist.

    Das ist immer das Vertrackte mit dem deutschen Wort „opfern“, den Unterton, der da mitschwingt kriegt man kaum raus. Es ist auch nichts, das erhaben sein muss, das echte Leben und das Heilige sind ja eins und im Grunde opfern bzw. geben wir unzählige Dinge, die wir auch ganz anders machen könnten. Opfer bzw. Gaben ziehen sich durch jeden Tag, wenn man mal genauer hinschaut, man größer, mal kleiner.

    Ein Opfer ist nicht gleichbedeutend mit einem Verlust, es kann auch große Gewinne nach sich ziehen, man muss es halt nur machen (und auch das kann durchaus Freude bereiten). Wer einen Kuchen backen will (und im Idealfall Freude daran hat), der opfert die Zeit und die Zutaten gerne, selbst wenn die gefräßige Bande ihn hinterher in Minuten verschlingt. 😉

  12. Ich habe auch mit dem Begriff „Opfer“ eher ein Problem, weil es so dramatisch klingt und so sehr nach Verlust, der es für mich nie ist. Wenn ich etwas gebe, sehe ich es immer als Geschenk, wie auch Beltaine schrieb. Und meistens gebe ich zumindest Kerzen-Geschenke sehr spontan. Mir kommt irgendjemand in den Sinn und ich möchte dann unbedingt für diesen Engel / diese Gottheit / einen Freund eine Kerze aufstellen. Ich mache das überhaupt nicht davon abhängig, ob ich selbst ein Anliegen habe und ich glaube, das würde ich umgekehrt sogar als beleidigend empfinden, wenn einer immer nur mit Geschenken wedelt, wenn er etwas haben will.
    Energien und Persönlichkeiten sind auch meiner Meinung nach nicht wirklich zu trennen. Wir alle haben ja sogar hier, da wir ja doch sehr stofflich herumrennen, unsere ganz typische eigene Ausstrahlung – das kann sich doch nur fortsetzen, denke ich. Und die Erfahrung, daß Wesenheiten zu einem kommen, ohne daß man jemanden gerufen hat, weil es einfach dran ist, daß man in einer Angelegenheit den nächsten Schritt macht oder mal wieder ein Brett vorm Kopf entfernt, habe ich auch gemacht. Ich schätze, das ist normal. =)

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