Magisches und Bräuche im Advent, zu Weihnachten und in den Rauhnächten

5.1.09 fluss eis

Kleiner hatte ich es gerade nicht und da ich in den Rauhnächten (oder Zwölfen bzw. „zwischen den Jahren“, wie man bei uns sagt) tatsächlich mal einen Ruhigen machen will, sollte ich es jetzt schonmal anschneiden. 😉 Das ist natürlich ein Thema, bei dem eine unendliche Fülle von Bräuchen und Traditionen nur darauf wartet entdeckt zu werden. Ein paar Kleinigkeiten habe ich zusammen getragen, vielleicht wisst ihr auch noch was, das ist ja auch regional sehr unterschiedlich.

Zuerst hatten wir am 4.12. den Barbaratag, an dem man Kirschzweige in eine Vase stellt und wenn sie bis Weihnachten blühen bringt das Glück. Früher hieß es, dass Unverheiratete im kommenden Jahr eine/n Partner/in finden, wenn die Zweige blühen. Je nach Gegend gab man dem (Liebes)Glück auch bis Silvester eine Chance.

Es ist einer den wenigen Tage, an denen sich auch ein Männerorakel in Sachen Liebe findet (meist orakeln ja die Damen), sie sollten den ganzen Tag lang nichts essen und abends Frauenkleidung unters Kopfkissen legen, um von der Zukünftigen zu träumen.

Die Donnerstage in der Adventszeit galten als glücksbringend, sei es um Schätze zu suchen, das Glück zu beschwören oder um die Obstbäume im Garten kräftig zu schütteln, damit sie im nächsten Jahr viele Früchte tragen (ich schüttele mein kleines Limettenbäumchen auf dem Fensterbrett und kann nicht klagen, es trägt das ganze Jahr über Früchte).

Der Thomastag (21.12., für heidnische Hexen: Yul) ist der kürzeste Tag des Jahres und daraus ergibt sich die längste Nacht, was sie in Sachen Magie und Zauber sehr attraktiv macht. Sei es die Liebe oder sogar ein Lottozauber, wobei die Grenzen zwischen Magie und Orakel sehr fließend sind.

Man sollte vor dem Zubettgehen darum bitten, vom Zukünftigen zu träumen, was oft geklappt haben soll (allerdings merkt man daran, dass diese Zauber aus überschaubaren Gemeinschaften stammen: man wusste dann auch gleich wer derjenige ist, von dem man geträumt hat, das ist heute schwieriger).

Ich habe mal einen kuriosen Lottozauber für diese Nacht gehört, bei dem man Knödel aufsetzen soll, in die man zuvor die entsprechenden Zahlen gesteckt hat. Die Knödel, die zuerst aufsteigen, zeigen die Glückszahlen an. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass dieser Zauber für 6 aus 49 gedacht war, da bräuchte man ja einen riesigen Topf.

In der Nacht vom 24. auf den 25. sprechen die Tiere, dieser Glaube ist noch sehr bekannt und man sollte (natürlich nachts, am besten zu Mitternacht) vor dem Stall oder Gehege lauschen, was sie zu sagen haben. Für heutige Praktiker vielleicht auch ein schöner Moment für Geistreisen.

Am 28. ist traditionell der Tag der unschuldigen Kinder, sie durften früher an diesem Tag die Erwachsenen mit Ruten quicken (schlagen), damit sie im neuen Jahr gesund bleiben. Ansonsten sollte man aber möglichst nichts wichtiges an diesem Tag machen. Hebammen schauten an diesem Tag zum Himmel, gab es viele Wolken, sollten viele schwere Geburten im nächsten Jahr folgen, umgekehrt war gutes Wetter ein positives Zeichen.

Die Silvesternacht ist die große Orakelnacht, nicht nur beim Bleigießen. Relativ bekannt ist das Liebesorakel, bei dem man die Schale von einem Apfel schneidet und zwar spiralförmig in einem Stück und sie danach mit der rechten Hand über die linke Schulter wirft. Und dann darf orakelt werden: die Form der Apfelschale auf dem Boden verrät den Anfangsbuchstaben des Zukünftigen. Nach allem was ich so weiß, funktioniert das gar nicht mal so schlecht.

In den Rauhnächten (vom 24.12. – 6.1.) gibt es zahlreiche Regeln und Zauber, das war früher durch diverse Kalenderumstellungen aber gar nicht so einfach, in manchen Gegenden wurden sie zu anderen Zeiten gefeiert (zum Beispiel vom 2.1. – 13.1.). Ob im Christentum oder in vorchristlichen Traditionen, das Muster ist eigentlich das Gleiche: das Göttliche/das Licht kommt zurück zu den Menschen in dieser Zeit und die Grenzen zwischen dieser und anderen Welten sind dünner als sonst.

In jeder der 12 Nächte wurde für einen der kommenden 12 Monate orakelt. Man sollte weltliche Aktivitäten so gut wie möglich umgehen, möglichst nicht waschen, backen, spinnen oder weben. Die zeitgemäße Form davon heißt dann wohl: das Handy auch mal ausmachen und nicht zu viel im Internet surfen, sondern die Ruhe in der Natur bewusst auf sich wirken lassen.

Vor den Rauhnächten wurde einmal kräftig durchgeputzt und dann sollte alles ruhen. Man findet (ähnlich wie zu Ostern) oft den Glauben, dass die Glocken der versunkenen Kirchen zu hören wären. Ein interessantes Bild, bezieht es sich symbolisch auf frühere Religionen? Ich weiß es nicht, aber so viele Kirchen können doch gar nicht überall versunken sein, wo man davon hört. Ähnlich wie die Osterfeuer gab es in vielen Gegenden auch Weihnachtsfeuer und ein Eichenklotz im Herd sollte das Glück fürs neue Jahr sichern (seine Asche wurde auf den Feldern verteilt).

Wahlweise die Weihnachtsnacht, manchmal auch die Silvesternacht musste man wach bleiben, wenn man Glück im neuen Jahr haben wollte – das bezog sich auch auf Haustiere und sogar die Obstbäume, die gerüttelt wurden mit Sprüchen wie: „Bäumchen, schlaf nicht, Frau Holle ist da!“.

Geister wurden nachts auf Kreuzungen mit Mohnsamen beschworen, um wichtiges über das neue Jahr zu erfahren, überhaupt galten Schwellen (Türschwellen, aber auch Brücken, Fenster, Übergänge zwischen Wald und Wiese oder Weg und Feld) in dieser Zeit als ideale Orte, um zu lauschen, was auf einen zukommen wird.

Aber man fragte nicht nur passiv, man setzte auch selbst Zeichen für die kommende Zeit. Deftige und üppige Speisen, vom Schweineschnäutzchen, über Bohnen, Weißkraut, Rüben bis zum Stollen wurden verspeist, also alles, was an Wohlstand und Glück erinnerte.

In diese Zeit fallen auch die Perchtenläufe, die bei weitem nicht nur unter diesem Namen bekannt sind und bis heute eine sehr archaische Kraft haben, denn wenn die Grenze zwischen den Welten dünner wird, kommen auch die wilden Gesellen hervor. Ich habe mir bisher noch keinen dieser Läufe anschauen können, aber ich weiß von gestandenen Leuten, dass ihnen dabei ganz anders wurde, eine uralte Kraft kommt da ans Licht.

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4 Gedanken zu „Magisches und Bräuche im Advent, zu Weihnachten und in den Rauhnächten

  1. Ich kenne noch von meiner Oma und meiner Mutter dass man in der Silvester- Nacht keine Wäsche zum Trocknen hängen lassen darf, weil die Gesellen der wilden Jagd sich darin verfangen können. Meine Mutter sagte mir allerdings einfach immer es wüde Unglück bringen. Bei weißer Wäsche würde im nächsten Jahr jemand aus der Familie ins Krankenhaus kommen.
    Was soll ich sagen? Ich halte mich bis heute daran 🙂 An Silvester und Neujahr wasche ich definitiv nix und wenn was an dem Tag noch nicht trocken ist, dann landet es 100pro im Trockner 😉

  2. Danke für diesen tollen Artikel, die ganzen Bräuche kannte ich noch nicht und habe nun wieder ein bißchen dazu gelernt… da freut man sich umso mehr auf die nächste Zeit 😉 !

  3. Liebe Claire
    Sie sind ja jetzt schon vorbei, trotzallem fand ich den Post sehr interessant und vorallem gespickt mit Bräuchen, die ich noch nicht kannte. Vielleicht wären die Rauhnächte für dich ja mal ein Thema für ein neues Buch 😉
    Gruß,
    Petra

  4. Zwischen Wehnachte und Silvester keine Bettwäsche waschen und auf keinen Fall auf der Wäscheleine trocknen.
    Früher wurden die Leichentücher in dieser Zeit zum Lüften aufgehängt wenn man glaubte es stirbt jemand im neuen Jahr.

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