das Bild und die Realität

Gerade geistert durch die Medien, dass soziale Netzwerke neidisch machen und manche sogar richtig runter ziehen, wenn sie sehen, was bei den anderen tolles los ist und das mit ihrem Leben vergleichen.

Das ist doch aber nicht „echt“ bzw. nur ein ganz kleiner Ausschnitt der Lebenswirklichkeit! Da sind dann vielleicht tolle Urlaubsfotos, aber wie während des Urlaubs gestritten wurde, das schreibt niemand dazu.  😉

Ich kann verstehen, dass einen das scheinbar perfekte, viel spannendere Leben anderer Leute runterziehen kann, wenn man das so sieht. Wer denkt da nicht für eine Sekunde: Haben die´s gut, ich hätte es auch gerne mal so.

Durch meinen Beruf sehe ich das alles aber in einem etwas anderen Licht. Früher gab´s den Spruch: Unter jedem Dach ein Ach. Das ist die Wahrheit. Ich lerne in Beratungen und den Kursen oft Leute kennen, die auf den ersten Blick perfekt und erfolgreich sind, von der engagierten Hausfrau, die alles im Griff hat bis zum Firmenchef, der souverän die Geschäfte leitet, von der faszinierenden Opernsängerin bis zum versierten IT Profi, es ist wirklich alles dabei.

Da man bei Hexen´s kein Blatt vor den Mund nehmen muss, wird frei heraus geredet und dann sieht man: wir kochen alle nur mit Wasser, haben an Problemen zu knabbern, hadern mit manchen Dingen und müssen uns immer wieder aufraffen, damit es weiter geht, egal wie toll man nach außen hin auch wirken mag.

Das Bild, das man nach außen hin sieht, ist doch nicht das ganze Bild. Und es ist nur normal, dass man in sozialen Netzwerken und dergleichen nicht all das öffentlich auslässt, was einem wirklich ans Herzchen geht. Also findet man eben die Happy-Nachrichten und schönen Bilder. Man sollte sie einfach als das nehmen, was sie sind: ein schöner Ausschnitt, an dem man sich mifreuen kann, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.

 

Advertisements

6 Gedanken zu „das Bild und die Realität

  1. Irgendwie kann ich mit dieser Diskussion nicht ganz so viel anfangen, die da entfacht wurde… Ganz ehrlich: Ja, in facebook usw. zeigen wir alle nur unsere „Schokoladenseiten“. Außer natürlich unter den „engen“, also echten Freunden. Aber mal im Ernst: Wenn jemand Probleme mit sich selbst hat, dann ist es egal ob er sich mit einem facebook-Profil identifiziert, oder gleich einer „realen Person“. Dann muss der jenige an seinem eigenen Leben arbeiten, denn nur das birgt die Lösung des Geheimnisses – meiner Meinung nach…

  2. Noch ein Grund, warum ich soziale Netzwerke mit Skepsis betrachte … andererseits denke ich mir, wie fremd muss man sich denn geworden sein, wenn man nicht mehr hinter die Fassade schauen kann? Bei meinen Freunden weiß ich ziemlich genau, dass sie vielleicht viele schöne Fotos und Aktivitäten öffentlich machen, daneben aber auch ziemlich gestresst von all diesen Dingen sind und dass nicht immer alles rund läuft. Aber wahrscheinlich ist so ein „soziales Netzwerk“ einfach nicht gleichbedeutend mit Freundeskreis für die meisten, weshalb man sich leichter in die Irre führen lässt.

    Mit Blogs ist es übrigens ähnlich, das ist mir oft aufgefallen. Man bloggt halt nicht darüber, dass man gerade eine böse Magen-Darm-Geschichte oder einen riesigen Berg Abwasch hat, sondern wartet lieber auf das nächste spannende Thema und die Leute denken, man sei irgendwie anders als sie selbst, weniger geplagt vom Alltag.

  3. Ich finde auch, soziale Netzwerke haben die Funktion der Vernetzung, nicht die eines Kummerkastens. Mich würde das total runterziehen, bei facebook dauernd über mich zu jammern – ich sehe das eher als Möglichkeit, mich über Aktivitäten interessanter Leute meiner Branche auf dem Laufenden zu halten oder persönlichen Freunden mal einen schnellen Gruß zu schicken.
    Und ich sehe das wie Athena: Wer sich von einem schönen fb-Profil eines anderen Menschen derartig herunterziehen läßt, in dessen Leben herrscht doch eigentlich große Armut.
    Im letzten Sommer oder so hat sich doch ein junger Mann in Holland (?) umgebracht, weil er Opfer von Cybermobbing war. Und auch da muß ich eine gewisse Verständnislosigkeit eingestehen: Niemand von uns hängt am Internet wie an einem Tropf. Man KANN dieser Form von Mobbing ausweichen, selbst wenn man nicht die Persönlichkeit hat, da drüber zu stehen (wer hat das schon, wenn es massiv wird), indem man einfach den PC herunterfährt und stattdessen ins Kino oder in die Bibliothek geht.

    Ich sehe das nicht als ein Problem, das soziale Netzwerke mit sich bringen, sondern betrachte eher mit Besorgnis die Lebensuntüchtigkeit der Personen dahinter, die glauben, ohne ihre virtuellen Bekanntschaften wären sie unvollständig und wertlos. Ich finde das sehr traurig bedauernswert. (Das klingt so arrogant, wenn ich das grad durchlese, aber so ist es gar nicht gemeint…)

  4. @ Hummel: Mir geht es ganz ähnlich, viele Leute nehmen das Netz zu ernst. Man gibt den Leuten viel zu viel Macht über das eigene Leben, wenn man sich da so reinsteigert. Wenn jemand wirklich Mist über andere verbreitet, denken sich die meisten doch ihren Teil und können das schon für sich einordnen.

    Ich glaube für Teenies ist das eine echte Herausforderung, weil sie in einer Phase sind, in der sie sich selbst noch nicht gefunden haben und da kann einen so etwas wirklich treffen, zumal ihr Umfeld ebenfalls aus Teenies besteht, die genauso unsicher sind, aber maximal cool rüberkommen wollen. Für sie würde ich mir mehr Schutz wünschen, denn in dem Alter hat man meist noch nicht die Nerven über solchen Sachen zu stehen und dann passieren leider auch Tragödien, die so niemals hätten sein müssen.

  5. Vielen Dank für diesen Post. Du sprichst mir aus der Seele. Wie sagen die Engländer so schön: You made my day!

  6. Ich oute mich, da ich schon seit Jahren mit sozialen Netzwerken verbunden bin. 😉 Mir geht es hauptsächlich um den Austausch mit Freunden, die mal eben nicht ‚um die Ecke wohnen‘.
    Dazu muß ich sagen, dass ich auch einmal zu den Cybermobbing-Opfern zählte. 😦 Die Person, von der es ausging, war zerfressen vom Neid auf mich, sie lebte fast ausschließlich in der virtuellen Welt und hatte im realen Leben keine Freunde. Als erwachsene Person fällt es wirklich schon sehr sehr schwer, darüberzustehen zumal diese Person auch Fremde anheuerte, um meinem Partner Fotos zu zeigen, die er schon längst kannte, mit der Bemerkung „Sieh mal, was sie so treibt, wenn du nicht dabei bist“. Sie wollte systematisch, auch aus Eifersucht auf meine Familie (das muß man sich mal vorstellen!!), mein Leben zerstören. Es waren 6 harte, kämpferische Monate…..
    Vor einiger Zeit habe ich diese Person wiedergesehen – sie stand allein auf weiter Flur, wurde von gemeinsamen Bekannten komplett ignoriert. Da hatte ich schon fast wieder Mitleid mit ihr.

    Für Teenies, die mental noch nicht gefestigt sind, würde ich mir auch strengere Einschränkungen wünschen, damit solche Fälle wie Selbstmord durch Cybermobbing in sozialen Netzwerken nicht mehr passieren. Jugendliche müssen einfach besser geschützt werden, sie sind noch in der Selbstfindungsphase und sehr unsicher.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s