heute mal philosophisch

Letztens meinte jemand sinngemäß zu mir: „Du, Claire, das ist komisch, aber wenn ich es mit Hexen zu tun habe, wird es oft dogmatisch und irgendwie verkrampft. Bei zusammengewürfelten Leuten, die keiner speziellen Tradition angehören, sondern einfach so das Spirituelle erkunden wollen, geht es oft viel lockerer und experimentierfreudiger zu.“

Ich musste schmunzeln, das kenn´ ich. Komisch, oder? Aber wenn wir schonmal dabei sind, dann kommt´s doch gleich mal auf den Tisch, ähm: Blog. 🙂 Woher kommt das? Ich vermute: wenn man etwas „ist“, will man es auch abgrenzen und vielleicht umso mehr, als man meint sich rechtfertigen zu müssen, auch um der „etablierten“ Gesellschaft etwas vorzeigen zu können, das sie versteht. Dabei fällt man schnell in deren alte Stukturen zurück.

Man merkt das daran, wenn einen typische Vorstellungen von Regeln, Grenzen, Gesetzmäßigkeiten usw. auf einmal 1:1 im naturspirituellen Gewand anschauen. Wo ist der Wandel, wenn es ungeschönt mit „du darfst“ oder „du darfst nicht“, mit „das geht“ oder „das geht nicht“ weitergeht?

Ich sehe es ohnehin als eine der größten Aufgaben an, vom entweder-oder zum sowohl-als-auch zu finden, nicht nur auf den Einzelnen, sondern auch auf die ganze Gesellschaft bezogen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: das hört sich leichter an als es ist, aber es ist sehr bereichernd.

Etwas Eigenes, das frei ist, beginnt auch damit, sich vom Rechtfertigungsdrang frei zu machen. JedeR hat das Recht die Dinge so weit oder eng zu betrachten, wie sie/er das möchte. Ich werde zum Beispiel oft gefragt: Wie siehst du das? Wie begründest du die Wirksamkeit von Magie? Wie kann Kartenlegen funktionieren?

Ich begründe gar nichts und als ich an diesem Punkt angekommen war, habe ich eine ungeahnte Befreiung verspürt. Wir sind ein freies Land. Macht eure eigenen Erfahrungen, seid kritisch, aber auch liebevoll und bildet euch eine eigene Meinung. Was ich so vor mich hin brabbele ist nicht entscheidend. 😉 Letztendlich, wenn man ehrlich ist, glaubt man doch erst der eigenen Erfahrung. Und die kann man bekanntlich nur machen, nicht lernen.

Ich empfinde vieles, was in spirituellen Kreisen (generell) als Diskussion bezeichnet wird, als zutiefst respektlos. Es sind schon buddhistische (!) Online-Foren geschlossen worden, weil man sich bis aufs Blut beschimpft hat. Ein Freund meinte dazu: In Deutschland wird nicht diskutiert, da will jeder Recht haben. Harte Worte, aber ganz Unrecht hat er damit nicht.

Wenn man mit jemandem diskutiert, nur um ihn zu überzeugen (echtes Diskutieren ist etwas ganz anderes, als seine eigenen Ansichten durchsetzen zu wollen), respektiert man die Grenze des anderen nicht, sondern meint, man hätte die Weisheit mit der Suppenkelle geschöpft. Damit setzt man den anderen herab und sich selbst aufs Podest. Schon kann man sich nicht mehr in die Augen schauen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Respekt, Humor, Neugier und Offenheit sind wichtige Zutaten für jeden spirituellen Weg! Ganz nebenbei macht´s so auch noch bedeutend mehr Spaß und erzeugt jede Menge positiver Energie! 😀

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7 Gedanken zu „heute mal philosophisch

  1. Hallo Claire,

    deine Worte haben mich sehr berührt, weil dieses ewige begründen mir schon lange „auf die Nerven“ geht. Wenn ich zu etwas ja oder nein sage, werde ich gefragt, warum? Wenn ich dann antworte, weil ich das so möchte, ernte ich häufig Mißfallen. Man muss nicht wirklich alles begründen, was man tut, denkt oder nicht tut und nicht denkt, dass schließt ja eine Diskussion icht aus, auch das kann ja den Blickwinkel erweitern.

  2. Ha, da sagst du was! Ich muss gestehen, manchmal komme ich auch in Dogmen und Regeldenken herein – ich finde es zum Beispiel grässlich, wenn sich jemand naturspirituell nennt, und dann seinen nicht abbaubaren Ritualmüll im Wald vergräbt und schimpfe da auch schonmal rum. Aber so ganz grundsätzlich finde ich, dass jedeR ihreN magischen Weg finden soll und darf, ungeachtet der Wege, die andere gehen und ungeachtet aller Dinge, die aus der vermeintlichen Weisheit anderer entspringen.

    Ich bin froh, inzwischen ein paar eklektische Hexen gefunden zu haben, denen es total egal ist, ob man nun mittels Trommelklängen oder Techno in Trance kommt, ob man Kerzen- oder Taschenlampenmagie betreibt oder ob man Tarotkarten oder Grafitti deutet. Hauptsache, Herz und Seele sind bei der Sache!

  3. Liebe Claire, du kannst Gedanken lesen. Das Thema ist momentan wieder ganz aktuell. Ich bin auch davon überzeugt, dass es dieser oftmals verzweifelte Versuch, nicht als „gaga“ zu gelten ist, der manche Hexe dazu bringt, sich um Kopf und Kragen zu reden 😉 Du hast wunderbare Gedanken zu diesem Thema dagelassen und sicher einigen ein wenig die Augen geöffnet. Liebe Grüße vom verschneiten Niederrhein…

  4. Die perfekte Größe eines Covens ist 1 Hexe. ^^ Im Ernst, ich glaube, das hat damit zu tun. Die meisten Hexen, die ich kenne, sind sehr dickköpfig und wissen genau, was für sie richtig ist. Schwierig wird es, wenn man sich daran erinnern muss, dass für andere Leute vielleicht andere Dinge richtig sind…

  5. Und dann gibts ja auch noch den Alltag bzw. um genau zu sein: den Arbeits-Alltag. Für eine Gruppe braucht man Zeit (zum Beispiel für Diskussionen ^^) und wer hat die schon, wenn es ganz normal geworden ist, dass man nicht genau sagen kann, wann man abends Feierabend hat oder als Mutter irgendwie eine Betreuung für die Kleinen in dieser Zeit organisieren muss.

    Ich kann mir vorstellen, dass das allgegenwärtige straff-eingespannt-sein sich auch im Spirituellen niederschlägt. Man hat dann weder die Kraft, noch die Lust zu diskutieren, weil die inneren Ressourcen dafür bereits von anderen Sachen weggeknabbert wurden. Da muss ich immer an eine Textzeite von Udo Lindenberg denken: „Eigentlich bin ich ganz anders, ich komm´ nur viel zu selten dazu.“.

  6. Hallo Claire,
    auch ich kann viel mit deinem Artikel anfangen. Ich finde, jeder Mensch sollte die Welt auf seine bestimmte Art und Weise entdecken und nicht zwingend auf meine. Ich habe die Situation auch oft andersherum erlebt: Manchmal wollen Menschen unbedingt mit mir über meine Spiritualität reden und möchten sie mir die ganze Zeit ausreden. Ich persönlich habe aber überhaupt kein Interesse daran, mit ihnen darüber zu reden. Es ist meine persönliche Wahrheit, von der ich niemanden überzeugen muss – warum auch? Diese Leute haken dann aber dennoch weiter nach und fragen dann so Sachen wie: „Nee, sach doch mal, du glaubst an Geister?“ Dann habe ich noch weniger Lust, mich darüber zu unterhalten, weil ich merke, dass die Person unter Spiritualität nur „Spuk“ versteht. Oder wenn man sich im Lehrerkollegium ganz locker und witzig über Astrologie unterhält und aus irgendeiner Ecke kommt: „Oh nee, ihr glaubt doch wohl nicht an den Scheiß…!“ Und es verwundert mich immer wieder, wie aggressiv Leute dabei werden können. Unglaublich. Ich ziehe mich dann zurück und gebe keine Antwort, weil es keinen Sinn hätte, die Person zu aggro ist und ich, wie gesagt, auch niemanden von irgendwas überzeugen will.
    Ja und das mit dem Beweisen ist auch so eine Sache. Ständig muss alles bewiesen werden, sonst glaubt es keiner. In den Wissenschaften wird das ja ganz groß geschrieben. Aber für mich gibt es nie den wirklichen Beweis für irgendetwas, so wie es auch keine richtige oder falsche Meinung geben kann. Das, was um uns herum ist, ist wahrscheinlich vielmehr sowas wie eine Illusion, mit der wir lernen können, klug umzugehen und sie für uns zu nutzen. Sowohl als auch ist dabei auch für mich das Grundprinzip.

  7. @ Sofia: Das Lustige ist, dass genau die Leute, die immer darauf herum hacken und das alles für Blödsinn halten, im Notfall plötzlich eine ganz andere Meinung haben. Dann kann es ihnen gar nicht schnell genug gehen, man soll unbedingt etwas für sie machen und überhaupt – sie hätten es ja nie so gemeint, als sie darüber hergezogen haben. Wenn´s ans Eingemachte geht, kommen die größten Skeptiker auf einmal heimlich, still und leise angeschlichen.

    Am schlimmsten sind die Verallgemeinerungen in dieser Sache: weil man mit einem Aspekt einer Person nichts anfangen kann (sei das nun die Spiritualität oder etwas anderes), kann man doch nicht gleich den ganzen Menschen ablehnen. Es müssen doch nicht alle gleich sein, das wäre ja auch entsetzlich langweilig.

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