Bitte schön

FotohIn letzter Zeit kamen wir öfter im Hexenkurs auf die Kraft des Bittens und wie oft sie unterschätzt wird. Vielen fällt es aus ganz unterschiedlichen Gründen schwer um Hilfe zu bitten, wenn sie sie brauchen. Sei das auf der alltäglichen oder der feinstofflichen Ebene. Manchmal weil man früh erwachsen werden musste und von klein auf gewohnt ist alles selbst zu lösen oder weil man es als Schwäche ansieht oder einfach weil man befürchtet andere zu sehr zu belasten, wenn man sie um etwas bittet.

Um etwas zu bitten, also wirklich zu sagen: Da komme ich jetzt allein nicht weiter, gilt als ziemlich uncool, allen: „Da sollte man sich Hilfe holen.“-Ratschlägen zum Trotz. Wir bekommen ja ständig suggeriert die Bildhauer unseres eigenen Lebens zu sein (wir hatten das letztens schon beim Thema Glücksterror). Wenn man um etwas bittet sagt man offen: Ich brauche Hilfe, und das steht doch sehr im Gegensatz zum allgemeinen Macher-Image, das jeder über sich verbreiten soll.

Man sieht das manchmal auch aufs Magische übertragen. Rituale sind „cool“, da ist man irgendwie der Chef (oder fühlt sich zumindest so). Gebete und Meditationen sind irgendwie so weich daneben.

Aber das sind sie nicht, das Weiche hat eine ungeahnte Kraft. Und auch auf der spirituellen Ebene will man gebeten werden, sprich: man besitzt die Höflichkeit dir nicht einfach ins Leben hinein zu pfuschen, sondern du musst sagen, wenn du irgendwo nicht klar kommst und um Hilfe bitten. Das hört sich so einfach an, ist aber oft der Punkt, an dem es schwierig wird.

Man muss es wirklich sagen, klar und deutlich. Man muss übrigens nicht gleich eine Lösung im Gepäck haben, es ist sogar besser, wenn man die andere Seite einfach mal machen lässt, die kennt nämlich noch ganz andere Lösungen als den alten Trott. Viele meinen gleich eine Lösung wissen zu müssen, wenn sie schon um Hilfe bitten (was auch bedeutet, dass man es nicht wirklich abgibt), aber das muss man gar nicht.

Die darf man sich auch schenken lassen und das ist ein ungemein beglückendes Gefühl. Wir dürfen auch mal schwach sein, komischerweise führt oft erst das echte Eingeständnis von Schwäche dazu, dass man wieder in die Puschen kommt. Als müsste man erst auf den Grund sinken, damit man sich wieder abstoßen kann. So lange man noch versucht alles irgendwie zu verschlimmbessern oder sich schön zu reden, gehts nicht vorwärts.

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9 Gedanken zu „Bitte schön

  1. Dein Post bringt mich auf eine neue Idee, warum ich mich mit Ritualen im ganz klassischen Sinne so schwer tue. Ich habe immer wieder gegrübelt, woran das wohl liegen mag. Aber ich bin einfach nicht darauf gekommen.
    Jetzt denke ich, daß es vll. daran liegen könnte, daß ich eben eher der „weiche“ Typ bin.
    Vll. ist bitten und beten eher mein Weg.
    Ich finde es angenehmer, die Elemente dort zu lassen, wo sie sind (nicht der „Chef“ zu sein)und mit ihnen zu meditieren, zu träumen oder eben für und mit ihnen zu beten, als sie zu rufen und mit ihnen zu sprechen.
    Dabei hoffe ich sehr, daß Du Recht hast, Claire, daß das „Weiche“ eben auch eine sehr große Kraft in sich trägt. Angesichts der Welt kommt man da so schnell ins (Ver-)Zweifeln.
    Dabei ist das auch ein alter asiatischer Gedanke: „Das Weiche besiegt das Harte.“
    (Shaolin-Philosophie) Ich versuche das nun erst einmal anzunehmen, daß nicht alles was „weich“ ist, minderwertig und schwach, oder gar wertlos ist.
    Dies wird einfach überall suggeriert und es fällt schwer, sich mal ehrlich davon zu lösen.

    Von daher: danke Claire, für den Gedankenanstoß. ;O)

  2. Aber gerne! Ich weiß dass es funktioniert, ich war nämlich sehr skeptisch, als ich diese Herangehensweise erprobt habe, das ist nicht vom Baum der Erkenntnis gefallen, das war harte (und weiche) Arbeit. 😉

    Ich bin wohl eine typische große Schwester, Verantwortung zu übernehmen und den Laden am Laufen zu halten ist meine zweite Natur. Insofern bin ich nicht der Typ, der Dinge locker laufen lässt oder andere (auf dieser oder anderen Ebenen) mit seinen Anliegen belästigen möchte. Und ich glaube genau deshalb war diese Erkenntnis auch so eine schöne Entdeckung.

    Man könnte denken, dann verwässert alles, aber so ist es nicht. Man muss sich ja seine Gedanken machen, wo der Schuh wirklich drückt, das ist etwas sehr konkretes. Aber wenn es dann an die Lösung geht, kann man sich ruhig auf die göttliche Fügung (oder wie man es für sich nennen möchte) verlassen. Natürlich nicht Däumchen drehen und warten, aber offen sein, wahrnehmen und sich dann im richtigen Moment einklinken – das funktioniert tatsächlich. Ganz ohne Härte oder Chef-sein-müssen.

  3. Ich gehöre zu der Fraktion: Musste schnell erwachsen werden und sich selbst helfen, deshalb fällt mir das Bitten auch oft schwer. Zumal ich auch irgendwo im Hinterkopf auch gespeichert habe, dass einem niemand umsonst hilft, was natürlich so allgemeingültig gar nicht stimmt (aber auch nicht ganz unrealistisch ist); gerade die andere Seite hilft ja durchaus gern, besonders wenn man sich schon irgendwie „verbündet“ bzw. verbunden hat.

    Sicher spielt bei einigen aber auch die Angst vor Enttäuschung mit hinein: Wenn mein Ritual scheitert, dann habe ich vielleicht was falsch gemacht, war nicht ganz mit Herz und Kopf bei der Sache, usw. Aber wenn ich keine Hilfe bekomme, nachdem ich darum gebeten habe, heißt das vielleicht, dass mich niemand hören, dass mir niemand helfen wollte?

  4. @ Liath: Manchmal muss man eine Weile warten, bis hinter den Kulissen alles arrangiert wurde. Manchmal klappt es aber auch (noch) nicht.

    Ich will hier ganz bestimmt nicht irgend etwas in Richtung „garantiert funktionierende Happy-Methode“ schreiben, denn so etwas gibt es einfach nicht. Das Leben besteht immer zu einem gewissen Teil auch aus Chaos, Unsicherheiten und Dingen, die irgendwie nicht so laufen, wie sie sollten.

    Mir gings vor allem um die Anregung ruhig einmal „weich“ zu werden und Sachen abzugeben, das kann viel verändern, gerade wenn man es nicht gewohnt ist.

  5. Mir ging es auch so, dass ich mich allein durchschlagen mußte und dass ich eher schlechte Erfahrungen sammeln mußte, wenn eben auf eine Bitte sofort eine Bedingung folgte 😦 Auch das Gefühl, das Ruder aus der Hand zu geben, ist eng damit verknüpft. Trotzdem ist das bitten von ganzem Herzen etwas sehr mutiges, denn es geht auch um Vertrauen, um Demut und Hingabe. Demut nicht im Sinne von demütigen und klein machen, sondern ganz im Gegenteil anmutig sein Haupt neigen und jemanden bitten, der es wahrscheinlich besser weiss als man selbst. In vielen Wört steckt hier das Wort „Mut“.

    Vielen Dank, dass du uns heute daran erinnert hast, Claire

  6. Hallo,
    ich kann das was die Vorberichte aussagen nur unterstreichen. Auch ich habe mich ehr oder weniger so allein durchgewurschelt. Wenn ich in der Kindheit um etwas gebeten habe wurde das nie wahrgenommen oder ich wurde gefragt: kannst du das nicht allein? Nicht das ich jetzt „vrbiter“ bin, nur bin ich es auch nicht gewohtn zu bitten. Mittlerweise „wünsche“ ich mir bestimmte Situationen und wenn diese dann eintreffen, bedanke ich mich. Ob das gleich zu setzen ist mit bitten, weiss ich nicht, aber vielleicht ein Weg dort hin. Ich habe gemerkt, dass ich bei der „Wunschererfüllung“ häufig wirkliche Dankbarkeit empfinde, es also nicht nur so sage. Das wäre bei mir früher nicht möglich gewesen. Auch dafür bin ich dankbar 🙂

    Liebe Grüße Cassy

  7. Liebe Claire,
    vielen Dank für diesen schönen Post. Ja, Bitten bedeutet, etwas bewusst in andere Hände zu geben und bei dieser Handlung bleibt man ja immer noch Schmied seines eigenen Schicksals. Ein Macher zu sein, kann ja auch bedeuten, zu bitten, da macht man auch was, um sich selbst auf die Sprünge zu helfen. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich mir erst einmal eingestanden habe, was meine Schwächen sind, sie also akzeptiert habe, diese endlich beginnen, sich bewegen zu können. Und wenn sie dann erstmal so in der Luft schwirren und schweben, kann man sie sich gut angucken und dann beginnt der Prozess, dass man sie umformen kann. Wie bei allen anderen Energien, keine geht verloren – sie wandelt sich immer nur um.

  8. Tell me about it! In meiner Alter es fällt sehr markant auf! So viele Dinge schaffe ich nicht allein und muß um Hilfe bitten und beten. Mein alle größter Feind bin Ich in dieser Art und Weise. Ich denke an das alte Kartoon, Pogo von Walt Kelly – „We have met the enemy and he is us“ Wir haben den Feind begegnet und wir sind es. Anyway vielen Dank für diese Artikel

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