Gründonnerstagssuppe und die Zeit

Nicht vergessen: heute ist Gründonnerstag und da gehört eine grüne Suppe auf den Tisch. Ich kenne es mit jungen Brennnesseln, aber es gibt auch wunderbare Suppen aus Petersilie, Löwenzahn, Sauerampfer usw. (die man in diesem Jahr leider nicht draußen pflücken kann).

Ich behelfe mir diesmal mit getrockneter Brennnessel, etwas Gemüsebrühe, Sahne und Brokkoli, der ist schließlich auch grün. Die Frankfurter (Main) sind da klar im Vorteil, nach allem was ich weiß gibt es bei euch die Zutaten für grüne Suppe immer frisch auf dem Markt. Wer´s nicht schafft: ein Kräutertee tut es zur Not auch, es geht ja um den Gedanken dahinter.

Die Gründonnerstagssuppe ist natürlich ein Frühlingsbrauch, man verbindet sich mit den frischen Kräften der Natur und sie soll auch dafür sorgen, dass einem das ganze Jahr über niemals das Geld ausgeht.

In der aktuellen Dauerkrise hat das ja nochmal eine ganz neue Dimension bekommen oder ist es vielleicht ein schlechtes Omen, dass in diesem Jahr noch nichts richtig sprießen konnte, das eigentlich in die Suppe hinein gehört? (Das ist Spaß – wobei, man weiß ja nie…)

*

Ich hatte da ohnehin gerade ein Aha-Erlebnis. „Die Magie der Hexen“ wird neu aufgelegt und ich habe es nochmal durchgesehen, aber nichts gefunden, das ich ändern würde (ein schönes Gefühl), bis auf die vielen Ausrufezeichen – das war wohl noch die jugendliche Sturm- und Drangphase. 😉 Aber an einem Punkt musste ich wirklich stutzen, das Buch ist von 2006 und damals habe ich noch schreiben können, dass 3/4 aller Beratungen bei einer Hexe sich um die Liebe drehen.

Jetzt sind gerade mal sieben Jahre vergangen und es sieht so aus: 1/2 dreht sich um den Job, 1/4 dreht sich um stressige Dinge (Streitereien, Mobbing, verzweifelte Wohnungsssuche usw.) und 1/4 dreht sich dann tatsächlich noch um die Liebe – jetzt mal grob überschlagen.

Das ging so schnell! Was ist nur passiert? Es kam wie eine leise, dumpfe Welle: eine Firma (und auch die Behörden usw.) nach der nächsten hat das Raubtiermodell übernommen, vor sieben Jahren wußte kaum jemand was ein Burn Out ist. Beim Lesen meiner Zeilen kam die Zeit nochmal ins Gefühl, natürlich gabs damals auch viel Stress und Herausforderungen, aber nicht diese hohe Grundspannung. Die Leute hatten noch Zeit für Liebessorgen, fürs Private also, wenn man es so sieht.

Als Kind der ehemaligen DDR weiß ich, wie sich ein kompletter Systemwechsel anfühlt und das jetzt ähnelt diesem Gefühl, auch wenn es nicht so grundlegend ist wie damals, es ist ein Systemwechsel, aber diesmal habe ich kein gutes Gefühl dabei und diesmal kommts auch nicht von den Leuten, sondern von oben.

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7 Gedanken zu „Gründonnerstagssuppe und die Zeit

  1. Na, da weiß ich ja, was ich heut noch koche (oder notfalls die ganz moderne Variante: was in den grünen Smoothie muss). 🙂 Den Brauch gab es bei uns (Nord-Ost-Brandenburg) allerdings nicht oder jedenfalls nicht dass ich wüsste.

    Schade, dass es nicht mehr die Liebe ist, die die Menschen bewegt, sondern Angst, Verzweiflung und Gewinnstreben. Da kann ich Mutter Natur auch verstehen, dass sie bei einem solchen Mangel an Liebe auch nur Kälte übrig hat und nichts wächst. 😉

    Liebe Grüße,
    Liath

  2. Liebe Claire,
    danke für den Supertipp-jetzt weiß ich endlich, was ich heute mittag essen kann 🙂 Dafür gibt es dann heute abend etwas mehr…
    Also ich denke, dass 2013 ein ganz wichtiges Jahr wird, in dem alles anders ist, was aber auch positiv sein kann. Das ist die persönliche Erfahrung, die ich mache und vielleicht auch die Wettererfahrung bisher… Und 2013 wechseln wir doch auch in den – war es der Wassermann? – ja, ich denke schon…oder Fische? Also ich bilde mir jedenfalls ein, eine Veränderung zu spüren… die sich für mich allerdings positiv anfühlt.

  3. Ein Smoothie ist auch eine feine Idee!

    Ich denke auch, dass vieles in Bewegung kommen wird. Die Leute lassen sich eine ganze Weile auf der Nase herumtanzen und mit „alternativlosen“ Ideen abspeisen, aber irgendwann sind so viele Leute davon betroffen, dass die Stimmung kippt. Das geht ja durch alle Schichten (bis auf die ganz oben). Jemand der sein Leben lang hart gearbeitet hat und ein paar Jahre vor der Rente aus Gesundheitsgründen nicht mehr kann, steht vom Geld her genauso da, als hätte er nie einen Finger gerührt. Das ist nur ein Beispiel unter vielen, sowas geht mir einfach nicht in den Kopf. Ich bin nicht gegen Reichtum, aber ich bin gegen Armut.

    Bei den meisten Leuten ist in den letzten Jahren die Existenzangst zur unterschwelligen Begleiterin geworden, selbst wenn es einem eigentlich ganz gut geht. Man muss nur einmal Pech haben, einmal etwas länger krank sein usw. und schon ist man draußen.

    Ich hab grad gestern (deshalb ist das Thema gerade auch so präsent bei mir) die Geschichte einer Frau gehört, die nach drei Tagen Unwohlsein von ihren Kollegen zum Arztbesuch gedrängt wurde, sie selbst hatte Angst davor krank zu machen. Die Diagnose hieß: leichter Schlaganfall in Folge von Überarbeitung. Das hätte richtig böse enden können, sowas macht mich einfach sprachlos.

  4. Also Frankfurter Grüne Suppe kenne ich als ehemalige Vorort-Frankfurterin nicht, es heißt Frankfurter Grüne Soße oder „Grie Soß“ und wird mit Kartoffeln und Fleisch/Fisch gegessen. Wichtig sind die 7 Kräuter, die tatsächlich sogar in den Supermärkten in Papier eingewickelt zu bekommen sind. Ganz „exotische“ wie Borretsch, Kerbel oder Pimpinelle. Als ich noch einen Garten hatte, habe ich versucht alle anzubauen, Pimpinelle z.B. wächst wie Unkraut so schnell wieder nach, und gibt auch Quark oder im Salat mal einen ganz anderen Geschmack als man´s so kennt mit den Standart-Supermarktkräutern. Kann ich nur empfehlen, ebenso Sauerampfer, den haben wir als Kinder schon so vom Feld gegessen. Aber man kann die Kräuter natürlich auch wunderbar in eine Suppe tun… oder in einen Smoothie!

  5. Natürlich: es ist Soße nicht Suppe. Ich wäre vor ein paar Jahren fast Frankfurterin geworden, dann wüßte ich´s besser. Um die Kräuter beneide ich euch aufrichtig, gerade weil auch so seltene, leckere Sachen dabei sind, die man sonst nicht so leicht bekommt.

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