das karmische schlechte Gewissen

In letzter Zeit hatten wir oft im Hexenkurs das Thema der karmischen Schuld und ich vermute mal, dass das auch sonst noch ein paar Leute bewegt, also bringen wir´s mal aufs Tablett.

Ihr kennt vielleicht diese Grundannahme in manchen esoterischen Kreise, wo man de facto davon ausgeht, dass man an all seinen Leiden selbst Schuld ist, weil man (zum Beispiel in einem früheren Leben) so viel Mist gebaut hat, dass man es jetzt leidvoll abtragen muss.

Ganz schön gnadenlos, diese Einstellung, und zwar im wörtlichen Sinne: Gnaden-los, ohne Gnade, ohne Verständnis für Menschlichkeiten, die uns eben auch ausmachen. Wie sagt das spanische Sprichwort so schön: Für jedes Engelchen hat man ein Teufelchen (die beiden Süßen oben auf dem Foto erinnern mich daran).

Wir sind Menschen, keine perfekten Engelchen. Es ist wunderbar an sich zu arbeiten und sich zu entwickeln, aber doch nicht mit so einer Drohkulisse im Hintergrund, sondern weil man es will.

Ich habe aber noch ein grundlegenderes Problem mit dieser Logik, denn wenn man diesen Faden mal weiterspinnt, bedeutet es nicht weniger, als dass der Stärkere immer Recht hat. Das würde Tätern aller Art einen Blankoscheck ausstellen: ist halt Karma. Ich habe nicht nur einmal Menschen getroffen, die der Meinung sind, dass sogar Kinder, denen schlimme Dinge passieren, im karmischen Sinne selbst schuld daran sind.

Bedenklich ist das auch, wenn es um Krankheiten geht (dazu lasse ich mich im nächsten Buch nochmal in aller Ruhe aus) und den Leuten, die mit ihrem Leiden bereits genug zu tun haben, noch zusätzlich eingeredet wird, dass sie selbst schuld daran sind.

Wärst du mal ein besserer Mensch gewesen, dann hättest du das jetzt nicht! – Wie bitte?! Das ist an Zynismus kaum zu überbieten. Wie wär´s einfach mal mit ein bißchen Normalität, zum Beispiel der Erkenntnis, dass das Leben nunmal nicht fair ist, keiner Logik oder menschlicher Gerechtigkeit folgt und auch Kranksein ganz normal zum Leben dazu gehört (dass es keinen Spaß macht, wissen wir alle, aber es ist eben auch ein Teil des Lebens).

Was machen diese Leute eigentlich, wenn sie selbst mal krank sind? Sitzen sie dann auch noch auf ihrem hohen Ross und kanzeln sich dann selber ab? Ich vermute es fast.

Advertisements

21 Gedanken zu „das karmische schlechte Gewissen

  1. Ich frage mich manchmal echt, wie manche Leute überhaupt auf solche Ideen kommen. Ist das Erziehung? Hat man das aufgeschnappt und unreflektiert weitergeplappert? Das ist ja leider oft der Fall. Das mit dem Karma ist mir sowieso völlig fremd, aber das liegt wohl daran, dass Wiedergeburt bei mir persönlich keine Rolle spielt. Eine Existenz nach dem Tod, ja, aber nicht „schwupps, schon rutsch ich in den nächsten Körper und nehm mein Päckchen aus allen vorangegangenen Leben gleich mit!“ Sorry, wenn das zu sarkastisch klingt, soll jeder glauben, was er/sie will, aber dann bitte nicht blind.

  2. Im ersten Moment scheint so eine Sicht der Dinge beruhigend, weil nichts sinn-los ist und alles als Lektion/notwendig begriffen werden kann. Allerdings – was ist daran so gruselig, wenn Dinge ienfach passieren? Der Mensch KANN eben nicht alles jederzeit und immer hundert Prozent kontrollieren. Umso wichtiger ist es, Mitgefühl zu praktizieren und zu helfen, wo man kann.

    (Was nicht nötig ist, wenn der andere ja gerade „bestraft“ wird oder eine Lektion lernt. Dann wäre Hilfe ja sogar kontraproduktiv. Und wo wir gerade dabei sind, wieso lassen wir Waisenkinder nicht einfach verhungern? [/ironie])

  3. Ich gehöre eher zu der Fraktion die der Meinung sind dass wir uns gewisse Lebensumstände, Eckpfeiler, Begegnungen ect. vor Beginn eines jeden Lebens quasi selbst zurecht legen. Aber nicht weil wir bestraft werden (möchten), sondern im Zuge eines Lern- und Entwicklungsprozesses für uns und andere Seelen… Schuld / Strafe / schlechtes Karma – das sind alles so Ausdrücke mit denen ich mich ebenfalls sehr schlecht anfreunden kann und es auch gar nicht möchte… Und du hast Recht: Wir leben nunmal gerade hier, auf dieser Welt, in unserem Körper. Es darf keine Absolution geben für Vergehen an anderen, jeglicher Art.

  4. Danke für die wunderbare Einstellung. Natürlich kann man Karma durch Liebe auflösen und wenn man erst einmal erwacht ist, trägt sich „altes KArma“ allein durch Wissen ab. Außerdem machen ja Gedanken auch noch Materie. Also altes Karma habe ich nur, wenn ich denke, dass ich es habe. Dichte ich anderen solches an, ist es das schlimmste was ich tun kann. Ich bin dafür immer und überall mit Liebe achtsam zu sein, auch wenn Menschen schreckliches passiert….

  5. @ Athena: So sehe ich es auch, bei vielen Dingen ist man zum Beispiel auch aus der Kindheit geprägt und hat Einstellungen übernommen, die nie hinterfragt wurden. Während man sich so durchs Leben lernt, merkt man dann vielleicht: Aha, das kann man auch ganz anders sehen und dann irgendwann, nachdem der Kopf es verstanden hat, kommt die Seele hinterher und man bewertet es auch vom Gefühl her neu.

    Ich frage mich auch, ob man Begriffe wie Karma einfach so auf unsere Kultur übertragen kann. Da habe ich meine Zweifel oder anders gesagt: alles wo es hin gehört. Ich vermute so mancher Buddhist kann nur den Kopf schütteln, was im Westen alles mit dem Karmabegriff angestellt wird.

  6. Mit Karma kenne ich mich nicht so gut aus. Ich denke aber schon, dass alle Dinge, die mir passieren, 100%ig etwas mit mir selbst zu tun haben und dass ich sie auch angezogen habe ganz abgesehen von irgendeiner „Schuldfrage“. Wieso überhaupt „Schuld“? Ich glaube nicht, dass Krankheiten von „ganz alleine“ kommen – und ich denke, da gibt es oft eine Verwechslung: jetzt können viele meinen, ich meine, ich sei an einer Krankheit selbst schuld. Aber die Dinge, wie ich sie sehe, sind von dem Begriff der Schuld so meilenweit entfernt – es geht nicht um Schuld. Es geht um eine Lebensaufgabe, die äußerst liebevoll sein kann (weil man sich vielleicht vorher immer schlecht behandelt hat). Also ich sehe schon, dass einem nur die Dinge passieren, die einem passieren KÖNNEN, aber man muss sich von dem Begriff der Schuld distanzieren – damit hat das nämlich nichts zu tun. Ich habe in dem Zusammenhang viel von Rüdiger Dahlke gelesen und kann mich an das Thema Schuld in dem Zusammenhang nicht erinnern… kann mich aber auch irren – is schon länger her 😉
    Naja jedenfalls, es gibt „gute“ und es gibt „schlechte“ Dinge auf der Welt – beide Dinge zieht man selbst an und setzt sich damit auseinander. Das ist wichtig – und niemand hat schuld 😉 Das ist einfach die Welt – c’est la vie!
    (so, ich hoffe, ich habe das jetzt so formuliert, dass man mich nicht falsch versteht-is echt schwieirg zu erklären irgendwie)

  7. Ich versteh was du meinst, Sofia, aber ich sehe da mehr Verflechtungen. 😉 Was einem passiert hat zum Teil mit einem selbst zu tun, aber zum Teil auch mit vielen anderen Dingen, wie den gesellschaftlichen Umständen, der Familie, aus der man kommt usw. Niemand lebt im luftleeren Raum. Wir sind alle wie Kreise, die gemeinsame Schnittmengen bilden und sich ihrerseits in noch größeren Kreisen befinden.

    Wenn heutzutage zum Beispiel viele Paare ihren Kinderwunsch nicht oder nur mit vielen Hindernissen erfüllen können, weil sie im fruchtbarsten Alter noch in der Ausbildung bzw. im Berufsstart sind (und unsere Gesellschaft sie beruflich rauskegelt, wenn sie zu früh Kinder bekommen), plus all die Hormone und Umweltgifte (auch äußere Faktoren, die man kaum in der Hand hat), die mit hinein spielen, dann ist das ja nicht nur auf dem Mist dieser Paare gewachsen, sondern es ist ein Problem, das aus allen Faktoren besteht, die da mit hinein spielen.

    Wir sind in alles, das uns umgibt, eingebunden und davon haben wir bei Lichte betrachtet ziemlich wenig in der Hand (auch wenn uns ständig eingeredet wird, dass wir so wahnsinnig frei wären, aber dem schiebt spätestens der Arbeitsmarkt einen Riegel vor).

    Bei Krankheiten ist sicher vieles auch seelisch bedingt, aber man kann das nicht verallgemeinern. Es gibt viele Krankheiten, für die man beim besten Willen nichts kann und davor machen solche Karma-Schuld-Leute ja nicht halt mit ihren Behauptungen. Man hat nicht alles in der Hand und auch das Seelische ist nicht einfach wie eine Maschine reparierbar, wie das manchmal gerne hingestellt wird.

    Einer meiner besten Freunde ist zum Beispiel von Geburt an krank und seine Krankheit wird im Alter immer schwieriger werden. Da kann man nicht sagen, dass sich so jemand das selbst als „Lernaufgabe“ gestellt hätte und was dann noch immer so gerne behauptet wird. Das wäre einfach zynisch. So etwas sagen nur Leute, denen es selbst gut geht und die damit (so empfinde ich es jedenfalls) krampfhaft eine Distanz zwischen sich und Leidende bringen wollen, um das nicht an sich heran zu lassen und ihre eigene Verletzlichkeit zu sehen.

  8. Ein hochinteressantes Thema, das mir auch schon oft zu denken gegeben hat.
    Ich denke, es ist ähnlich wie bei Yoga, Ayurveda oder Feng-Shui: hier im Westen wird einiges gemacht und gedacht, was seine Ursprünge manchmal weit hinter sich gelassen hat. Es mag zwar vieles übertragbar sein, aber manches eben auch nicht. Denn der Kontext spielt oft eine entscheidende Rolle, und dieser läßt sich eben nicht einfach „importieren“.

    Inspiration kann man natürlich wunderbar aus diesen Weisheiten schöpfen, doch sollte man dem „Kind“ dann streng genommen eigentlich einen anderen Namen geben.
    Es gibt eben auch noch die gefühlte Komponente bei diesen ganzen Lehren.
    Etwas zu lernen oder zu lesen, oder sich behandeln zu lassen ist das eine, aber die Sache wirklich in sich zu integrieren und den „Geist“ (den Spirit) zu fühlen und emotional zu verstehen, ist eine andere.

    Ich bin immer erleichtert, wenn ich Ansichten wie Deine, Claire, lese. Daß diese ganze „Schuldfrage“ bei Karma auch eine unmenschliche Komponente hat. Von daher taten mir Deine Zeilen, auch wieder sehr gut. Man kann nicht für alles die Schuld tragen bzw. alles auf Karma schieben. Aber ich zweifle eben auch daran, ob so eine/oft gebrauchte Interpretation von Karma überhaupt richtig – im Ursprünglichen Sinn- ist.

    Andererseits beobachte ich, daß gerade in Deutschland diese Karma-Schuld-Sache in manchen esoterischen Kreisen recht populär zu sein scheint – interessant in Hinblick auch auf unsere kollektive Vergangenheit.

  9. @ Amira: Ich dachte, dass ich den Bogen vielleicht zu weit spanne, wenn ich das Ideologische mit hinein nehme, aber so weit weg war ich damit anscheiend gar nicht, wenn es anderen auch auffällt. Wenn man diese Denkart konsequent zuende denkt, dann landet man beim Über- bzw. Herrenmenschen, dem „lebensunwerten Leben“ und all diesen schlimmen Vorstellungen der jüngeren Vergangenheit.

  10. Niemand kann etwas für eine Krankheit, aber wenn Dinge „einfach so“ passieren, dann würde evtl naheliegen, es läge kein Sinn in ihnen. Vielleicht geht es eher um den Sinn von Geschehnissen oder Umständen und nicht um Schuld. Ich denke schon, dass jemand, der schon lange eine Krankheit hat, stetig gezwungen ist, sich mit den Prinzipien dieser Krankheit auseinanderzusetzen. Das bedeutet in einem bestimmten Sinne auch, dass derjenige, was das anbelangt, seinen Mitmenschen weit voraus ist. So liegt in dieser Krankheit auch immer ein positiver Kern, so wie in allen Dingen der negative und der positive Pol liegt. Dieses Prinzip findet sich auch im Faust gut ausgedrückt:
    „Ich bin die Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“.
    Bitte versteh mich nicht falsch, ich sage nicht, dass eine Krankheit oder die Umstände alle ganz toll und super sind – um Gottes Willen! Ich weiß aus eigener Erfahrung, wieviel Leid damit verbunden ist. Aber ich denke trotzdem, dass der Mensch an den Dingen, die ihm passieren, wachsen kann und da liegt für mich der Sinn. Wie du schon sagst – wir leben nicht im luftleeren Raum! Alles was dich umgibt, hat Einfluss auf dich und deine Entscheidungen. Würden wir im luftleeren Raum leben, gäbe es kein Wachstum, keinen Zwiespalt, keine menschliche Schöpfung, kein Glück und kein Leid. Ich finde es genauso wenig wie du richtig, sich durch irgendwelche Theorien vom Thema „Leid“ zu distanzieren – sondern bin viel mehr der Meinung, dass der Mensch Leid integrieren soll, sich nicht davon abwenden soll, sondern Leid auch leben muss. Also keine Distanz, sondern Verbindung.

  11. Ich finde, mit der logischen Konsequenz überspannst du den Bogen gar nicht zu sehr. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich als Jugendliche, als ich anfing mich für Spirituelles zu interessieren, tatsächlich in einem Buch folgende verquere Argumentation gelesen habe. Der Autor war tatsächlich der Ansicht, dass man auf Grund von Reinkarnation und Karma Ideen wie einen Sozialstaat verwerflich finden müsse, weil man damit anderen die Chance nimmt, anderen ihre karmische Last abzutragen. Mit anderen Worten, jeder ist an seinem Leid selber schuld und, wenn ich jemandem helfe, verhindere ich damit, dass er es im nächsten Leben besser hat. Da dachte ich mir auch nur: geht’s noch?!? Und die Idee von Karma war für mich erst mal gestorben. Wahrscheinlich entstammt sie auch in erster Linie unserem menschlichen Bedürfnis, immer nach dem warum zu fragen, auch wenn es vielleicht gar keines gibt. Danke, dass du diese Diskussion aufgreifst!

  12. @ Sofia: Das ist der Punkt, an dem wir auseinander gehen (was übrigens völlig in Ordnung ist): ich denke nicht, dass alles Sinn macht. Vieles ist chaotisch, ungerecht und absolut nicht nachvollziehbar.

    Wenn ich zum Beispiel an besagten Kumpel denke: der wäre lieber gesund als irgend etwas anderes und ist niemandem in etwas voraus durch seine Krankheit. Sie hat keinen Vorteil und verleiht keine höhere Weihen. Manche Sachen im Leben sind einfach nur Mist. Es gibt Dinge, an denen man nicht wächst, die kein Plus in irgend einer Form mitbringen. Nicht alles ist gut oder lässt sich irgendwie ins Gute wenden. Da ist mir vieles in der Esoterik zu unrealistisch und zu „happy“, beziehungsweise zu sehr vom Gedanken getragen, dass man sich das Leben einfach machen kann, wie man will (was bei manchen an Allmachtsphantasien grenzt).

    Ich bin wahrlich kein Trauerkeks, aber es gibt Dinge, die kann man nicht beschönigen, sondern nur hinnehmen, wie sie sind. Nach meiner Erfahrung sind viele Leute, die sich mit größeren Problemen herumplagen, oft regelrecht erleichtert, wenn man es einfach mal als das stehen lässt, was es ist und nicht noch von ihnen verlangt, es irgendwie zu kaschieren oder die Zähne zusammen zu beißen und zu lächeln. Sie blühen richtig auf, wenn ihnen mal niemand erzählen will, wie sie alles besser machen könnten. Man muss auch im fehlerhaften Zustand „sein“ dürfen.

    @ Kleine Hexe: Das ist krass. (da fehlen sogar mir mal die Worte…)

  13. zuerst einmal die figuren finde ich einfach klasse.Ich hab es auch nich so mit schuld und sage was den Cristen die Erbsünde ist den den Esotherikern ihr Karma und schlechte Gewissen gehören in den Kühlschrank oder gleich in den Mülleimer.Leben ist jetzt und es soll nicht Leiden sondern Lust sein.
    nein und ich muss nicht erst durch die Hölle( Krankheit) gehen um zuwissen
    das das Leben lebenswert ist.Was passiert kann ich nicht immer beeinflussen.Gut ist es dann wirklich etwas einfach nur mal sein zulassen.
    Das leben ist ein kreis und die Welt ist nicht umsonst rund.
    Ich arbeite ja in der Pflege und hab schon viel gesehen,da kann ich doch nicht sagen ooch der hat es wohl verdient und er soll mal schön daraus lernen
    Es endet immer mit dem Tod und der kann eine Erlösung sein.
    Das mit dem Leiden auf der Erde ist wirklich eine mittelalterliche Vorstellung
    die Menschen haben ernsthaft geglaubt nur wer viel leidet kommt ins Himmmelreich und erst seit Hildegard von Bingen ist es anders, aberdas iat ein anderes Thema.

    magische Grüsse die adlerhexe

  14. @Claire/Kleine Hexe:
    Das ist mir auch schon in der Literatur begegnet – (im Bereich karmischer Astrologie): Man darf anderen Menschen nicht dabei helfen ihr Schicksal zu tragen/ihre karmische Schuld abzutragen, weil man sonst deren schlechtes Karma auf sich nimmt, was dann wieder das eigene Leben verschlechtert/mit schlechtem Karma beläd, bzw. die Erkenntnis des Anderern verhindert und dadurch wieder schlechtes Karma erzeugt. … (!!?)
    Das kann ich nur bei einem Beispiel halbwegs nachvollziehen: Alkoholiker bzw. Suchtkranke.
    Einem Alkoholiker kann man nicht „helfen“ – ihm z.B. Alkohol kaufen – , man muß ihn vll. sogar im „Stich“ lassen, damit er erkennen kann, daß er allein mit seiner Sucht kaputt geht, und dann den Dreh bekommt sich Hilfe zu suchen bzw. sich therapieren zu lassen.
    Das natürlich zu dem Preis, daß er evtl. tatsächlich daran stirbt.
    Aber spätestens bei der Therapie hinkt die Sache dann wieder gewaltig. Denn ohne Hilfe kommt er nicht aus seiner Sucht heraus und stirbt an den Folgen davon.
    Wie sähe denn die Welt ohne „Helfer“ und Therapeuten aus?!

    …aber vll. ist das auch so gedacht, daß dann jeder sich selbst helfen muß und dadurch automatisch anderen hilft, weil er sein eigenes Leiden erkannt hat und mitfühlender mit anderen wird. Allerdings gibt es genug Menschen, denen das nicht gelingt, weil sie ihr „Karma“ nicht bewältigen können.

    Ich war warscheinlich in meinem letzten Leben auch ein Serienkiller oder so…. ;O)

  15. Hehe! 😉 Das mit dem Helfen ist wirklich kitzelig. Man kann Leute auch schwach-helfen, so dass sie sich selbst gar nichts mehr zutrauen und abhängig werden. Auf der anderen Seite: wo wären wir ohne gegenseitige Hilfe?

    Beim Alkohol und Süchten ist das sicher etwas anderes (siehe Jenny Elvers, das war in den Medien ja riesig präsent), weil die Leute da erstmal ganz unten ankommen müssen innerlich, um wirklich umzudenken und dann ist es noch schwer genug.

    Das ist ja auch bei der vielzitierten Selbstverantwortung nicht ganz einfach. Einerseits ist sie wichtig und richtig, wenn jeder gut für sich selbst sorgt, ist für alle gut gesorgt. Aber schafft das auch jeder bzw. kann man sich nicht auch einfach mal helfen lassen? Vielleicht haben andere eine Idee, auf die man selbst nicht kommt, die einen aber entscheidend weiter bringt?

    Manchmal kommt mir das mit der Selbstverantwortung auch sehr kalt und lieblos vor, auch wenn ich sie grundsätzlich absolut richtig finde. Verantwortung für sich selbst, das unterschreibe ich sofort. Aber alles allein wuppen müssen, ich glaube das kann kein Mensch und es wäre auch ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft.

  16. @Claire (zu Deiner Antwort an mich): Ich glaube auch das ist so´n bisschen (zumindest teilweise) eine kulturelle Geschichte bzw. Ausglegungssache. Auch die Geschichten / Märchen werden unterschiedlich interpretiert, die Bibel teilweise sehr fanatisch ausgelegt usw. usf. Im Grunde kommt es doch sowieso drauf an, was jeder für sich draus macht. Und wenn jemand mit dem Gedanken, oder sagen wir mal „seiner Vorstellung von Karma“ gut fährt, dann wird´s für denjenigen wohl auch sinnvoll sein. Und wenn nicht, dann ändert er´s vermutlich früher oder später 😉 Bisschen mehr Toleranz, was die Glaubensideen anderer Menschen angeht – und wir alle fühlten uns gleich viel wohler…

  17. Ich konnte mit diesem absolutistischen Karmaglauben auch nie etwas anfangen. Ich denke aber, da hat die westliche Welt wieder mal ein Wort aus einer fremden Philosophie hergenommen und völlig mißverstanden übersetzt und verbreitet. Dennoch: Ich bin überzeugt, daß es keine „Schuld“ gibt, sondern Verantwortung und Bewußtheit. Ich kann das überhaupt nicht haben, wenn in einer problematischen Situation Leute sofort mit dem Finger auf jemanden zeigen und „schuldig“ rufen, statt einfach zu überlegen, was man miteinander an der Situation optimieren kann. Und was unsere Lebensaufgaben inklusive Krankheiten usw. angeht, denke ich mittlerweile, da halten sich Plan und Zufall die Waage. (Ich habe jetzt die vorangegangenen Kommentare nicht durchgelesen und hoffe, ich habe nicht nur doof nachgeplappert.)

  18. Claire, das was du Sofia geantwortet hast, wollte ich noch einmal kurz aufgreifen, in Bezug darauf, dass manches einfach mies ist und man das so stehen lassen kann, ohne es zu beschönigen. Ich habe früher auch den Anspruch an mich selbst gehabt, dass alles einen Sinn haben muss und mein damaliger Kollege in Berlin sagte mir fast haargenau dasselbe wie du es jetzt hier geschrieben hast und rate mal, wie platt ich damals war. Ich war sprachlos und ich hatte richtig was zum nachdenken. Sowas von ihm, der eigentlich immer auch positives suchte. Ich bin ihm heute noch dankbar für viele gute Gespräche und dieses war eines davon.

  19. @ Claudia: Es ist ja auch kein Wunder, dass man sowas denkt. Überall in den Medien und der allgemeinen, gesellschaftlichen Erwartungshaltung gibt es dieses Bild: wenn du dich nur genug anstrengst, dann schaffst du was du willst. Dieses Bild hat natürlich auch eine Kehrseite, denn wer es nicht „schafft“, wer Probleme hat oder einfach mal durchhängt, gerät schnell in den Verdacht, sich eben nicht genug Mühe zu geben.

    In dem Zusammenhang muss ich immer an die Kulturen denken, in denen Perfektionismus als Gotteslästerung gilt, weil man damit meint, alles besser zu wissen, als es die Schöpfung eingerichtet hat. Letztendlich ist es Machbarkeiswahnsinn, alles unter Kontrolle haben zu wollen und sich ohne Grenzen zu sehen (siehe auch der heutige Arbeitskult usw.). Es ist die Vorstellung, als Mensch unbegrenzte Macht zu haben, das Leben so zu formen, wie es einem gerade gefällt – eben wie der liebe Gott persönlich. Dabei sind wir eigentlich sehr klein, unsere Körper sind manchmal zäh, manchmal aber auch sehr zerbrechlich und wenn sich ein, zwei entscheidende Stellschrauben im Leben ändern, liegen die Nerven blank.

    Es gibt diesen schönen Begriff, dass man nur „ausreichend gut“ sein muss im Leben, zum Beispiel eine „ausreichend gute Mutter“ (ich glaube der Begriff kommt ursprünglich auch aus diesem Bereich) und keine „perfekte Mutter“. Das kann man auch sehr gut auf andere Lebensbereiche übertragen, um wieder ein Gefühl für das gesunde Maß zu bekommen.

  20. Ich danke dir für den Blog. Schuldlzuweiser dieser Art sind meiner Meinung nach hochmütig und generel menschenverachtend. Mitleid ist ihnen total fremd und deswegen ist demen jede selbsterhöhende Kritk recht.

  21. Hi Claire. Ja ! Diese Frage über Sünden und Karma und Prädestination hat jede Menge Doktoren, Philosophen, Theologen, usw,usw,usw seit Jahrtausenden beschäftigt. Das Buch Hiob in der Bibel hat dieses Thema „herumgekickt“ und nach meiner Meinung es nicht wirklich geantwortet. Karma und Reinkarnation ist eine glaubwürdige Antwort. In einer den Evangelien hat die Jungs Jesus gefragt – „Hat diese Mann oder sein Eltern gesündigt, dass er blind geboren ist?“ Jesus Antwort war nein – diese Zustand soll ihn(Jesus) eine Chance geben um Seine Anwesenheit zu beweisen(Worte zu diesem Effekt – mehr oder weniger) Anyway wir wissen nicht warum so viel Leute schlechte Karten kriegen und andere nicht. Ich glaube dass diejenigen die gute Karten haben sollen die anderen helfen so weit wie möglich um deren Dankbarkeit zu zeigen. Irgendwann werden wir mehre lernen – vielleicht. Anyway, Ich hoffe, dass Ich ein bisschen Sinn gemacht habe. Happy Philosophizing allerseits.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s