Eigenverantwortung, Magie und ein paar Gedanken an sich

mo

der Mond über den Dächern
die Sichel war riesig und wunderschön orange eingefärbt, da ist man mit der Handykamera chancenlos, also muss ich es erzählen ^^

Zur Zeit drängt sich das Thema der Eigenverantwortung mit den unterschiedlichsten Facetten bei mir auf und zwar Weise alle Facetten gleichzeitig, jede auf ihre Weise.

Da sind Leute, die einen auf Teufel komm raus zu Sachen überreden wollen, nach dem Motto: Ich weiß, dass du deine Grundsätze hast, aber verdammt noch mal, ich will halt eine Partnerrückführung von dir! Mach mir mein Leben jetzt gefälligst so, wie ich mir das vorstelle, sonst flippe ich aus.

Wer bin ich? Miss Allmächtig, die Menschen wie Schachfiguren bewegt? Außerdem hängt man in jedem Zauber, den man für andere macht, selbst mit drin. Man muss als ausführende Person innerlich wirklich dahinter stehen (und das kann man sich nicht einreden, das muss vom Gefühl her da sein), sonst funktioniert es nicht.

Da sind auf der anderen Seite aber auch Leute, die unheimlich schwere Lasten zu tragen haben und denen man erst einmal liebevoll beibringen muss, dass manches zu schwer ist für zwei Schultern und sie ruhig etwas abgeben können, denn zusammen ist man stark. Genau die, die am schwersten zu tragen haben, jammern am wenigsten.

Ich hinterfrage die Idee der Eigenverantwortung öfter einmal. Nicht grundsätzlich, mehr die Praxis. Denn sie führt manchmal auch dazu, dass alle bequem wegschauen. Ist ja nicht ihr Bier. Das bewirkt auch, dass die Leute, die am dringendsten Hilfe bräuchten denken: das muss man alleine schaffen, damit will man niemandem zur Last fallen.

Auf der anderen Seite muss auch Raum für die eigene Kraft sein, sogar wenn man ziemlich weit unten ist. Hilfe am falschen Platz kann schwächen und das Selbstvertrauen untergraben, dann lernt ein Mensch, der nur mal gestrauchelt war, dauerhaft an Krücken zu laufen, wo er eigentlich normal durchs Leben spazieren könnte.

Ratschläge oder Ideen anderer müssen sowieso erst einmal im Inneren anklingen und man sollte sie natürlich auch erst einmal für sich sortieren. Das sehe ich zum Beispiel beim Kartenlegen (einer der Gründe warum ich so gerne schriftlich arbeite, damit nichts vergessen wird), wenn Leute nach einem viertel oder halben Jahr oder sogar nach mehreren Jahren wieder auf einen zu kommen und sagen: Zuerst konnte ich das nicht einordnen, aber dann wurde es immer klarer.

Alles braucht eben seine Zeit.

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7 Gedanken zu „Eigenverantwortung, Magie und ein paar Gedanken an sich

  1. Gerade die Sorte, die du im ersten Abschnitt beschreibst, kann einem die Freude an der Arbeit manchmal vermiesen. Ich hatte eine Kundin, die ernsthaft damit drohte, wenn ich sie nicht sofort telefonisch berate, wäre ich ein Unmensch – es ginge schließlich um Leben und Tod! Ich sagte ihr, dann sei sie beim Arzt wohl besser aufgehoben…sowas ist aber zum Glück die Ausnahme. Genau wie du es beschreibst sind eben auch die Leute am unauffälligsten, die wirklich ihr Päckchen zu tragen haben. Da braucht man echt Fingerspitzengefühl.

  2. Oh ja… Das kenne ich und weiß es auch von vielen Kollegen, das passiert leider so gut wie allen, die beratend arbeiten.

    Mir hat mal eine Frau gedroht sich umzubringen, wenn ich nicht zaubere, was sie will. Da bin ich dann sehr deutlich geworden und habe klargestellt, dass sie entweder sofort psychiatrischen Beistand braucht (was ja wirklich so wäre, da endet die Kunst des Lebensberaters und andere müssen übernehmen) – oder dass sie gerade versucht mich zu erpressen und das ist nicht zuletzt eine Demütigung aller Menschen, die sich tatsächlich in so einer verzweifelten Lage befinden.

    Man lernt in diesem Beruf auch die Schattenseiten der Menschen ungeschminkt kennen. Das ist teilweise ja auch Sinn und Zweck der Sache, schließlich will man zusammen arbeiten, damit es besser wird. Aber die Unwuchten mancher Leute gehen so weit, dass ein respektvolles Miteinander von vorn herein unmöglich ist und dann bringt es nichts.

    Dann darf man sich anhören, dass man arrogant wäre oder sonstwas alles, weil man von einer Beratung Abstand nimmt, aber Berater sind nicht die Kasperl ihrer Kunden. Es geht nur zusammen. Manchmal helfen die klare Worte sogar, damit jemand wieder „runterkommt“. Dann trifft man später wieder aufeinander und bekommt völlig überraschend Dank dafür, dass man damals so deutlich war.

  3. Eigenverantwortung… als Vorwand, damit man wegschauen kann…
    Ein sehr interessanter Gedanke!
    Und sehr bequem, wenn jeder selbst Schuld ist.

    ;O)

  4. Dieses Wort wird ja überall positiv bewertet, aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr hört es sich nach Entsolidarisierung und „jeder kämpft für sich allein“ an. Verantwortung ja, aber wenn gerade alles krachen geht, dann braucht man Leute, die mit anpacken oder wenigstens zuhören.

    Eigenverantwortung setzt voraus, dass man die Stärke hat, sie zu tragen, aber gerade in Krisensituationen ist diese Kraft oft nicht da und dann wird es zynisch, wenn man jemanden auf sich selbst zurück wirft mit der Feststellung, man habe das Leben schließlich in den eigenen Händen (was sowieso Unsinn ist, denn jeder befindet sich in gewissen Rahmenbedingungen, die nicht alle im Handumdrehen änderbar sind).

  5. Hi Claire! Diese Drohungen, die du da beschrieben hast, kenn ich nur zu gut.
    In meinem Land (Südtirol/Italien) wo ich herkomme, leben sehr viele katholische Christen, mit denen man sich schnell mal anfeindet, wenn man aus der Reihe tanzt. Zumindest ist das bei der älteren Generation so (was nicht gleich heißt, alle in einen Topf zu werfen).
    Ich kenne schon einige Hexen aus meinem Freundes-Kreis, die umziehen mussten, da die Drohungen von allen Seiten zu groß wurden. Das Internet dabei ist auch keine heile Welt! Gerade bei uns YT-Hexen finden „erfahrenere“ Magier immer was auszusetzen und meinen, die jüngere Generation würde NUR Blödsinn erzählen und es wäre in ihren Augen „unehrenhaft“ geheimes Wissen der breiten Masse zu offenbaren.
    Da stimmt doch etwas in der Menschlichkeit des 21. Jahrhunderts noch nicht. Meinungsfreiheit oder das Ausleben-Dürfen seiner eigenen Bedürfnisse wird zwar großgeschrieben, jedoch finden sich immer wieder Konflikte mangels Respektlosigkeit.

    Schon im eigenen Familienkreis wird heftig kritisiert, worauf ich beschlossen habe, mit gar keinem über Magie zu reden (außer meinen Hexenfreunden).

    Lg, Andreas

  6. Was wildfremde Menschen einem ungefragt vorschreiben wollen, sollte man nicht allzu ernst nehmen. Wie sagten schon die Omas früher: Und wenn die sagen du sollst von der Brücke springen?

    Im Web kann sich jeder als „erfahrener Magier“ bezeichnen, das können aber auch 14-jährige Mädels sein, die dabei lachend vorm Rechner sitzen und sich nen Spaß machen (was mir noch die sympathischste Vorstellung ist).

  7. Eigenverantwortung ist ein nie endendes, immer aktuelles Thema.
    Es gibt Menschen, die einen mit Ihren Forderungen bzw Erwartungen überhäufen. Da muss man lernen auf Abstand zu gehen. Noch viel schlimmer finde ich es, wenn Menschen kommen, weil sie Hilfe wollen und dann anfangen
    zu diskutieren und alles was man ihnen sagt anzweifeln. Es ist wie ein Platzkampf. Sie ringen um jeden Zentimeter und wolle einigendlich gar nicht hören was ich meine, oder was für sie von der geistigen Ebene gesagt wird, sondern mir ihre Sicht aufzwingen. Ich frage mich oft, ob die nicht einfach eine HappyPille wollen.

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