Kopfdenken und Intuition

Gerade gibt es ein häufiges Thema in den Kursen und bei den Youtube Zuschauern und das ist die angebliche Unvereinbarkeit von rationalem Denken und Bauchgefühl, von praktischem Leben und Feinfühligkeit. Manchmal fragen Leute ganz direkt: Du wirkst so normal, wie kann das sein? Ich weiß, dass sie das nicht persönlich meinen, ihnen ist halt immer eingeredet worden, dass man nur eines sein kann: normal oder – ja, was eigentlich?

Ich glaube, dass das vor allem ein kulturelles Problem ist. Wenn wir einen Blick in andere Kulturen werfen (auch wenn es gerne vergessen wird: die westliche Kultur ist nur eine unter vielen auf der Welt), kommt schnell der Gedanke auf, dass man das nicht zwangsläufig so eng sehen muss.

Da ist das Leben kein entweder-oder, sondern ein sowohl-als-auch. In Japan ist es ganz normal, dass man den Shinto-Priester kommen lässt, wenn die Großrechner-Anlage immer wieder unerklärliche Aussetzer hat. Natürlich kümmert man sich auch darum, dass technisch alles hinkommt, aber sicher ist eben sicher.

In Brasilien giltst du umgekehrt als ein bißchen komisch, wenn du nicht in irgend einer Form spirituell bist und das sind jetzt nur zwei besonders bekannte Länder. Sogar schon im östlichen und südlichen Europa ist das eine ganz andere Sache.

Bei uns steht hinter der strikten Abwehr des Bauchgefühls als „irrational“ meist eine unausgesprochene Angst: Wenn man einmal damit anfängt, dann wird das ein Fass ohne Boden. Das zieht einen vielleicht in einen irrationalen Sog hinein und irgendwann ist man komplett gaga und wird zum Außenseiter. – Ich sag´s jetzt mal auf deutsch, aber genau das ist doch die Befürchtung, die auch in den Medien sehr gerne geschürt wird.

All diese Ängste machen es schwer, sich mit Neugier und Interesse spirituellen Themen zuzuwenden. Dabei sind die Ängste schlimmer als das, was befürchtet wird. Wenn einen das Spirituelle interessiert: Warum nicht einfach mal gucken, ob es etwas für einen ist (ohne es gleich mit dem Kopf auseinader pflücken oder rechtfertigen zu müssen)? Warum sich nicht ein eigenes Bild machen? Dann kann man immer noch gucken, ob es passt oder eben nicht.

Man flippt nicht aus, weil man sich erlaubt Kopf und Bauchgefühl zu benutzen. Mutter Natur hat sich etwas dabei gedacht, als sie uns beides mitgegeben hat.

Advertisements

8 Gedanken zu „Kopfdenken und Intuition

  1. Ja Claire, das seh ich genau so. Ich kenn eine Übung, die kommt aus Hawai und nennt sich „Piko-Piko“- dabei atmest du über den Scheitel ein und duch den Bauch (Solarplexus) aus, gerne auch mal umgekehrt ausprobieren und verbindest so Kopf und Bauch. Diese kleine Atemübung hat es in sich!
    Ganz liebe Grüße – Helga

  2. Ich glaube, dass viele Leute auch von spirituellen Themen abgeschreckt werden, wenn sie so manchen Spiri sehen. Ganz ehrlich, es gibt genug abschreckende Beispiele. Ich habe einige Exemplare kennengelernt, da war wirklich alles dabei. Einer erzählt mir beim ersten Kennenlernen, dass er in einem früheren Leben seine Tochter getötet hat, weshalb die Ehe heute geschieden wurde…ganz zu schweigen von denen, die alle inkarniert sind und im früheren Leben dies und jenes waren. Es ist einfach schwierig, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Glaube & Skepsis zu halten. Ich selbst hatte lange Zeit Probleme, mich in den spirituellen Kreisen zu Hause zu fühlen, weil ich mir vorkam, wie ein Alien vom anderen Stern! Du bist wirklich eine Ausnahme Claire, eine sehr inspirierende und gesunde Ausnahme. Jemand, dem man einfach abnimmt, dass er lebt, was er bzw. sie sagt und schreibt. Das ist authentisch und das fehlt einfach bei den meisten, die ich kenne.

  3. Danke für den Tipp, Helga! 🙂

    @ Claudia: Das stimmt, es gibt da draußen viele Freaks (dazu fällt mir kein anderes Wort ein), die das Spirituelle als Vorwand nutzen, um anderen Angst zu machen oder gedanklich bei ihnen einzubrechen. Da fragt man sich, wie die überhaupt auf solche Ideen kommen. Es wäre schon fast wieder lustig, wenn sie damit nicht so viel Schaden anrichten würden.

    Wenn jemand einen Spleen hat, aber niemandem damit schadet, kann es von mir aus noch so skurril sein, wer wollte darüber urteilen. Oft sind solche Leute auf ihre Art eine Inspiration, selbst wenn sie etwas komisch sind.

    Aber wenn es um Größenphantasien geht und man andere nach der eigenen Pfeife tanzen lassen will, dann hört der Spaß auf. Die meisten Menschen kommen in unserer Gesellschaft (nicht zuletzt, weil das Spirituelle tabuisiert wird) erst in Krisensituationen mit dem Spirituellen in Kontakt und auf Frischlinge stürzen sich solche Leute natürlich am liebsten. Auch deshalb wäre es wichtig, dass Spirituelles normaler wird, damit man nicht erst im Krisenfall damit zu tun hat, sondern schon vorher ein bißchen was darüber weiß.

  4. Ich seh das ähnlich! Vorurteile und Ängste scheinen ständige Begleiter unserer Kultur bzw unsere Ideologien zu sein. Schon als Kind wird einem antrainiert was man glauben „muss“ und was nicht. Das ist Gut und das andere, das man nicht kennt wird verteufelt, also als „schlecht“ angesehen.
    Dann gibt es nebenbei noch die rationale Schiene, die in der Schule und vor allem in so manchen wissenschaftlichen Jobs geschürt wird: es gibt nur Zahlen, Daten und Fakten. Alles andere interessiert keinem und ist Schwachsinn. Man bekommt ne Nummer aufgestempelt, ans „Fließband“ (im übertragenden Sinne) geschickt und los geht’s,…der Staat braucht Geld. Die seelische Verarmung, die daraus hervorgehen kann (die sich manchmal durch Burn-Out oder Depressionen zeigen) wird verdrängt, liegengelassen. Kein Wunder, dass immer weniger Menschen sich nicht mehr an die Traditionen festhalten und an das glauben wollen, was ihre Eltern ihnen eingetrichtert haben.
    Liebe ist das Mittel zu Toleranz. Auf Gemeinsamkeiten und Respekt sollte man was NEUES ausarbeiten. Eine neue Kultur des Friedens und de Achtung untereinander.

    Lg, Andreas

  5. Liebe Claire, du sprichst mir aus der Seele, danke für diesen Beitrag! Ich fühle mich oft wie ein Wesen vom anderen Stern in unserer Gesellschaft, trotzdem ich einen wirklich lieben Freundeskreis habe.

  6. Liebe Claire,

    Du triffst den Nagel auf den Kopf. Ich war jetzt zum zweiten Mal für längere Zeit in Japan und es ist eine Freude zu sehen, wie die Japaner Vernunft und Logik mit Spirituellem mischen. Mittlerweile hat das glücklicherweise ein bisschen auf mich abgefärbt und kriege die (nur vermeintlich existierende) Brücke zwischen diesen Gegensätzen leichter hin. Wenn man darin mal ein wenig Übung hat, weiß man irgendwann gar nicht mehr, wo vorher das Problem lag. Die Japaner bekommen das durch ihre Sozialisation quasi in die Wiege gelegt. Die meisten Westler müssen dazu nachträglich ein bisschen an sich arbeiten. Aber ich finde, die Arbeit lohnt sich. Es ist befreiend, nicht mehr krampfhaft die saubere Trennlinie zwischen rational und spirituell aufrecht erhalten zu müssen. Deshalb finde ich es nötig und mutig, dass darüber gesprochen wird. Bis sich gesamtgesellschaftlich etwas ändert, haben wir aber alle wahrscheinlich schon einen Bart wie der Weihnachtsmann… 😉

  7. Die Kommentare geben mir viele, wertvolle Infos. Ich danke euch sehr. Als „Junghexe“ kann ich damit ein gutes Fundament aufbauen. Danke danke!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s