Intuition und Feingefühl

Letztens hatte ich ein spannendes Gespräch mit einer Freundin, sie arbeitet im medizinischen Bereich und wir kamen so ins Plaudern über die Intuition, Vorahnungen und das instinktive Gespür dafür, wie z.B. die Stimmungslage bei jemandem ist, ob gerade etwas nicht stimmt oder alles harmonisch ist.

Sie meinte: Hast du schonmal was von Hochsensibilität gehört? (Der Wikipedia-Artikel dazu beleuchtet das Thema sehr facettenreich.) Nein, das hatte ich nicht, aber es erklärt einiges! Zum Beispiel dieses Gefühl von „ich war schon immer ein bißchen anders, als die anderen Kinder“, das so viele Leute gerade im spirituellen Bereich kennen, aber auch z.B. von Krankenschwestern und Leuten in ähnlich einfühlsamen Jobs habe ich das schon oft gehört. Es hatte halt bloß noch nie einen Namen.

Was in spirituellen Kreisen meist als Intuition bezeichnet wird, wird im wissenschaftlichen Bereich unter diesem Stichwort untersucht. Vieles steckt noch in den Anfängen, aber interessant ist es allemal! Man geht davon aus, dass etwa 15 – 20 % der Menschen diese Feinfühligkeit haben.

Früher wurde das oft als Überempfindlichkeit oder schwache Nerven interpretiert, aber das ist es nicht, feinfühlige Leute sind genauso fit wie alle anderen. Es ist nur so: wenn man mehr sieht, hört und wahrnimmt als andere, hat man ein stärkeres Bedürfnis nach einem entspannenden Ausgleich, einfach weil eine vielfache Datenmenge verarbeitet wird.

Ich musste an meinen Job und viele KollegInnen denken: was die meisten von uns eint, ist dieses tiefe Feingefühl (unter dem manche auch leiden), das sich-sekündlich-einfühlen können und gleichzeitig zum Ausgleich dazu das starke Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein. Nicht im Sinne von Einsamkeit oder dass man ein Eigenbrödler wäre, sondern weil man es braucht, um die Akkus wieder aufzuladen. Eine bewusst reiz-freie Zeit sozusagen.

Vermutlich macht es auch evolutionär Sinn, wenn ein bestimmter Anteil einer Gruppe diese Fähigkeiten hat. Nicht alle (oh, das würde kompliziert werden 😉 ), aber ein Teil der mit den Infos und Zwischentönen, die er wahrnimmt, zum Erfolg der Gruppe beiträgt.

Wir haben lange darüber geschwatzt, das ist wirklich ein spannendes Thema und ich wollte es auch hier im Blog mal anschneiden, weil ich mir sicher bin, dass ich nicht die einzige bin, der dabei ein Licht aufgeht.

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12 Gedanken zu „Intuition und Feingefühl

  1. Oh, ja, ich finde das ist ein echt interessantes Thema!
    Ich hatte mein „Aha-Erlebnis“ diesbezüglich vor ein paar Jahren, als ich im Internet auf eine Beschreibung von Hochsensibilität gestossen bin und mich in so vielen Punkten 1 zu 1 wiedergefunden habe. Ich war einerseits irgendwie geschockt, weil es mich auf eine Art in eine Schublade katapultiert hat, in die ich gar nicht rein wollte. Andererseits war ich erleichtert, dass ich jetzt wusste was mit mir „los ist“ – und dass ich damit nicht allein bin.
    Vor allem die Erklärung, warum ein hochsensibler Mensch insgesamt viel mehr Zeit als der durchschnittliche Mensch braucht – nämlich weil die Menge der Reize die (ungefiltert) auf ihn einströmen, ausreichend verarbeitet werden muß – war für mich persönlich wichtig, um mich besser zu verstehen.
    In einem meiner Bücher zu diesem Thema (habe inzwischen eine kleine Bibliothek ;-)…) steht übrigens ein interessanter Abschnitt über hochsensible Menschen in der Vergangenheit. Dass diese nämlich als Schamanen fungierten und u.a. Mittler zwischen den Menschen und der nichtmenschlichen und göttlichen Welt waren. Weitere Bereiche der HSP in der vergangenheit waren wohl auch Kunst, Wissenschaft, Heilung und Lebenshilfe. Auch als Berater, Astrologen, Gelehrte und Richter wirkten sie … das passt doch zu dem was Du schreibst.
    Auch das mit dem evolutionären Sinn dahinter, habe ich so schon gelesen. Es ist wohl für den Fortbestand vieler Arten (bei höheren Säugetieren gibt es das Phänomen auch) günstig, wenn es eine Mischung von hochsensiblen und nicht-hochsensiblen Vertretern gibt.
    Inzwischen versuche ich, es positiv zu sehen, auch wenn es manchmal echt anstrengend ist, bzw. ich versuche es wenigstens zu akzeptieren und das Beste draus zu machen und die Vorteile zu sehen.
    Mein privates Umfeld ist schon soweit aufgeklärt, dass ich eben etwas „anders“ bin und dass ich z.B mehr Ruhepausen und Rückzugszeiten brauche. Auch über Vorahnungen etc. wundert sich keiner mehr so richtig.
    Bei der Arbeit ist es allerdings leider echt schwierig. Bin oft überfordert, passe nicht richtig dazu und gelte als „nicht belastbar“. Dabei sind hochsensible Menschen nicht weniger belastbar, sondern sie sind sogar mehr Belastungen ausgesetzt, die die anderen Menschen einfach nicht haben.
    Ich fänd’s schön, wenn viel mehr Menschen über Hochsensibilität Bescheid wüssten.
    Zum Thema Intuition habe ich mal eine super Doku gesehen! Wen es interessiert, einfach auf youtube schauen: „auf den Spuren der Intuition“… sehenswert!!!
    Liebe Grüße, Katrin

  2. Hallo Claire, über dieses Thema gibt es schon etliche Bücher, einen Online-Test im Internet, Foren usw. Bin da vor einigen Jahren drauf gestoßen. Es würde mich interessieren, ob jeder, der eine HSP (Hochsensible Persönlichkeit) ist, auch übersinnlich ist, z.B. dieses Hellfühlen usw. LG

  3. Ich bin über die Astrologin Barbara Egert darauf aufmerksam geworden und hab mich sofort wiedererkannt.
    interessante Studie von ihr: http://www.astrologie.de/astrologie/b/4981/
    ich denke, wenn man etwas älter ist und durch die Erfahrung gelernt hat, dass man einfach seine Zeiten des Rückzugs mehr braucht wie andere, dann kann man die hochsensibilität als Geschenk und Gabe „annehmen“
    ich bin sehr dankbar dafür, kenne aber auch Menschen die sich wie mit einer Krankheit fühlen..

  4. Ja, ja ,…
    Auch ich stieß vor einiger Zeit auf dieses Thema und mir gingen einige Lichter auf! Es war beinahe schon ein Kronleuchter und meine Erleichterung war groß. Denn auch ich kenne die Schublade „nicht belastbar“ und das Bedürfnis mich öfter als andere zurückzuziehen um all die Einrücke zu verarbeiten.
    Seit ich weiss, dass es diese hochsensiblen Menschen gibt, habe ich mich mit mir ausgesöhnt und es fällt mir deutlich leichter, meine Bedürfnisse ohne schlechtes Gewissen durchzusetzen.
    Vielen Dank für diesen Beitrag,
    liebe Grüße, Petra

  5. @ Laura: Ich denke das kann man nicht pauschal beantworten, aber aus meinen persönlichen Erfahrungen weiß ich, dass manchen Menschen z.B. das Kartenlegen lernen viel leichter fällt als anderen.

    Grundsätzlich kann es jeder bis zu einem gewissen Punkt (lasst euch da niemals etwas anderes von irgendwelchen Wichtigtuern einreden!), aber während es bei manchen einen rationalen Weg geht (sozusagen: Kartenbedeutung + gefragtes Thema = Antwort), sehen andere Leute auch die Zwischentöne in den Karten.

    Bildlich gesagt: die einen „rechnen“ die Ergebnisse aus, bei den anderen beginnen die Karten zu leuchten und eine Geschichte zu erzählen.

    @ Petra: Genau das Gefühl hatte ich auch. Ich habe mir oft gewünscht „belastbarer“ zu sein und nicht verstanden, warum andere in bestimmten Situationen so locker sind, die mich anstrengen. Wobei man ja nicht schwach in dem Sinne ist. Ich kann (in Ruhe) arbeiten wie ein Ochse 😀 , aber z.B. ein großes Supermarkt voller hektischer Menschen an einem Freitag Abend ist eine echte Herausforderung.

    In unserer Kultur wird das leider nicht so wertgeschätzt, wie anderswo. Man gilt schnell als Sensibelchen, als Wunderblume, manchen ist es auch ein bißchen unheimlich, dass man so gut zwischen den Zeilen lesen kann und sie müssen sich demonstrativ durch Abwertung davon abgrenzen. Aber ich denke mir: es gibt nichts ohne Grund, Mutter Natur hat sich etwas dabei gedacht, wenn sie etwa jeden 6. so beschenkt.

  6. Die Erfahrung mit dem Supermarkt kenne ich sehr gut! Vor vielen Jahren war ich einmal in einem riesigen französischen Markt, in dem die Angestellten auf Rollerblades oder mit Rollern unterwegs sind, da sie sonst zu lange von einer Ecke in die andere bräuchten. Kaum war ich im Markt merkte ich, es war ein großer Fehler hierherzukommen! Mir wurde schon nach den ersten Metern schwindelig und ich suchte wie mit Scheuklappen das, was ich brauchte (das war plötzlich erstaunlich wenig!). Möglichst ohne nach rechts und nach links zu schauen eilte ich hastig durch den Markt, dem Ausgang entgegen. Es sollte eigentlich ein netter Ausflug werden – es wurde beinahe zum Horrotrip! Ich atmete erleichtert auf, als ich endlich wieder draussen war.
    Heute kaufe ich wenn es geht in kleinen Läden ein und möglichst zu Zeiten, wenn nicht viel los ist …
    In Ruhe kann ich auch gut arbeiten (wie ein Ochse …).

  7. Ich denke dass unsere heutige Zeit da auch eine besondere Herausforderung darstellt. Alles ist groß und voll, hektisch und schnell und überall wird man beschallt und mit Botschaften zugetextet. Das macht schon weniger feinfühlende Menschen gaga, da muss man echt lernen gut auszusortieren.

    Was heute in einer Ausgabe der New York Times steht, hat ein emsiger Bildungsbürger früher im ganzen Leben an Infos gehabt (so sagt man jedenfalls), dieses Beispiel verdeutlicht das sehr gut.

  8. …..vor allem hat NIEMAND mehr Zeit, Dinge in Ruhe wirken zu lassen oder auch überhaupt wahrzunehmen…..leider muss ich mich auch bei den „nicht belastbaren“ einfügen, es ist mein K(r)ampf mit den Windmühlen, aber im Nachhinein ist es auch zu müsig mit dem „sihste, hab ich doch gleich gesagt, aber auf mich hört ja keiner“…..

  9. Die Abneigung vor Hektik im Supermarkt und Menschenansammlungen kenn ich zur Genüge! Wenn man viele Jahre mit dem Wissen um seine Hochsensibilität gelebt und Erfahrungen gesammelt hat, kann man wie ich dies zunehmend als gute Gabe betrachten und sein feines Gespür genauso wie eine Vorahnung gut nutzen. Da bin ich ganz bei euch. Ja, man hört oft: du spinnst doch! Darüber kann ich heute nur lachen😄

  10. Wow, ich habe mir gerade mal den Wiki-Artikel angesehen und war echt überrascht. Ich habe mich selbst bisher immer als einen sehr empathischen Menschen betrachtet, der eben die „Energien“ meiner Mitmenschen sehr gut auffangen und deuten kann. Jetzt muss ich mich echt fragen, ob ich ebenso zu den hochsensiblen Menschen zähle. Ich brauche ebenso viele Ruhephasen und fühle mich manchmal extrem unwohl in großen Menschenmengen, da ich mich vollauf „gefangen“ fühle von den ganzen Stimmungen, die da auf mich einprasseln.

    Danke dir Claire, dass du das Thema angesprochen hast. Das zeigt mir, dass das ganze doch nicht nur eingebildet von mir ist, sondern etwas reelles. Danke! 🙂

  11. Und ich frage mich seit Jahren warum ich ständig müde bin,Blutwerte und alles ist in Ordnung!Das ich sensibler bin als andere in meiner Umgebung war mir schon klar,aber das es einen Namen hat,wusste ich noch nicht.Mir grault es auch wenn ich mal ins Center muss,oder in den Supermarkt,bekomme schnell Schwindel und bin nach kurzer Zeit fix und fertig,obwohl ich mich vorher schütze,dringt doch einiges durch und was für andere Frauen beim shoppen eine Freude ist,ist für mich ein Graus!Ich arbeite zwei Tage die Woche in einem großen Bekleidungsgeschäft,nach zwei Stunden könnte ich mich schon hinlegen;-),aber es hat ja alles seinen Sinn und ich bin trotzdem glücklich darüber das ich die Gefühle der Menschen spüren kann,das hilft mir sehr bei der Heilarbeit und kann den Menschen besser helfen:-)

  12. Besagter Artikel hat auch meine Sicht verändert. Es ist eben nicht immer und einfach nur ein Charakterfehler oder eine psychische Störung, wenn man anders ist.
    Verfolge das Thema mit großem Interesse.

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