weiche Fakten, harte Fakten

Gerade geht es viel um Gesundheit, Krankheit und das Spirituelle im Austausch mit meinen Kursteilnehmern und ja, definitiv: man darf auch nicht alles für spirituell oder seelisch bedingt erklären!

Vor einer Weile hörte ich die Geschichte einer Frau, deren Rückenschmerzen als stressbedingt abgetan wurden von den Ärzten, sie sollte mehr Sport machen, nicht so viel sitzen usw. Nach einem halben Jahr von einem Arzt zum nächsten nahm sich eine Ärztin mal tiefergehend der Sache an und es kam heraus, dass es sich um einen Nierentumor handelte.

Klar, das ist jetzt eine besonders dramatische Geschichte, aber daran sieht man im Großen, was man auch hilfreich aufs Kleine übertragen kann.

Das ist es ja auch, warum harte und weiche Fakten am besten immer zusammen betrachtet werden, wenn es um die Gesundheit geht. Denn, wie auch meine Kursteilnehmer, sehe ich es sehr skeptisch, wenn immer alles feinstofflich sein soll.

In den letzten Ursachen ist es das vielleicht (auch), aber wir sind doch nicht die perfekten Übermenschen, die Kraft ihrer Wassersuppe jedes Problem zum verschwinden bringen können (was ja auch den bösen Umkehrschluss in sich trägt, dass man an Problemen grundsätzlich selbst schuld ist, wenn man ein „besser“ Mensch wäre, hätte man sie ja nicht).

Menschsein ist grundsätzlich mit Problemen behaftet, denn es gibt keine Perfektion in der Natur. Die ganze Natur ist ein munteres sich-durchwurschteln, wenn wir mal ehrlich sind und den Pathos beiseite lassen. Von der Ameise bis zum Buckelwal, von der Krähe bis zum Menschen: man schaut halt, dass man´s so gut wie möglich hinbekommt.

Und was viele (ironischerweise auch manche naturspirituelle) Leute vergessen: wir leben doch nicht im luftleeren Raum. Die Umweltverschmutzung, die Medikamente und Hormone im Wasser, der Ruß in der Luft, die allgegenwärtigen Weichmacher usw. sollen so gar keinen Einfluss haben? Alles nur spirituell oder emotional bedingt?

Schön wär´s, dann wäre es bedeutend einfacher, aber das echte Leben ist nunmal kompliziert und jede Zeit bringt ihre eigenen Herausforderungen mit sich.

Die „gute, alte“ Zeit, in der Wasser und Luft noch rein waren ist da auch keine Rettung, mit all ihren Infektionskrankheiten und einer heute unvorstellbaren Kindersterblichkeit (noch um 1900 herum starb in Deutschland jedes 5. Kind). Ich tue mich schwer mit diesen Idealisierungen, die nur darauf beruhen, dass man die Hälfte der Fakten unter den Tisch fallen lässt.

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4 Gedanken zu „weiche Fakten, harte Fakten

  1. Liebe Claire, das Thema Gesundheit ist auch gerade bei mir allgegenwärtig (gut, ich bin auch Krankenschwester). Heute unterhielt ich mich mit meiner Leitung über psychische Erkrankungen und wie erschreckend es ist, dass so schnell mit harten Medikamenten, welche oft mehr Nebenwirkungen als Nutzen zeigen, therapiert wird. und das ohne vorher mal auf das Blutbild zu schauen. Oft liegt einfach ein Mangel an Spurenelementen/ Elektrolyten vor oder das Problem ist organisch. Ich habe zum beispiel mal eine ältere Dame betreut, welche starke Beruhigungsmittel gegen ihre Unruhe nahm. Bis ein Neurologe dahinter kam, das ihre Schilddrüsenmedikamente zu hoch eingestellt waren. Es geht also auch andersrum. Aber die „Macht der Gedanken bleib ich Gesund“- Mentalität und alles ist spirituell erlebe auch ich immer mehr.
    LG Catha

  2. Ich hab da manchmal den zugegeben etwas technischen Vergleich: ein Computer besteht auch nicht nur aus Software und wenn die Tasten klemmen nutzt das beste Programm nichts.

    Da könnte man genausogut sagen: Wenn du nur positiver denken würdest, würdest du blaue Augen und blonde Haare bekommen (für Blondinen mit blauen Augen umgekehrt 😉 ). Jeder weiß, dass das nicht funktioniert, aber genau so wird gerne pauschal bei Krankheiten argumentiert.

    Wir sind nicht nur Geist, wir sind auch ganz realer Körper. Mit kommt das immer vor, als wollten manche allmächtig tun oder heiliger als heilig, wenn sie jedes körperliche Problem in höheren Sphären verorten.

    Oder sind manche Menschen wirklich schon so entfremdet von allem natürlichen, dass sie gar nicht mehr daran denken, dass körperliche Belastungen, das Altern, individuelle organische Gegebenheiten, geerbte Anfälligkeiten usw. auch eine Rolle spielen können? Manchmal fürchte ich es fast.

  3. Da muss ich dir recht geben. :Leider ist gerade das Älter werden heute immer mehr zu den Dingen geworden, die immer weniger als normal angenommen und erlebt werden. Ich höre immer öfter: „Ich hab mein Lebtag hart gearbeitet und meinen Mann/meine Frau ect., gepflegt, wieso wieso bin jetzt so hilflos?“. Deinen Vergleich mit dem Computer finde ich sehr gut! Er zeigt gut auf, dass man sich ganzheitlich sehen muss. Früher sahen alle nur das Körperlich, heute wird so sehr auf den Geist und die Gedanken gesetzt, dass alles andere außen vor bleibt.

  4. Ich glaube da spielt auch der Jugendwahn eine wichtige Rolle. Selbst Rentner müssen „noch jugendlich fit“ sein, auch wenn das Alter naturgemäß nicht eben der fitteste Lebensabschnitt ist.

    Meine Schwester arbeitet auch im medizinischen Bereich, zum Teil auch mit alten Patienten und was man da so mitbekommt hat mir beigebracht: verschiebe nichts, was du nicht schon früher machen kannst. Warte nicht auf die Zeit im Alter, um dann endlich all die schönen Dinge zu machen.

    Wenn man Glück hat, kann man sie tatsächlich noch machen, aber es ist genauso wahrscheinlich, dass einem die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung macht oder man z.B. gar nicht die finanziellen Spielräume dafür hat (speziell alle, die heute ihr Geld verdienen und dann vermutlich bis 80 rackern sollen, wenn sie eine Rente möchte).

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