Hexen, die Aje, The Mothers, Iyami Osoronga, Lilith…

… es ist doch immer dasselbe!, denke ich und lege das Buch „Iyami Osoronga – Divine Femininity“ Iyanifa Iyalode Fagbemileke Fatunmise für einen Moment beiseite, um diesen Artikel zu schreiben.

Oft finde ich in anderen Kulturen die Puzzlestücke, die mir fehlen, um unsere Traditionen zu verstehen, so auch diesmal. Es geht bei all den weiblichen Kräften, mit denen ich diesen Artikel überschrieben habe, um die Verteufelung einer urweiblichen Macht, die Gerechtigkeit ausübt und vor allem: die für sich steht. Die sich nicht reinreden lässt, die nicht manipuliert werden kann.

Meist außerhalb des „offiziellen“ Götterhimmels, aber doch verbunden mit einigen Göttinnen, besonders denen mit Bezug zu Leben und Tod.

Hier wie dort sind die Farben gleich: die Weiße, die Rote und die Schwarze. Jungfrau, Mutter, weise Alte. Egal wo: weiß, rot, schwarz.

Aje Funfun (die Weiße), Aje Pupa (die Rote), Aje Dudu (die Schwarze) in der westafrikanischen Tradition. Ich muss auch an den weißen, den roten und den schwarzen Reiter der Baba Yaga denken bzw. den Umstand, dass sie oft noch zwei Schwestern hat, an die dreifachen Schicksals-Feen in unseren Sagen und Märchen, an die südamerikanischen Zauberpraktiken, die mit weiß, rot, schwarz arbeiten und noch viele mehr.

Manchmal findet man Erinnerungen daran noch in traditionellen Stickereien und als traditionelle Farben. Iyanifa schreibt in ihrem Buch: es gibt sie überall auf der Welt, jede Kultur kennt sie.

Und überall wurden diese Kräfte verteufelt. Lilith wurde von der prächtigen Göttin zur Nachtdämonin, die Aje von den Beschützerinnen der Frauen und dem gesunden Gegengewicht zum Patriarchat zu Wesen, über die man am besten überhaupt nicht spricht, so schrecklich wären sie.

Frauen wurde also stets erzählt: die spirituellen Kräfte, die hinter euch stehen, sind so gefährlich, daran denkt ihr am besten gar nicht erst!

Bei uns sind das die Hexen (nicht die spirituelle Tradition, sondern die Geistwesen, wie wir sie von alten Holzschnitten kennen), die zu Nachtdämoninnen wurden, die das Vieh krank machen, Menschen schwächen usw.

All das können sie, ja, aber niemals wegen Nichts. Sie sind Kräfte der Gerechtigkeit, nicht des Bösen. Wo sie strafen sorgen sie für die Wiederherstellung des Gleichgewichts, indem sie Sühne einfordern, Unrecht ausgleichen, die Schwachen verteidigen gegen die, die nur aufgrund ihrer Stärke „Recht“ haben.

Die heiligen Tiere dieser weisen, uralten Kräfte sind Vögel (ich denke an das uralte Bild der Seelenvögel im Lebensbaum), speziell Greifvögel und Eulen. Liliths Vogelfüße… Es ist alles noch sichtbar, wir sehen es bloß nicht.

Die Eule, die im Baum sitzt und deren Ruf immer ein Vorzeichen ist. Dieses uralte Bild, bei uns eine Linde, vielleicht eine Eiche oder ein anderer Baum, in Afrika ein Baoab oder Iroko – es ist genau dasselbe.

An dieser Stelle muss ich schmunzeln: ich wußte schon immer, dass irgendetwas tiefweibliches hinter der Dawanda-Eulen-Invasion stecken musste. Nichts kommt aus dem Nichts, bei uralten Symbolen schon gar nicht. Und mögen die Eulen noch so rosa und fliederfarben sein, sie geben Frauen etwas, sie erinnern sie an etwas und wenn wir erstmal in den äußeren Schichten sind, können wir auch den Kern wiederfinden.

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10 Gedanken zu „Hexen, die Aje, The Mothers, Iyami Osoronga, Lilith…

  1. Danke dir! Das war ein Puzzleteilchen, welches mir gefehlt hat. 🙂

    Sammle seit einiger Zeit wie eine „Geisteskranke“ Eulenschmuck -ja, auch von Dawanda, aber nicht in Pink 😛 – ohne mir das wirklich erklären zu können. Bis eben. Dafür landet ein Lilith-Buch nach dem nächsten in meinem Besitz. Derzeit das von Kocku v.Stuckrad und das ist ganz wunderbar. Und darauf einen Kaffee aus meiner Eulentasse. 🙂

    Lieben Gruß!

  2. Mir ging auch ein Licht auf: meine Mutter liebt Eulen, meine Schwester hat einen ausgewachsenen Eulen-Spleen, ich komme an keiner Falknerei vorbei…

    Die alten Kräfte können noch so sehr verteufelt oder lange vergessen werden, sie sind trotzdem da.

  3. Ja auch ich liebe Eulen schon seit meiner Kindheit. Leider wurde mir damals immer gesagt, aus Unwissenheit, das Eulen unheimlich seien.Nee….. dachte ich, das kann nicht sein. Ich bin froh das sie unsere Welt erobern. Und wenn ich vor einer Schneeeule steh…..bin ich hin und weg. Das berührt mich so sehr, ich kann es nicht erklären. Danke für den Bericht.

    Liebe Grüsse Sandra

  4. Interessanter Gedanke zu den Eulen. Ich gehöre auch zu den „Opfern“ mit Eulenhandyhülle, Eulenohrringen und Eulenholzfigur auf dem Fensterbrett. Und meine Freundinnen lieben sie auch. 🙂

  5. Liebe Claire,

    danke für diesen Beitrag, auch mir ging ein Licht auf!

    Ich arbeite derzeit an einem Forschungsprojekt zu den Sirenen, den berühmt-berüchtigten Sängerinnen, die Verführung und Tod bringen. Auch dies ist ein urweiblicher Topos mit entsprechenden Eigenheiten: die Sirenen sind Zwischen-Wesen, halb Frau, halb Fisch; sie sind unergründlich und niemandem unterstellt; sie verzaubern durch ihren Gesang und weben in ihrem Lied die Heldengeschichte des Hörers; sie verführen mit List und bringen den Tod (oder das ewige Vergessen). Diese Konstruktion des Weiblichen als des Anderen (zum herrschaftlichen Konsens) findet verschiedene Formen in der abendländischen Kulturgeschichte: die Hexe, die Diva, die Hysterikerin, die Kindfrau, die kleine Meerjungfrau… Sie alle sind über besondere Eigenheiten miteinander verbunden. Interessanterweise finden sich in antiken Dokumenten, die lange Zeit vor Homers Odyssee entstanden, Abbildungen von Sirenen mit Vogelfüßen. Eine weitere Korrespondenz und eine tolle Fährte, die ich verfolgen werde…!

    Liebe Grüße,

    Elena

  6. Das ist ein unheimlich spannendes Thema und ich finde es immer wieder faszinierend, wie dieses Wissen in Symbolen, Bildern und Mythen verkapselt wurde und so die Zeiten überstanden hat.

  7. Das gibt meiner seit langer Zeit gehegten Liebe zu Eulen einen Sinn. Mein Seelenpferd habe ich gekauft ohne zu ahnen und zu wissen dass sein Brand eine Eule ist.
    Das gibt dem Begriff Seelenpferd noch einmal eine ganz andere Bedeutung.
    Liebe Grüße
    Bella

  8. Dein Beitrag ist wirklich so wahr….!!! Es ist unglaublich was den Hexen so angedichtet wird aufgrund ihres Könnens… und ihrer Einstellung zu sich selbst und zum weiblichen Urinstinkt… Wie sie zu den“ Bösen“ gemacht werden und wurden ,obwohl sie eigentlich wie du auch sagst meist nur das Gleichgewicht wieder herstellen oder aber die, die sich für stark halten in ihre schranken weisen! Es ist die pure Angst derer die mit dem absolut weiblichen , welches Vertrauen zu sich selbst ist , Selbstbewusstsein, eigene Meinung die auch vertreten wird.., und die Verbindung zum spirituellen und zur großen Göttin ist, einfach nicht umgehen können und aus dieser Angst heraus werden die Hexen zu bösen unheimlichen Frauen gemacht!! Schade ….lg Karina

  9. Oh, jetzt weiss ich auch warum ich so an der Kette mit 3 winzigen Ton-Eulen hänge, die ich mir mal als Teenager auf einem Weihnachtsmarkt gekauft habe. Neben einem Bernstein-Anhänger so ziemlich der einzige Schmuck den ich auch im Alltag trage…!

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