Die Ursprünge des Tarot de Marseille

Vielen Dank an E., die mir diesen tollen Linktipp geschickt hat!

Eine Reportage auf arte über die Ursprünge des sagenumwobenen Tarot de Marseille, die ganz neue Zusammenhänge findet, spannend!

Der Film zeigt eindrücklich, dass in der Geistesgeschichte kaum etwas wirklich verloren geht und bringt ganz neue mögliche astrologische Verbindungen der Tarotkarten ins Spiel.

→ Da der Film ein arte+7 Angebot war, konnte man ihn nur sieben Tage lang online bei arte sehen, aber meine Leserin Tama hat ihn in der deutschsprachigen Fassung auf Youtube entdeckt, hier ist er:

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10 Gedanken zu „Die Ursprünge des Tarot de Marseille

  1. Wow – vielen Dank für den link ! Ich dachte, dass die Kirche solch Teufelswerk verbannt – dabei hat ein Kirchenmann hauptsächlich zur Entstehung der Karten beigtragen – nicht schlecht !

  2. Dieses Phänomen findet man auch bei alten Zauber-Manuskripten und ähnlichem oft.

    Man muss nur fragen: Wer konnte damals überhaupt lesen und schreiben? Und wer dann auch noch auf Latein, das für Anrufungen usw. gebräuchlich war? Wer hatte Zugang zu alten (und damit „heidnischen“ bzw. klassisch antiken) Texten und Ideen?

    Vor einer Weile hatte hatte ich einen Beitrag zu einem alten Zaubertext dabei, der auch darauf schließen lässt, dass christliche Kreise mehr damit zu tun hatten, als man heutzutage annimmt.

  3. Ja, das stimmt ! Diese Karten sind wie eine zip-Datei, in der das Wissen und Weltbild aus Antike und (damaliger) Gegenwart zusammengefasst war. Gedacht für die sog. Bildungs- und wohl auch Geldelite. Allerdings waren gewisse Symbole, wie z.B. der Seelenwagen, so gebräuchlich, dass sie, wie heute das Bild einer Roten Rose, in allen Schichten Eingang gefunden hatte. Der Beitrag wirft dennoch ein paar Fragen auf: Warum ist, z.B. bei der Karte „Die Welt“, die in den Ecken die Sinnbilder für die vier Evangelisten aufzeigen soll, in der linken unteren Ecke das „Störrische Pferd“ von der Karte des Wagens abgebildet ? Der Symbolgehalt geht so tief, dass auch diese Details bestimmt eine Bedeutung haben. Genauso wie bei der Mässigkeit – der Arm, der oben ist, ist genau spiegelbildlich zum Arm auf der Tarotkarte. Und wie haben diese Karten von ihrer einstigen Verwendung zu Studienzwecken den Übergang zu Orakelkarten gefunden ?

  4. Das „störrische Pferd“ auf der Welt-Karte ist ein Ochse. Die Symbole der vier Evangelisten sind zudem auch älter als die späteren christlichen Zuschreibungen und haben babylonische Wurzeln, bei Wikipedia gibt´s da einen schönen Beitrag, der auch die astrologischen Hintergründe zeigt.

    Dass Motive spiegelverkehrt abgebildet wurden hat man manchmal bei den Karten. Der eigentliche Druckstock des Bildes ist dann richtig herum. Über dieses Detail haben sich schon viele den Kopf zerbrochen, es ist noch immer ungelöst.

    Die Leute haben schon immer mit allem orakelt, was ihnen in die Finger kam, da sind Karten ja noch eher harmlos. 😉 Letztendlich ist ein Orakel auch ein Studienzweck, man möchte auch damit etwas lernen und erfahren, das ist nicht weit weg voneinander.

  5. Hallo Claire,
    der Ochse möge mir verzeihen 😉
    Was ich allerdings mit „Übergang“ meinte un d was mich interessiert, war nicht der Prozess wie aus Studierkarten Orakelkarten wurden, sondern der Weg wie sie aus den Händen eines elitären Zirkels in die Hände des „gemeinen Volkes“ gekommen sind, um dann dort zum Wahrsagen benutz zu werden ? Ich denke mal, Ficino hat sie nicht nach dem Gottesdienst am Kirchenportal verteilt 😉

  6. Das kann ich mir auch nicht vorstellen! 😉 Der Klerus hat sich zwar munter solchen Dingen zugewendet, aber trotzdem mussten diese Leute gut aufpassen, nicht als Ketzer in Ungnade zu fallen.

    Man kann nur vermuten: die Reichen hatten damals viel Personal, das Augen und Ohren hatte. Die Karten mußten irgendwo in Auftrag gegeben und gedruckt werden. Die soziale Kontrolle war also stark, man konnte kaum etwas verbergen.

    Was die Reichen hatten war schon immer spannend und prestigeträchtig, da wollten auch alle anderen ran. So wie heute z.B. selbst die fragwürdigsten Kopien von Louis Vuitton Taschen an Frauenarmen hängen. 😉

    Wie es dann im Detail dazu kam, wäre sehr spannend zu wissen, aber der grundsätzliche Ablauf war sicherlich derselbe wie er heute wäre: Was haben „die da oben“ spannendes? Das wollen wir auch haben!

  7. Das ist wirklich ein super Film! Vielen Dank, Claire, für den tollen Beitrag bzw. für´s Weitergeben. Das eröffnet einem beim Kartenlegen noch viel mehr Möglichkeiten…

    LG, Amira

  8. Irgendwie fasziniert mich dieses Thema ! Sag mal Claire, wann kommen denn jetzt Crowley und die Freimaurer ins Spiel ? Weißt du etwas darüber ?

  9. So, jetzt komme ich endlich mal zum antworten! 😉

    @ Tama: Vielen Dank! Ich hatte den Film bisher nur auf französisch auf Youtube gesehen und mich schon geärgert, weil ich ihn mir nochmal in Ruhe anschauen wollte, um mir Notizen zu machen.

    @ Anonym: Da weiß ich ein bißchen was! Bei den Freimaurern muss ich passen, das ist nicht mein Spezialgebiet, aber immerhin war Crowley eine Zeit lang Freimaurer.

    Das hat aber nicht den Ausschlag bei ihm gegeben, sondern seine Zeit beim Golden Dawn. Und eines der großen Werke zweier Golden Dawn Mitglieder war ja das Rider-Waite Deck, das von Pamela Coleman-Smith und A.E. Waite gestaltet wurde, die beide Eingeweihte des Ordens waren.

    Der Golden Dawn ist also der Dreh- und Angelpunkt, den man im Blick haben muss und der z.B. auch einflußreiche Tarotgelehrte wie Paul Foster-Case maßgeblich beeinflusst hat (der seinerseits mit dem B.O.T.A. einen esoterischen Orden begründet hat, dessen gesamte Lehren auf dem Tarot fußen).

    Der Golden Dawn ist Baujahr 1888 und hielt nur etwa bis 1900, aber seine Lehren und vor allem das vielfältige Wissen, das er aus unterschiedlichen Quellen vereint hat, haben bis heute einen maßgeblichen Nachhall. Lustigerweise auch bei einigen Traditionen, die klassische Magie weit von sich weisen würden, aber trotzdem jeden Tag mit ihren Grundgedanken und Überlieferungen arbeiten.

    Ich könnte jetzt lang und breit darüber schreiben, da wäre ich morgen noch nicht fertig, weil das ein unheimlich spannendes und detailreiches Thema ist. 😉 Aber um es kürzer zu machen: Crowley hat es vom Golden Dawn und danach hat er daraus sein eigenes Süppchen gekocht und den Faden weiter gesponnen.

    Aber auch er nicht allein, da war schließlich auch Lady Harris, die die Karten gemalt hat und genau wie Pamela Coleman-Smith ebenfalls maßgeblich an den Motiven und der Gestaltung an sich beteiligt war.

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