Das Miteinander

 

p1120054Heute etwas aus der Kategorie „Beobachtungen aus dem Leben“ mit einem Schmunzeln. Ich kam mit einer Freundin darauf, wir waren beide verreist und trotz unterschiedlicher Länder waren wir einer Meinung: kaum zurück in Deutschland beschleicht einen als Frau so ein komisches Gefühl, als wäre man mit dem Überqueren der Grenze wieder unsichtbar geworden. Willkommen zurück im Land derer, die so fleißig sind, dass die spielerische Leichtigkeit im Alltag verschwunden ist.

Die kleinen Gesten des Alltags, die Freundlichkeit, das Lächeln – wo ist all das nur hin? Vielleicht ist es auch die Sprache. Signora, Mademoiselle, Señora, Madame – das hat doch was! Wir haben „Frau“. Ein spanischer Kellner brachte mich immer zum lachen, als er (eins zu eins übersetzt) meinte: „Für Sie, Frau!“, wenn er mit einem kühlen Getränk um die Ecke kam. Tja, da war es wieder: Deutsch kann echt sperrig sein.

Lustigerweise berichteten die von mir befragten Männer genau dasselbe: mal ein Blick, die Art zu sprechen, Körpersprache generell, dieses verspielte hin und her zwischen den Menschen liegt uns wirklich nicht besonders.

Im Urlaub saugt man es in sich auf, zu Hause muss man schon in einen ausländischen Laden oder ein Bistro gehen, um diese spielerische Leichtigkeit für einen Moment zurück zu haben.

Wir können es oft auch einfach nicht mehr. Sag´ einer Deutschen, dass sie ein schönes Kleid anhat und sie wird mit irgendetwas in Richtung: „Ach, das ist doch schon alt!“ antworten. Leute, Leute…

Aber ich bin ja selbst nicht besser. Letztens schleppte ich ein Paket nach Hause, als ein Heavy Metal Hüne im Vorbeigehen fragte, ob er helfen kann. Vielleicht lag es daran, dass er genuschelt hat, aber erst ein paar Meter weiter stutzte ich: Moment mal! Der hat dich gerade gefragt, ob er beim Tragen helfen kann! Das war so unwahrscheinlich, dass ich es erstmal gar nicht realisiert habe und als es endlich pling machte, war er schon weiter.

Es haben ja alle etwas davon: der Mann ist Gentleman, die Frau freut sich, beide haben einen netten Moment. Das funktioniert natürlich genauso gut von Frau zu Frau und Mann zu Mann. Nennt mich altmodisch, aber ich finde sowas schön. Freundlichkeit und Lebensfreude sollten niemals als altmodisch gelten.

Letztens las ich als Sommerlektüre  „Don´t let me be misunderstood“ von Susanne Kilian, einer Dolmetscherin, die den typisch deutschen Fallstricken in der Kommunikation auf den Grund gegangen ist. Ein Buch zum schmunzeln, mit vielen Aha-Momenten. Wir haben oft schon aufgrund unserer Sprache (immer schön direkt) und unserer Erziehung (Kind, komm auf den Punkt, wir haben nicht ewig Zeit!) gar keine Chance, die Feinheiten und das zwischenmenschliche Spiel zu entwickeln, die anderswo die Kommunikation tragen.

Trotzdem: das muss doch irgendwie auch bei uns zu machen sein. Fast alle, die aus dem Urlaub und von Reisen wiederkommen, klagen über die typisch deutsche Mentalität und hängende Mundwinkel, die ihnen entgegen kommen. Wenn es so viele Leute gibt, die das schade finden, gibt es doch eigentlich schon wieder genug, um es zu ändern. 😉

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Ein Gedanke zu „Das Miteinander

  1. Liebe Claire,
    es ist zwar schon einige Tage her, das du dieses Beitrag geschrieben hast, aber er hat mich dazu inspiriert, mich mal zu beobachten und zu reflektieren. Deshalb will ich dir noch mal einen Kommentar dazu dalassen. Du hast recht was die Komplimente angehen: als mein Lebensgefährte am Samstag meinte, dass ich heute besonders gut aussehen würde, dachte ich nur: du bist mein Freund, klar das du das jetzt sagst. Ich habe ihm also verdächtigt, mich positiver zu bewerten als ich bin, auf Grund unserer Verbindung zueinander. Das ist ja eigentlich auch schön, aber sollte man nicht Komplimente von so wohlwollenden Menschen mit Freude annehmen? Ich werde da mal bisschen an mir arbeiten müssen. Ist ja auch meinen Schatz gegenüber doof, wenn ich so unsensibel reagiere.
    LG Catharina

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