Den Ahnen so nah

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heute früh am Morgen, mehr Fotos gibt´s bei @nature_by_claire auf Instagram

Beim Thema Trauer und Verstorbene kommt man über kurz oder lang natürlich auch bei den Ahnen vorbei. Das Wort Ahnen hört sich etwas altertümlich an und manche verbreiten viel melodramatisches Pathos rund um das Thema.

Da hat halt jeder seinen Zugang, aber nach meinen Erfahrungen ist das alles sehr real und überhaupt nicht weit weg. Und es ist auch nicht unbedingt edel oder heldenmütig, die Ahnen sind nicht alle weise oder großartig. Das Ganze ist ziemlich kompliziert, wenn man es ernst nimmt und nicht auf diesen überhöhten Sockel stellt. Was auf dem hohen Sockel steht ist weit weg, da muss man nicht ran, Häkchen dran.

Ich habe das selbst als weit weg empfunden und fand die Vorstellung der weisen Ahnen auch wunderbar. Weil ich eben noch in der Theorie steckte, doch dann kam unverhofft die Praxis und zwar beim Kartenlegen.

 

Hin und wieder fragen Leute nach Orten (meist der Ort wo ihr Haus steht), wenn dort spürbar etwas nicht im Lot ist. Vor ein paar Jahren sagten die Karten zum ersten Mal: es ist der Krieg. Eigenartig… aber ich gab es so weiter. Nach ein paar Tagen kam die Rückmeldung, der Fragende hatte recherchiert und genau an der fraglichen Stelle gab es heftige Gefechte mit vielen Toten.

Oha, da waren die Ahnen plötzlich viel näher als gedacht. Ein paar Mal gab es das und jedes Mal ergaben die Recherchen, dass dort tatsächlich Fürchterliches passiert war im Krieg. Und das strahlt immer noch aus. Teilweise so heftig, dass es an diesen Orten immer wieder zu Unfällen kam.

 

Die schöne, edle Ahnen-Welt war jedenfalls erstmal dahin. Abgründe und Schrecken taten sich auf und es war überhaupt nicht mehr weit weg. Wie kann man damit umgehen?

Kleine Schritte sind gut. Langsam und behutsam, nichts erzwingen (zu passenden Räucherpflanzen kommen wir noch in der Reihe), lieber eine Pause mehr, als eine zu wenig. Nicht gleich das ganze Leid der Welt auf die eigenen Schultern nehmen wollen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Bücher über die Kriegskinder und -enkel und wie dieser dunkle Schatten im Hintergrund ganze Generationen unterschwellig mitgeprägt hat. Das ist die seelische Ebene.

Aber es gibt auch die spirituelle Seite und das Erstaunliche ist, dass viele Leute, die das wahrnehmen, sich gar nicht spirituell bezeichnen würden oder vorher sonderlich damit befasst hätten.

Das sind die Ahn/ungen, die jeder haben kann. Vor ein paar Jahren an einem diesigen Novembertag hatte ich den Gedanken: Hier sind aber auch viele. Das sind gar nicht mal bewusste Gedanken, über die man dann ewig nachdenkt. Es ist mehr wie ein Fisch, der aus dem Gedankenstrom kurz herausspringt und gleich wieder eintaucht.

Dann kam das Jahr 2013 und damit das große Gedenken an 200 Jahre Völkerschlacht in Leipzig. Plötzlich fiel mir dieser Gedanke von damals wieder ein, ich recherchierte und las von 80.000 bis 110.000 Toten – das sind viele. Auf einmal machte es Sinn.

Und so geht das vielen Leuten, das ist ja nur ein Beispiel: man nimmt etwas wahr, kann es oft nicht eindordnen, es ist erstmal auch gar nicht so wichtig. Und dann irgendwann kommt die Bestätigung: das war es. Da hast du spontan etwas von der Ahnen-Ebene, von den Vorfahren mitbekommen. Als würde man kurz durch ein Fenster schauen, das sonst verborgen ist.

Natürlich sieht man da nicht nur Krieg und schlimme Dinge, nicht dass jetzt dieser Eindruck entsteht. Aber tragische Dinge hinterlassen oft besonders starke Abdrücke – was im Umkehrschluss auch bedeutet: für die sanfteren Themen muss man die Sinne oft besonders schärfen bzw. die flüchtigen Ahn/ungen daran besonders bewahren, sie springen einen nicht so an.

 

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6 Gedanken zu „Den Ahnen so nah

  1. Ja, das Gefühl nicht immer allein irgendwo zu sein, habe ich auch oft.
    Eine Bekannte sieht diese Wesen/ Personen sogar. Sie erzählte mir, dass sie öfter mal Spaziergänge abgebrochen hat, weil ihr der Anblick der Kriegsopfer zu viel wurde.
    Hoffentlich bleibt mir „dieses Sehen“ auf ewig erspart.

    Und warum sollten Orte, die so viel Grauen erlebt haben, nicht auch dieses abstrahlen? Es gibt doch auch so viele „gute“ Orte, an denen man sich auf Anhieb wohl fühlt.

    Ob man diese negativ belasteten Orte reinigen kann? Sollte man dies überhaupt tun? Muss/ Sollte es sie auch geben? Als Mahnung? Oder ist es für die Erde schöner, wenn man Negatives neutralisiert?

  2. Ja, „sehen“ zu können ist eine Sache für sich. Viele wünschen sich das, so als hätte man dann eine tolle Superkraft, aber man kann sich ja nicht aussuchen was man sieht.

    Danke, dass du diesen Gedanken mit den „guten“ Orten einbringst! Das habe ich ungenau formuliert, denn ich bin auch der Meinung, dass man nicht immer alles „wegputzen“ muss oder soll – oder überhaupt kann (wir sind doch nicht allmächtig).

    Das bezieht sich nur darauf, wenn man ein Haus hat und nicht einfach so wegziehen will oder kann und dann ein Geschick daraus machen muss, damit man dort gut wohnen kann. Da ging es z.B. ganz konkret um Fälle, wo immer wieder Kinder an einer bestimmten Stelle schwere Unfälle hatten und da muss man dann etwas tun.

    Dieses allgemeine „wegputzen“ und „heilen“ sehe ich auch mit sehr gemischten Gefühlen. Das schlägt schnell in den Zeitgeist um: bloß keine Makel, wir wollen alles perfekt und glänzend. Mit Licht und Liebe schwemmen wir alles weg, was uns nicht angenehm ist (jetzt gar nicht mal so überspitzt gesagt).

    Aber Leben ist alles. Auch das Negative und der Schmerz. Hell und dunkel. Das macht nicht unbedingt Spaß, aber das Negative wird nicht verschwinden, also müssen wir es annehmen. Es kann nicht alles immer nur Spaß machen und wenn man das ehrlich realisiert wird es komischerweise leichter.

  3. Ich schweife jetzt hier wahrscheinlich etwas ab, aber in meinen Augen ist das ein enormes Kunststück und irgendwie auch eine ziemliche Gradwanderung.
    Dinge/Zustände/usw. zu akzeptieren, die eben so überhaupt nicht schön und angenehm sind.
    Mir persönlich geht es da vor allem im Bereich der den Umgang mit Tieren betrifft so.
    Zu sehen/lesen/hören, wie grausam mit ihnen umgegangen wird, egal ob das Einzelpersonen sind oder (noch viel schlimmer) durch die Industrie (und die damit verbundenen Konsumenten).
    Akzeptieren oder versuchen, es zu ändern?
    Erstmal sich selbst, aber was ist mit anderen, die noch gar nichts davon mitbekommen haben?

    Seit Jahren kämpfe ich genau mit diesem Thema. Diese Grausamkeit und Brutalität gegenüber wehrlosen und unschuldigen Lebewesen stürzt mich immer wieder auf´s Neue in absolute Traurigkeit/Trauer. Und ich brauche viel Kraft und Zeit, um dann wieder „einfach weitermachen“ zu können.
    Obwohl es sich tatsächlich hier und jetzt in unserer Welt auf ganz realer Ebene abspielt, nehmen viele nicht einmal im Ansatz Notiz davon, sondern konsumieren fröhlich vor sich hin, ohne zu hinterfragen, wie dieses Produkt vielleicht zustande gekommen ist. (glücklicher Weise natürlich nicht alle)
    Und ich persönlich würde mir tatsächlich für mich selbst wünschen, das „einfach akzeptieren“ und weitergehen zu können.
    Ich wollte jetzt gar nicht so sehr vom Thema abweichen, aber irgendwie hat es ja dann doch wieder mit Trauer und Tod zu tun. Nur dass sich vielleicht der ein oder andere mehr zu Tieren und deren Bedürfnissen hingezogen fühlt…
    Ich würde mich jedenfalls ehrlich darüber freuen, vielleicht ein paar Anregungen zu bekommen, wie man auch diese Art von Trauer (und alle damit verknüpften Emotionen) „leichter“ ertragen kann.

  4. Halo Claire!
    Mich wundert nur immer wieder, warum man gerade, wenn man noch „ungeübt“ ist, vor allem diese negativen Schwingungen spürt?
    Mein Partner ist da ein gutes Beispiel. Als wir im Harz an einen sehr schönen Ort mit viel positiver Energie waren, konnte er sie nur mit viel Konzentration ein wenig spüren.
    Als er aber durch den Waldbereich bei meinen Eltern ging, in dem im zweiten Weltkrieg sehr viele Russen in den Bäumen erhängt wurden, spürte er gleich, dass was nicht stimmt, hörte Stimmen und fühlte sich beobachtet. Und das ohne die Vorgeschichte zu kennen.
    Das ist doch irgendwie merkwürdig, oder?

    Zum Reinigen und Heilen muss ich auch sagen, dass man das nicht pauschal sagen kann, ob es gut oder schlecht ist. Und vor allem muss man ja auch nicht gleich heilen wollen.
    Als es mir vor einiger Zeit dann auch zu bunt im besagten Wald wurde ( bei Windstille fielen Zweige auf mich, dauernd bin ich gestolpert und nie hatte ich das Gefühl alleine bzw in Ruhe zu sein), habe ich den Energien/Seelen dort mitgeteilt, dass ich sie wahrnehme und mit ihnen fühlen und das ihre Wut verständlich ist. Seitdem ist es für mich und meinen Partner ruhiger dort, Ich fühle mich jetzt wieder willkommen dort.
    LG Catharina

  5. @ Anonym: Dieser Herbst steht hier im Blog bewusst unter dem Motto hinsehen und wahrnehmen von Leid, so gesehen passt es doch wieder. Da bin ich ganz bei dir und da geht es um Verantwortung. Das muss und kann man nicht akzeptieren, weil es jeder Form von Wertvorstellung zuwider läuft.

    Wichtig bei diesem Thema ist immer wieder: man kann nur seinen Teil beitragen, nicht das ganze Leid der Welt auf die eigenen Schultern laden. Wenn man sich aufreibt hilft das niemandem und das ist ein Thema, das viele verändern müssen, einer alleine kann das nicht.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Gutes mehr bewirkt als Schlechtes, um Dinge zu bewegen. Ein Freund von mir, der Veggie ist, kocht manchmal für Freunde und sagt dann hinterher: Ist es euch aufgefallen, da war gar kein Fleisch dran – und alle gucken verdutzt, es hat keinem gefehlt. Er hat auch schon die Erfahrung gemacht, dass Veggies manchmal gut auf ihren Grillkäse aufpassen müssen, sonst ist er weg… 😉

    Und so geht das: Schritt für Schritt, eines nach dem anderen. Klar hätte man bei all dem Leid am liebsten eine Sofortlösung. Aber da das nicht funktioniert muss man es behutsam aufweichen, vor allem die Herzen der Menschen.

    Mir ist da z.B. der grönländische Schamane Angaangaq eine Inspiration. Er schreibt und redet in seiner ganzen Arbeit davon: Schmelzt das Eis in den Herzen! Um in diesem Bild zu bleiben: für einen großen Eisblock braucht man eine ganze Weile. Das ist nicht dein Fehler, das haben große Eisblöcke so an sich. Aber das kleine Feuerchen, das du machen kannst, damit er weiterschmilzt, das solltest du am brennen halten.

  6. @ Catharina: Das ist auch für Ungeübte ganz normal. Jeder (!) Mensch hat einen sechsten Sinn. Viele denken das können nur Profis und viele Profis bestärken dieses Vorstellung auch ständig. Ich bin auch Profi, aber ich kann das überhaupt nicht bestätigen.

    Im Gegenteil: mir schreiben öfter Leute, die überhaupt nichts mit Spiritualität am Hut haben, aber genau solche Erlebnisse hatten und da völlig unvorbereitet reingestolpert sind. Sie hätten sich nie im Leben an eine Hexe gewendet, wenn sie das nicht kalt erwischt und ihr ganzes Weltbild durcheinander gewirbelt hätte.

    Bewusst wahrnehmen und reden ist eine wunderbare Möglichkeit. Oft wollen die Seelen/Energien einfach nur endlich mal gesehen werden.

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