Der Geist weht wo er will

Die Geister reisen gerne um die Welt und während wir uns hierzulande manchmal schwer damit tun (Ist das denn auch „authentisch“ genug, was wir da machen?), ist man anderswo sehr offen.

Überhaupt ist das ein grundlegender Unterschied: es gibt exklusive Traditionen, exklusiv hier im Wortsinn von ausschließend, die ungerne neue Einflüsse aufnehmen. Das findet man zum Beispiel im altbekannten Satz „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“.

Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche inklusive (also einschließende) Traditionen, die gerne neue Einflüsse aufnehmen. So auch Maria Lionza aus Venezuela, ein Weg, der vor allem über die Ahnen und Geistwesen arbeitet.

Typisch für diese Wege ist, dass sie „Höfe“ haben, die cortes (im Gegensatz zum persönlichen cuatro espiritual, das ist der eigene spirituelle „Rahmen“, also die Geistwesen, die einen persönlich begleiten).

So bekommt man alles harmonisch unter einen Hut: hier ist der Bereich der katholischen Heiligen (wir sind immerhin in Lateinamerika), dort gibt es die Geistwesen schwarzer Sklaven, dann wieder berühmte Ärzte, Befreiungs-Helden usw., die durchaus auch auf reale Personen zurückgehen, das ist also ganz konkrete Ahnenverehrung.

Jedenfalls – nun komme ich zum eigentlichen Punkt – erfuhr ich vor kurzem, dass sie auch einen corte vikinga haben und das ist genau das, wonach es sich anhört. Thor wird beispielsweise als Mr. Barbaro verehrt und wer ein bißchen auf Youtube herumschaut wird schnell feststellen, dass er sich auch gerne höchstpersönlich in rituellen Besessenheiten zeigt.

All dies sind handfeste Wege, man sucht sich nicht einfach Geistwesen aus, sondern man arbeitet mit dem, was sich zeigt, im direkten Kontakt. Und das alles so wunderbar praktisch, da können wir uns als theorieliebende Europäer wirklich noch eine Scheibe abschneiden. Natürlich gibt es auch stattliche Barbaro-Statuen, wie man zum Beispiel in diesem Blogbeitrag sehen kann.

Thor in Venezuela, da staunt man nicht schlecht und von dieser Leidenschaft und Hingabe zu Geistwesen und Göttern können wir viel lernen. Es geht eben nicht darum, die Nase in Bücher zu stecken und sich gegenseitig mit dem Gelesenem übertrumpfen zu wollen. Es geht um die Praxis und um das, was im echten Leben passiert.

 

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6 Gedanken zu „Der Geist weht wo er will

  1. Interessanter Beitrag, vielen Dank ❤ . Ich liebe Thor…..und als Mr. Barbaro um so mehr !
    L.G.

  2. Wow, das ist interessant. Thor scheint ja noch recht aktiv zu sein auf unserer Welt. Da muss ich an mein Handfasting letztes Jahr denken, als genau in dem Augenblick ein Donnergrollen losging, als mein Mann anfing sein Gelüpte vorzutragen.
    LG Catha

  3. @ Catha: Das ist ja wunderbar, ein echtes Zeichen „von oben“! 🙂

    Es gab vor einer Weile in der spirituellen Szene eine starke Tendenz Gottheiten als Archetypen oder Energieformen zu betrachten (jedenfalls in unserem Teil der Welt, das muss man immer dazu sagen).

    Mir kam das oft wie eine Schutzbehauptung vor. So nach dem Motto: nicht dass irgendwer auf den Gedanken kommt, man hätte noch einen unsichtbaren Freund aus der Kindheit.

    Aber in der Erfahrung von Menschen, die das wirklich leben, sieht es anders aus. Da gibt es ganz konkrete Zeichen, persönliche und freundschaftliche Beziehungen zu den Göttern und Rückmeldungen im Alltag, die einfach kein Zufall sein können – es wären jedenfalls ziemlich viele „Zufälle“ auf einmal, die man dann erlebt. 😉

    Über kurz oder lang kommen viele Suchende an diesen Punkt, an dem man (mehr oder weniger verdutzt) feststellt: die alten Götter sind wirklich echt. Das sind keine bloßen Mythen und keine „unsichtbaren Freunde“, sondern da gibt es ganz konkrete Rückmeldungen und es entstehen tragfähige Beziehungen, wenn man den Kontakt aufnimmt und pflegt.

    … und letztendlich muss man in einem weiteren Rahmen z.B. auch an die Thor-Filme denken. Klar, das sind „bloß“ Comic-Verfilmungen, wird der nüchterne Kritiker da sagen. Das stimmt ja auch.

    Aber warum kommt das wieder so stark? Es gibt so viele Mythen und Geschichten. Warum werden Künstler und Kreative – die klassischerweise ein Kanal für das Göttliche sind – bis heute so davon inspiriert (inspiriert – das vom lateinischen in spirito kommt: der Geist, der in einen einfährt)?

    Die Geister und Götter wählen die Wege der jeweiligen Zeit. Früher erzählte man sich Mythen oder Barden und Geschichtenerzähler trugen sie vor. Heute geht man ins Kino und sieht genau dieselben Sachen. Oder man spielt am Computer gleich eine Runde mit. Ein bißchen verändert, ein bißchen technisch aufgehübscht, aber im Kern Mythen und Göttergeschichten.

  4. Sehr interessanter Artikel „Der Geist weht wo er will“ und in der Tat mache ich gerade mal wieder die Erfahrung, dass auch Projekte in der realen Welt (ich arbeite in der Kultur- und Kreativwirtschaft) tatsächlich von Geistwesen geführt werden können, wenn man offen ist und sich darauf einlässt. Vielen Dank für Ihre Ausführungen.

  5. Das ist wirklich interessant. Die Frage ist, wie Thor bzw die corte vikinga dort Einzug fand. Kamen die Venezolaner mit den nordischen Göttern einfach so in Kontakt oder brachten zu erst Einwanderer das nordische Pantheon mit sich? Vielleicht waren die Wikinger ja auch in Südamerika…

  6. @ Dennis: Vermutlich geht da auch vieles über das Internet mittlerweile, wir belesen uns ja auch viel im Web.

    Wobei gerade in Mittel- und Südamerika der Spiritismus (Espiritismo) sehr verbreitet ist. Im Espiritismo ist es nicht ungewöhnlich, dass Wesenheiten in einen Kreis oder zu einem Fest kommen, die in Kontakt treten wollen.

    Das geht den direkten Weg von der Wesenheit bzw. Gottheit zu den Anwesenden, ganz ohne vorherigen Wissensvermittlung von Mensch zu Mensch. In solchen Fällen muss die Gemeinschaft hinterher erst einmal recherchieren, wer da eigentlich „zu Besuch“ war (zusätzlich zu dem, was die Wesenheit selbst mitgeteilt hat).

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