Spiritualität managen?

Heute möchte ich das Thema einer Blogleserin aufgreifen, ich darf es direkt zitieren:

Vor ca 15 Jahren habe ich begonnen schamanisch zu arbeiten und workshops besucht.

Vor einem Jahr habe ich ein schaman. Jahrestraining angefangen. (…)
In diesen 15 Jahren scheint sich sehr vieles verändert zu haben, was mich entsetzt und auch traurig macht.

Während des Jahrestrainings hat sich bei mir das Gefühl verstärkt, dass sehr sehr viele Leute spirituelle Arbeit mittlerweile nur noch als Mittel zum Zweck sehen.

Auf den Workshops finden sich immer mehr die sog. Karrieremenschen (z.B. entlassene Banker), die jetzt die gleichen Mechanismen in diese Sparte transferieren, wie sie zuvor im Management üblich waren.

Also die gleichen Graben- und Konkurrenzkämpfe, verdecktes Ellenbogenausfahren bestimmt von dem Bestreben, sich am Markt zu positionieren und Karriere und Kohle zu machen (und damit meine ich jetzt nicht das Bestreben, dass der Lebensunterhalt ja auch verdient werden muss, sondern wirklich wie an der Börse, seh zu dass die Aktien steigen und Dividende abwerfen, je mehr desto besser). Bin grad wieder kopfschüttelnd von einem WE workshop zurück.

War das schon früher so oder fällt mir das erst jetzt auf ?

Um ehrlich zu sein hatte ich noch nie bewusst darüber nachgedacht. Manchmal hatte ich ein komisches Gefühl, aber dabei blieb es auch. Aber wenn es dann mal jemand ausspricht… Doch, da ist was dran. Mir fielen mehrere Gesichter ein, die ich in diese Richtung zuordnen würde, männlich wie weiblich.

… und natürlich denke ich auch an Leute aus der Business-Welt, die sehr bewusst und positiv mit ihrer Spiritualität umgehen. Es geht nicht darum, diese Jobs schlecht zu machen, ein Job sagt nicht wer man ist. Es geht um diesen einen, ganz speziellen Typus. Wo das Lächeln auch gebleckte Zähne sein könnten und alles vor Dynamik nur so strotzt.

Man bezeichnet sich auch lieber nicht zu sehr als spirituell, besser was in Richtung Coaching, damit man die „normalen“ Leute nicht verschreckt. So bleibt man auch flexibler sich jedem neuen Trend anschließen zu können. Bloß nicht zu verbindlich werden. Alles wird gut strukturiert, das kennt man noch vom früheren Job und es lässt sich viel besser „marktgerecht“ aufarbeiten.

Was ist das Problem daran? Grundsätzlich kann jeder so gelackt, dynamisch oder überfliegend sein, wie er mag. Da bin ich nicht kleinlich und die Geschmäcker sind verschieden.

Hexen und spirituelle Freidenker sind von sowas selten betroffen. Trotzdem ist es wichtig darüber nachzudenken, denn es gibt etwas zu lernen und diese Lektion ist in unserer Erfolgsdruck-Kultur sehr wichtig.

Die Super-Coaches verbiegen die Spiritualität grundlegend. Sie bauen sie zu einer illusionären Rüstung um. Folge meinem System und du wirst unverwundbar, dein Aufstieg wird unausweichlich sein und du bekommst alles, was du dir wünschst. Das ist reines Business, das ist keine Spiritualität.

Spiritualität – in ihrer ganzen Tiefe – ist etwas, das trägt. Sie trägt einen nicht nur, wenn man der Sieger ist. Sie trägt einen auch, wenn man ein Häufchen Elend ist, mit dem Leben hadert oder mit den Nerven am Ende ist. Gerade dann ist sie unverzichtbar. Sie ist nicht nur für die Starken da.

Allein der Gedanke, dass es Menschen gibt, die immer stark und erfolgreich sind, ist absurd. Manche Menschen haben vielleicht eine starke Fassade, aber das sind selten die Glücklichen.

Spiritualität bedeutet das echte Leben, nicht die Illusion und der schöne Schein des eigenen Glanzes. Das ist ja das Schöne, man muss gar nicht super drauf sein, um sich neu zu verbinden.

Die alten Kulturen waren da ehrlicher, helle und dunkle Gottheiten reflektierten das Leben, wie es eben ist. Oder wie mongolische Schamanen sagen: Balance ist die Mitte zwischen hell und dunkel. Wenn man es in die Mitte schafft (und nicht erst, wenn man im hell strahlenden Licht steht), ist man bereits in Balance.

Oder wie ich scherzhaft sage: Einmal Leben süß-sauer, bitte! 😉 Es ist so. Es wird nie anders sein. Schluss mit der Scharade und rein ins echte Leben.

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4 Gedanken zu „Spiritualität managen?

  1. Hallo Claire,
    also mir ist es leider auch schon paar Mal aufgefallen, dass vieles nur noch auf größer, besser, weiter und vor allem mehr damit verdienen/bekommen ausgelegt wird. Da werden von Dingen einfach im nächsten Schritt noch der „Power-Super-Verstärker“ angeboten, damit es noch besser wirkt oder geworben, dass man so die „beste Version von sich selbst“ werden soll (ich frage mich dann immer, was an der aktuellen Version von mir verkehrt sein soll…). Und das alles nur, um sich an der Spiritualität materiell zu bereichern.

    Und dieses immer im hellsten Lichte strahlen und für immer Erfolgreich sein… Da hast du schon ganz recht, dass ist Blödsinn. Gerade in den dunklen Stunden erkennt man die stärke und das Licht der Spiritualität.

    LG Catha

  2. Danke von Herzen hierfür ! Das Gefühl hat sich bei mir auch immer mehr in den letzten Jahren gefestigt. Durch meine zwei letzten harten Jahre bin ich nur dank der tragenden Kraft meines Weges gekommen. Danke ! blessed be )0(

  3. Vielen Dank!
    Das war (wieder einmal) sehr aufschlussreich!
    Es bestärkt mich immer wieder, weiterhin allein meinen Weg zu gehen.
    Gern mit Unterstützung von hier. 😉

    Aber eigentlich überrascht mich das gar nicht. Wenn ich so sehe, wer alles mit Trends/ Maschen/Richtungen/… auf den „Markt“ kommt, ihn teilweise überschwemmt und Geld verdienen will, dann bildet sich die gleiche Gauß`sche Verteilungskurve, wie überall. Egal, ob in kreativen, finanziellen, zwischenmenschlichen und sonstigen Bereichen.
    Überall gibt es die ehrlichen, die zaghaften, die ehrgeizigen, die lustigen, die einfühlsamen, die absahnenden, die boshaften Typen. (Weitere Variationen natürlich vorhanden.)

    Ich wünsche der Blogleserin, die dieses Thema angestoßen hat, alles Gute und zukünftig nur noch schöne Workshops. (Was macht man da eigentlich?)

    Und allen anderen wünsche ich stets genug Wasser unter dem Kiel um unangenehme Situationen schnell umschiffen zu können.

    Liebe Grüße
    Katja

  4. Mit diesem Beitrag hast Du jetzt mal so richtig aus dem Herzen gesprochen. Ich habe diesen Trend auch bemerkt und finde es sehr schade, dass es so ist. Doch wir können alle das Beste daraus machen, und noch genauer hinschauen. So halte ich es. Vielen Dank für dieses Thema. B*B*B*

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