Die Sonne und ein paar Gedanken

Heute scheint die Sonne. Ist das einen eigenen Blogbeitrag wert? In diesem Winter auf jeden Fall. Da versteht man, warum unseren Vorfahren Sonnengöttinnen und -götter so wichtig waren. Ein paar Sonnenstrahlen und man ist ein neuer Mensch.

Wir hängen nach wie vor an der Natur, gerade in solchen Momenten merkt man es. Die Wunder spielen sich direkt vor unserer Nase ab. Man sieht oft nicht so genau hin. Man kennt es doch, alles wie immer: Frühling, Sommer, Herbst und Winter, nix besonderes. Aber wenn man genauer hinschaut, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wie vernetzt alles ist, wie vielfältig und abgestimmt.

Ein grünes Tulpen-Blättchen, das neugierig aus der Erde drängt und nur auf den Startschuss wartet. Sie weiß, dass der Frühling kommt, da muss keiner kommen, der es ihr sagt.

Wir denken so gerne viele schlaue Sachen, aber die wirklich wichtigen Dinge passieren auf einer anderen Ebene, jenseits der Worte.

Vor einer Weile sah ich zufällig den surrealen Film „N – Der Wahn der Vernunft“. Ein Satz daraus blieb hängen, den man so ähnlich in den unterschiedlichsten spirituellen Traditionen findet: Wenn du die Dinge benennst, riskierst du sie zu verlieren.

Dann schaut man auf das Bild, das man sich gemacht hat und nicht auf das, was ist. Wir halten es schwer aus ohne Bilder, heutzutage sowieso. Doch sind Bilder und Worte immer nur Annäherungen, nie das Eigentliche. Was sieht man, wenn man einfach hinsieht? Ist das nicht die spannende Frage, auch und gerade im Spirituellen?

Als ich jünger war habe ich mich manchmal gefragt, warum einige Kulturen so grobe Abbildungen ihrer spirituellen Kräfte anfertigen: ein paar Stäbe in der Erde, kleine Erd-Hügel im Tempelbezirk, vage Figuren, ein paar Steine oder zum Beispiel Stofffetzen, die einen Ort markieren.

Mit dem Blickwinkel meiner eigenen (auf schöne Bilder fixierten) Kultur kam mir das etwas lieblos vor. Immerhin geht es um das Heilige, da darf man sich etwas mehr Mühe geben.

Heute sehe ich das anders. Die einfachen Zeichen sagen „hier ist das“, aber sie zeigen es nicht. Sie setzen einem keine visuelle Definition vor, sondern lassen den unverfälschten Eindruck der eigentlichen Kraft zu.

Beides hat seine Vorzüge und Nachteile, aber es ist eine bewusste Überlegung wert: Wie viel will man eingrenzen und was will man frei lassen?