Stärke

Letztens meinte wieder einmal jemand zu mir: Eine Hexe ist für mich eine starke Frau.

Hm, mir ist die „starke Frau“ ähnlich unangenehm wie der „starke Mann“. Weil es unterschwellig bedeutet: Die sind toll und die anderen sind Luschen. Bin ich die Einzige, die das so empfindet?

Ich kenne keine starke Frau und keinen starken Mann, ich habe bisher nur Menschen mit allen Facetten kennengelernt. Das bringt der Beruf so mit sich, ich bin mit den Leuten mehr in den Hintergründen der Kulissen unterwegs, als auf der vordergründigen Bühne.

Da gibt´s aber auch noch ein anderes Problem: Wer nur in der Stärke „wohnen“ kann, ist denkbar schlecht für das Leben gewappnet. Ich meine das echte Leben.

Das ist das, wo man nicht aus jedem Tiefschlag unfassbare Inspiration zieht und aus jeder Niederlage gestärkt hervorgeht, sondern manchmal schlicht und ehrlich sagt: Das war oder ist schlimm und mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Etwas so stehen lassen zu können, wie es ist – das ist die hohe Kunst.

Wenn man – um im Bild der Wohnung zu bleiben – auch mit einer Bruchbude klarkommt und sie sich vielleicht sogar schön machen kann, bis es besser wird, dann ist man ein/e Meister/in.

Einfach nur stark zu sein ist keine Kunst, mit Oberwasser ist alles leicht. Aber mit allem anderen klarzukommen und ein Geschick daraus zu machen, das ist der Punkt, an dem es spannend wird.

 

6 Gedanken zu „Stärke

  1. Genau deshalb lautet ein dazu passendes Sprichwort:
    Reichtum ist nicht von allem das beste zu haben, sondern aus allem, was man hat, das beste zu machen.

  2. Also für mich sind die die Starken, die genau das können. Wenn das Leben einem richtig auf die Schnauze gibt, die Kraft und den Mut zu haben, aufzustehen und zu sagen „und jetzt schauen wir, was wir mit dem Scherbenhaufen anfangen.“

  3. Ich finde, dass man auch schwach sein darf. Man darf auch Punkte haben, in denen man nicht klar kommt. Womöglich nie klar kommt. Und ist ein ganzer Mensch. Nicht trotzdem, sondern ganz selbstverständlich.

  4. Diese Wertungen sind alle ziemlich widersprüchlich. Die eine meint mit „starke Frau“ ganz was anderes, als der andere. Beim Lesen Deines Textes ist mir aufgefallen, dass auch ich noch eine Wertung von „stark“ in mir trage. Für mich sind Menschen stark, wenn sie sich nicht unterkriegen lassen. Wenn sie das beste aus ihrer jeweiligen Situation machen. Wenn sie, wie Du schreibst, ein Tiefschlag einfach ein Tiefschlag ist, sich danach aufrappeln, diesen Schlag in die Magengrube annehmen, sich eventuell zurückziehen, um sich zu sammlen und dann wieder gestärkt und neu zusammengesetzt ins volle Leben einsteigen. Aber sind nicht auch die vermeintlich „schwachen“ stark? oder besonders sie? Wenn sie sagen „ja ich bin schwach, aber so will ich sein“, dann ist das das stärkste was ich mir vorstellen kann. Was heißt überhaupt stark oder schwach? Brauchen wir diese Begrifflichkeiten wirklich? Stecken nicht beide Seiten in jeder von uns? Sind wir authentisch dann wirken wir vermutlich stark und das wiederum könnte auf Hexen zutreffen. Eine gute Hexe ist doch auf jeden Fal authentisch, oder? ;-))

  5. Liebe Claire
    Ich habe es, vor ein paar Jahren,noch bei mir selbst beobachtet.
    Besonders spirituelle Frauen habe ich als“starke Frauen“ empfunden. Ich war fasziniert von der Ruhe Ausgeglichenheit meiner Yogalehrerrin, der Reikimeisterin in unseren Dorf, meiner Ärztin für Naturheilverfahren ausstrahlen.
    Heute weiß ich das sie ihre Schwächen haben und es Ihnen auch mal schlecht geht , sie nicht immer auf der Sonnenseite stehen, sie nicht perfekt sind.
    Aber ich spüre , die Energie dieser Menschen, gern.Nur ich würde nicht mehr das Wort STARK benutzen.
    Diese Ausstrahlung hast auch du Claire , sie kommt durch deinen Videos und Bücher einfach durch.
    Ohne diesen „Filter“ist diese bestimmt noch stärker wahrzunehmen.
    Gehe doch einfach davon aus das die Frau einfach keine anderen Worte gefunden hat!
    Weil sie es so war nimmt.
    liebe Grüsse Jana

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