Flüche

Im Gegensatz zu früheren Zeiten in der Hexen-bewegung (der westlichen! – andere Kulturen waren nie so leichtsinnig) wissen heute die meisten, dass nicht alles Licht und Liebe ist, wie früher die Parole hieß.

Damals galt die mehr oder weniger ausgesprochene Annahme: Fühlt sich jemand verflucht, dann bildet er sich das ein. Oder es wird als bequeme Ausrede benutzt, um die angebliche Bosheit anderer Leute herzunehmen, damit man nichts am eigenen Leben ändern muss.

Das gibt es natürlich auch. Als ich in meinen Anfängen steckte, neigte ich ebenfalls zu dieser Ansicht. Man bekam außerdem oft mit, wie Flüche dazu benutzt wurden, um teure Rituale und Talismane zu verkaufen. Das lief meist so ab, dass kostenloses Kartenlegen oder Handlesen angeboten wurde. Dabei wurde festgestellt, dass ein schwerer Fluch auf der Person lasten würde, der dann gar nicht mehr so kostenlos entfernt werden sollte.

Das ganze Thema hatte einen ziemlich dubiosen Ruf und man versuchte es elegant beiseite zu reden, Stichwort: fehlende Eigenverantwortung der Betroffenen. Moderne Magie ist gute Magie, alles andere war finstere Vergangenheit.

* * *

Bis mich vor einigen Jahren der Hilferuf eines Pferdewirtes aus dem Norddeutschen erreichte. Er schilderte, dass es jemanden gibt, der ihm die Pferde verhexe. Auf dem Land sei manches noch anders und es gäbe in der Gegend ein paar Leute, die sich auf sowas verstehen.

Es war sofort klar, dass es ihm ernst war. Er war typisch norddeutsch, geradling, sparsam mit Worten und auf Fakten bedacht. Kurz gesagt: der letzte Mensch, von dem man erwarten würde, dass er sich verflucht fühlt. Gewissenhaft zählte er auf was zu welchem Zeitpunkt passiert war, welche Veränderungen er auf seinem Grundstück bemerkt hatte, wie es den Tieren danach ging.

Dieser Moment war ein wichtiger Wendepunkt. Manchmal braucht man diesen einen Moment, in dem einem ein Licht aufgeht und man erkennt, dass man nicht mit dem Strom der allgemeinen Meinung schwimmen kann, sondern sich selbst ein Bild machen muss.

* * *

Warum wohl werden Geistheiler, Schamanen und die verschiedensten Priesterinnen und spirituellen Medien auf der ganzen Welt darum gebeten, negative Energien zu erkennen und zu vertreiben?

Ich muss gerade an die Geschichte eines westlichen Forschers denken, der sich mit einem traditionellen Schamanen unterhielt. Der Forscher pries das naturverbundene Leben und den Einklang, in dem er leben würde. Der Schamane antwortete: Ach, so harmonisch ist das alles nicht, ich verbringe den ganzen Tag damit böse Geister zu töten.

* * *

Wir haben auch oft eine falsche Vorstellung, wenn wir von Flüchen reden. Bei einem Fluch denkt man an jemanden, der in einem düsteren Zimmerchen dunkle Kerzen anzündet, Puppen malträtiert oder hinterhältige magische Büdel zusammenschnürt.

Doch es kann so viel mehr sein. Das Wort »Energieübetragung« wäre viel treffender, weil man dann nicht all diese Zaubergeschichten im Kopf hat, sondern das große Bild sieht.

Energie kann viele Wege gehen, auch wenn sie in Form von gezielten negativen Gedanken kommt ist das spürbar. Wer hat noch nie eine Person mit einer Aura erlebt, die einen instinktiv zurückweichen ließ. Oder einer Person, die man ambivalent findet, etwas ausgeliehen, nur um hinterher mit diesem Gegenstand zu fremdeln.

* * *

Ich glaube jeder kennt solche mulmigen Momente und deshalb ist es so wichtig die Vorstellung vom Fluch als (ich sag´s jetzt mal salopp) »schwarze Kerzen anzünden und böse Sachen dazu sagen « aus dem Kopf zu bekommen.

Die Energie des Neides hat unter diesen Energien einen besonderen Stellenwert, sie wird als böser Blick, als malocchio (böses Auge) oder ohlhos grandes (große Augen) bezeichnet. Dafür muss man keine Kerze anzünden, das funktioniert auch so.

Interessanterweise braucht es mit Menschen aus Italien, Griechenland, der Türkei, dem Balkan oder aus dem ehemaligen Ostblock wenig Worte dazu. Jeder weiß was gemeint ist. Ich frage mich manchmal, wie dieses Wissen bei uns weggebrochen ist. In den alten Zauberbüchern (wir hatten ja gerade die Mosis-Büchlein hier im Blog) findet man das Thema noch ganz selbstverständlich.

* * *

Waren unsere Vorfahren abergläubischer als wir? Sicher waren sie das, sie kannten für viele Dinge noch nicht die Ursachen und waren in einem völlig anderen Ausmaß von Leid, Krankheit und Tod umgeben als wir. Aber sie waren nicht dümmer und sie konnten gut beobachten, vermutlich besser als wir es heute können, mit all den Ablenkungen im Alltag.

Bei diesem Thema ist Panikmache nicht der richtige Weg und trotzdem kann man es nicht einfach beiseite schieben. Nach wie vor beschäftigt es viele im stillen Kämmerchen, sonst bekäme man nicht so viele Fragen dazu gestellt.

Naturgemäß gibt es viele Sichtweisen dazu und das ist auch richtig, jeder soll sich seine Meinung bilden. Aber wir wissen alle, dass der Mensch nicht nur aus Licht und Liebe besteht und das gilt nicht nur für seine körperliche und seelische Ebene, sondern natürlich auch für den Geist.

Je bewusster man damit umgeht, desto besser. Die Welt ist deshalb nicht in einem ständigen spirituellen Kriegszustand (dieses überzogene Bild wird dann ja gerne gezeichnet). Aber wenn mal etwas ist, findet man schneller Lösungen, wenn man alle Möglichkeiten im Blick hat.

Osterwasser

 

Da will man einen Artikel schreiben und dann sieht man, dass man eigentlich schonmal alles zusammengefasst hatte und zwar 2013 an dieser Stelle im Blog. Das ist misslich, man wiederholt sich ja nicht so gerne, also: Bitte dort nachlesen. 😉

Wenn ich das Foto dazu sehe, halte ich mich mit Beschwerden über das aktuelle Wetter dann doch zurück.

Kommen wir also einmal auf den tieferen Sinn vom Osterwasser zurück und das ist das berühmte Wasser des Lebens, wie man es z.B. in den russischen Zaubermärchen findet. Was man mit ihm besprüht, das gedeiht, von dem fällt Dunkelheit ab und es wird fruchtbar und lebensfroh.

Natürlich gab und gibt es viele Varianten des Brauchtums rund um das lebensspendende Wasser und das nicht nur zu Ostern.

Im frühen Frühling galten die Flüsse in vielen Gegenden noch als tabu, weil sie sich nach dem Winter erst einmal selbst reinigen müssen, bevor sie wieder lebensspendende Kräfte verbreiten können. Ostern war der Stichtag, ab dem das Wasser wieder als frisch und klar galt.

Wasser repräsentiert generell die sanften (aber nicht im Sinne von schwach) und unterschwelligen Kräfte im Leben. Es reinigt und schwemmt aus, es gibt aber auch Substanz und Leben. Was Wasser hat, das kann wachsen. Wir schauen heute in der Magie oft auf das Feuer: Kerzen, Teelichte, Räucherungen, ein Feuer draußen usw., aber es lohnt sich wirklich, das Wasser mindestens genauso stark zu betonen und ihm denselben Stellenwert zu geben.

Sei das mit alten Traditionen wie dem Osterwasser oder ganz modern mit magischen Duftwässern, flüssigen Mixturen oder den berühmten „Zaubertränken“, was einen dann schon fließend zur Küchenmagie bringt.

 

Tipp zum Video und Osterwasser

Eine Leserin hat den „Lange verborgenen Freund“ kostenlos im Web entdeckt und zwar hier. Wer mit der alten Schrift kein Problem hat, kann ihn also auch dort schmökern. Man findet in diesem Archiv auch noch andere „Hausfreunde“, „Hausapotheken“ oder „praktische Recepte“. Den Tipp gebe ich natürlich sehr gerne weiter.

An den Suchanfragen im Blog sehe ich gerade, dass das Thema Osterwasser sehr gefragt ist. Morgen vertiefen wir das mal an dieser Stelle. 😉

 

Video mit Katze, ach nein: zu alten volksmagischen Büchern

Wer immer mal bei Instagram reinschaut, wird spätestens bei diesem Video den Verdacht nicht los, dass die kleine Spanierin (unsere rot-weiße Katze) sehr gerne vor der Kamera steht. Nur weil sie eine Fass-mich-nicht-an-Katze ist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht bei allem dabei sein muss und unglaublich neugierig ist.

Eigentlich geht es in diesem Video um die sogenannte magische Hausväter-Literatur. Also Zauberbücher aus dem 18. bis 19. Jahrhundert, die so etwas wie eine Sammlung magischer Absicherungen gegen die Gefahren und Probleme dieser Zeit waren.

Was wir heute daraus ziehen können und wie spannend dieser Blick durch das magische Schlüsselloch der Geschichte ist, darum geht´s im neuen Video.

Zum vormerken: signierte Bücher bei PranaHaus

Autogrammstunde mit Bastet

Manche werden es schon im Newsletter gesehen haben, die „Magische Heilkunst“ kommt demnächst auch als Taschenbuch-Ausgabe heraus.

Dazu gibt es wieder eine Aktion mit 111 handsignierten Büchern beim traditionsreichen PranaHaus Versand. Den Katalog könnt ihr bei Interesse auf der PranaHaus Homepage anfordern, ich habe jetzt noch ein bißchen was zu schreiben… 😉

 

Ostara kommt

Foto von @frangipani_delicious / Instagram

So langsam legt der Frühling richtig los und alle atmen auf. Zu Imbolc hat man die erste Hoffnung, dass der Winter nicht ewig dauern wird, aber es ist erst einmal nur das Licht, das mehr wird.

Jetzt kommt auch die Wärme dazu, die Knospen sprießen und Frühblüher lassen einem das Herz aufgehen. Endlich wieder Farbtupfen! Ostara fällt diesmal auf den 20.3., das ist ein Montag. Die meisten werden vermutlich am Sonntag davor oder am Wochenende danach feiern.

Das wird immer wieder gefragt, aber es ist völlig in Ordnung ein Fest dann zu feiern, wenn man Zeit hat und es als stimmig erlebt. Viele machen es mittlerweile so und feiern dann, wenn sie das Gefühl haben: Jetzt liegt es in der Luft. Also nicht nach Stichtag, sondern wenn es innerlich bei ihnen ankommt und spürbar ist.

* * *

Passend zu Ostara nimmt das Jahresrad ordentlich Fahrt auf und daher noch zwei organisatorische Sachen:

Beim Kartenlegen sind neue Anfragen ab dem 10. April wieder möglich.

Die Wartezeiten waren auf über zwei Monate geklettert und ich sag´s mal frech: Man will sich ja noch an seine Fragen erinnern können, wenn es soweit ist. 😉

In der Woche vom 3. bis 7. April bin ich nicht erreichbar, das schonmal zum vormerken.

Das ist vor allem für Kursteilnehmer wichtig, die jeweils zum Monatsbeginn neue Lektionen nehmen. Ihr könnt gerne schon Ende März weitermachen oder etwas später ab dem 10. April, wie es besser passt.

 

Ein Buchtipp zum Waite-Smith Tarot

img_6745

Es ist immer eine große Freude, wenn man einen neuen Buchschatz entdeckt. So auch das Buch von Marcus Katz und Tali Goodwin zum Waite-Smith Tarot.

Kurz dazu: heute ist der Ausdruck Rider-Waite Tarot (noch) gebräuchlicher. Aber Rider war nur der Verleger, gemalt wurden die Karten von Pamela Coleman Smith und das ist der entscheidende Punkt bei einem Kartendeck mit Bildern – zumal dem ersten, das die kleinen Arkana mit Bildern ausgestattet hat. Im englischsprachigen Bereich kommt daher die Bezeichnung Waite-Smith immer mehr in den Gebrauch und wir sollten auch darüber nachdenken.

Das Buch ist eine echte Fundgrube mit zahlreichen Zeichnungen und Bildern von Pamela Coleman Smith, weit über das Tarotdeck hinaus. Wer diesen märchenhaften Stil mit fließenden Linien von etwa 1880 bis 1920 mag, ist hier genau richtig.

Die Autoren gehen natürlich ausführlich auf kabbalistische Bezüge ein, genau wie auf traditionelle Motive der europäischen Geistesgeschichte, die in den Bildern allegorisch wieder aufleben.

Es gibt viele Fotos von Schauplätzen und den Beteiligten, von Korrespondenzen und den Vorlagen für einige Karten (z.B. berühmte Schauspielerinnen der Zeit in ihren Kostümen, die für manche Karten die Basis bildeten).

Ich hatte vor einer Weile das Buch „Women of the Golden Dawn“ besprochen und die Verflechtung von SchauspielerInnen und KünstlerInnen mit dem spirituellen Aufbruch dieser Zeit waren sehr eng, so dass einen das nicht verwundert.

Die ganze Geschichte um das Deck herum wird erklärt, es sind so viele Details, dass man gar nicht alles aufzählen kann. Bei jeder Karte lernt man etwas dazu, das man noch nicht gehört hatte, auch wenn man sich schon lange damit befasst. Und wenn es das Foto eines Grabes in einer Kirche ist, das für die vier der Schwerter sozusagen Modell stand. Diese vielen, liebevollen Details zeigen, wie intensiv recherchiert wurde.

Manche englischen Rezensionen bemängeln das Buch wäre unübersichtlich oder chaotisch. Lasst euch davon nicht beeindrucken, wenn es euch interessiert. Wie man angesichts dieser großartigen Recherchearbeit ernsthaft das Haar in der Suppe spalten kann, ist mir schleierhaft.

Wer sich für das Waite-Smith Tarot, aber auch die europäische magische Geistesgeschichte an sich interessiert, wird mit diesem Buch viel Freude haben. Man hat lange etwas zu lesen damit, das ist nichts für zwischendurch, das will in Ruhe einsinken können und im Herzen bewegt werden.