Ein paar Worte zum Karma (Chaos)

Eine Frage für Youtube erreichte mich in den letzten Monaten immer wieder: Kannst du mal was zum Thema Karma sagen? Irgendwie sagt da jeder etwas anderes. Was ist eine »karmische Beziehung« und gibt es so etwas überhaupt?

Zu den Beziehungen kommen wir noch in einem späteren Video, für den Start beleuchten wir erstmal, was wir eigentlich alles in einen Topf werfen und dann als Karma bezeichnen.

Da wird es nämlich ganz schön unübersichtlich, höchste Zeit, die einzelnen Fäden zu entwirren:

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das karmische schlechte Gewissen

In letzter Zeit hatten wir oft im Hexenkurs das Thema der karmischen Schuld und ich vermute mal, dass das auch sonst noch ein paar Leute bewegt, also bringen wir´s mal aufs Tablett.

Ihr kennt vielleicht diese Grundannahme in manchen esoterischen Kreise, wo man de facto davon ausgeht, dass man an all seinen Leiden selbst Schuld ist, weil man (zum Beispiel in einem früheren Leben) so viel Mist gebaut hat, dass man es jetzt leidvoll abtragen muss.

Ganz schön gnadenlos, diese Einstellung, und zwar im wörtlichen Sinne: Gnaden-los, ohne Gnade, ohne Verständnis für Menschlichkeiten, die uns eben auch ausmachen. Wie sagt das spanische Sprichwort so schön: Für jedes Engelchen hat man ein Teufelchen (die beiden Süßen oben auf dem Foto erinnern mich daran).

Wir sind Menschen, keine perfekten Engelchen. Es ist wunderbar an sich zu arbeiten und sich zu entwickeln, aber doch nicht mit so einer Drohkulisse im Hintergrund, sondern weil man es will.

Ich habe aber noch ein grundlegenderes Problem mit dieser Logik, denn wenn man diesen Faden mal weiterspinnt, bedeutet es nicht weniger, als dass der Stärkere immer Recht hat. Das würde Tätern aller Art einen Blankoscheck ausstellen: ist halt Karma. Ich habe nicht nur einmal Menschen getroffen, die der Meinung sind, dass sogar Kinder, denen schlimme Dinge passieren, im karmischen Sinne selbst schuld daran sind.

Bedenklich ist das auch, wenn es um Krankheiten geht (dazu lasse ich mich im nächsten Buch nochmal in aller Ruhe aus) und den Leuten, die mit ihrem Leiden bereits genug zu tun haben, noch zusätzlich eingeredet wird, dass sie selbst schuld daran sind.

Wärst du mal ein besserer Mensch gewesen, dann hättest du das jetzt nicht! – Wie bitte?! Das ist an Zynismus kaum zu überbieten. Wie wär´s einfach mal mit ein bißchen Normalität, zum Beispiel der Erkenntnis, dass das Leben nunmal nicht fair ist, keiner Logik oder menschlicher Gerechtigkeit folgt und auch Kranksein ganz normal zum Leben dazu gehört (dass es keinen Spaß macht, wissen wir alle, aber es ist eben auch ein Teil des Lebens).

Was machen diese Leute eigentlich, wenn sie selbst mal krank sind? Sitzen sie dann auch noch auf ihrem hohen Ross und kanzeln sich dann selber ab? Ich vermute es fast.