Schön

Gestern kam „Embrace – Du bist schön“ auf arte. Er ist noch bis zum 17.4. hier in der Mediathek zu sehen und lohnt sich wirklich.

Seit etwa zwei Jahren werde ich öfter mal nach Ernährungsdingen gefragt: Was empfiehlst du? Was ist spirituell? Was ist gesund?

Das hat mich überrascht, schließlich ist Ernährungsberatung nicht mein Fachgebiet. Daran merkt man den Druck, der mittlerweile in diesem Thema drin ist. Es gibt so viele selbsternannte Fitnessgurus, die alle möglichen und unmöglichen Ernährungspläne verkaufen. Und nach allem, was ich so höre, auch einige spirituelle Leute, die liebend gerne Vorschriften machen.

Ich bin altmodisch: Der Körper sagt einem, was er braucht und möchte. Wir haben einen Instinkt dafür. Essen sollte von Natur aus nie dazu dienen, einem visuellen Ideal zu entsprechen. Essen soll den Körper ernähren und die Seele gleich mit, wenn man gut kochen kann.

Mit diesem Thema kann man nicht behutsam genug umgehen. Eine gute Freundin von mir leidet seit Jahren an Magersucht. Alle Therapien, Kliniken und alternativen Versuche haben zwar stabilisiert, aber keinen Durchbruch geschafft. Die Krankheit begleitet sie jeden Tag, jede Stunde, es gibt keine Auszeit davon. Eßstörungen sind so tückisch, dass ich für den Leichtsinn, mit dem ständig neue „healthy Lifestyle“ Ideologien gepriesen werden, kein Verständnis habe.

Es kann doch nicht sein, dass man als Eltern schon in der Schwangerschaft überlegt: Wie können wir das Kind später vor den verzerrten Körperbildern der Medienwelt schützen? Aber genau so ist es. Und man muss sich auch bewusst damit auseinandersetzen.

Der Körper ist dein Tempel – diese spirituelle Weisheit wird nicht aufgehen, wenn man ihn hasst.

Wie kommt es, dass indische YogameisterInnen manchmal kugelrund sind und keine Angst vor Bauchröllchen haben, während bei uns asketisch schmale Ideale herrschen? Jede tiefgehende Philosphie wird bei uns durch den Beauty-Filter gejagt und damit ihrer eigentlichen Kraft und Schönheit beraubt.

Schluss mit dem Unsinn. Wer schonmal ernsthaft krank war weiß, dass der Körper kein selbstverständliches Geschenk ist und für das gefeiert werden sollte, was er ist, nicht wie er auszusehen hätte.