Die Jahreskreisfeste und das Wetter

das Foto ist von 2013, Mitte März

Draußen ist ein verschneites Winterwunderland und man fragt sich: Wie passt das zu Ostara, das bald schon vor der Tür steht? Immerhin, ein alter Kalenderspruch macht Mut: Fürchte nicht den Schnee im März, denn er hat ein warmes Herz.

Trotzdem hat man idealisierte Jahreszeiten im Kopf, Weihnachten hat es zu schneien, auch wenn unsere Vorfahren reimten: Weihnachten im Klee gibt Ostern im Schnee. Unbekannt waren grüne Weihnachten früher auch nicht.

Bei den Jahreskreisfesten kommt noch etwas anderes hinzu, ein guter Freund hatte mich auf diesen Gedanken gebracht. Diese Feste wurden vom britischen Wicca wiederbelebt. Denkt man an Südengland, ist es viel milder als bei uns und es gibt zuverlässig Schneeglöckchen zu Imbolc und Osterglocken zu Ostara, die wir heute ebenfalls damit verbinden.

Was macht man, wenn das Wetter so gar nicht zum Fest passen will? Und sollten die Feste am Wetter – und damit unseren unterschwelligen Idealen der Jahreszeiten –  hängen?

Die Tagundnachtgleichen Mabon und Ostara feiert man nach dem Stand der Sonne, dasselbe gilt für den längsten und den kürzesten Tag des Jahres, Litha und Jul. Die sind schonmal raus, was das betrifft, es sind streng genommen Licht-Feste.

Die Sonnenwenden und die Tagundnachtgleichen würde ich an ihren Terminen belassen, weil es astronomische Wendepunkte sind, die tatsächlich zu diesem Zeitpunkt stattfinden. In dem Fall geht man mit der Natur (in diesem Fall kosmisch, fernab vom Wetter), wenn man um den jeweiligen Termin herum feiert.

 

Bleiben die vier Festtage Imbolc, Walpurgis, Lammas und Samhain, die man mit den Stichworte Licht, Fruchtbarkeit, Ernte und Ahnen zusammenfassen kann. Alles, was der Mensch braucht, könnte man sagen.

Das Jahresrad spiegelt das Leben, das ist nichts abstraktes oder nur so eine symbolische Idee. Es braucht den zündenden Funken, das Leben entfaltet sich, trägt Früchte und dann wandert der Funken wieder hinüber in die Anderswelt.

Natürlich kann man sagen: Dafür braucht es kein passendes Wetter, das sind universale Themen. Falsch ist diese Ansicht bestimmt nicht. Trotzdem leben wir eingebettet in die Natur (selbst in der Stadt: kaum ist die Sonne weg, haben alle schlechte Laune, woher das wohl kommt).

Man kann mit dem arbeiten, was laut Kalender dran wäre oder mit dem, was ist, und ein Fest auch mal verschieben, wenn die Stimmung in der Natur gerade überhaupt nicht passt. Das kann man frei entscheiden und ist nicht an irgendein Buch gebunden.

Natürlich ist es ein schönes Gefühl, wenn man Feste im Bewusstsein feiert, dass sie gerade von ganz vielen Menschen auf der Welt begangen werden. Aber wenn die innere Stimme ein Veto einlegt, sollte man nicht am festen Schema kleben. Man kann die Empfindung eines Festes nicht „machen“, man kann sie nur spüren und dann in das eigene Ritual hineinziehen – so wird´s authentisch.

 

Alte Steine zum Equinox

Ab Mittwoch bin ich wieder wie gewohnt zurück für Beratungen mit den Karten und die Kurse.

Die letzen Tage klingen noch nach und mit ihnen die Magie uralter Steinbauten. Auf Menorca stolpert man gefühlt alle 500 Meter über den nächsten Schatz aus alter Zeit. Alles ist frei zugänglich, nur einmal mussten wir Eintritt bezahlen, bekamen dafür aber einen ausführlichen Vortrag über den Ort und seine Bedeutung.

Diese Insel ist einfach magisch und die Bewohner sind so freundlich und herzlich. Mit meiner wilden Mischung aus ein paar Worten Spanisch, etwas mehr Italienisch, ein wenig Portugiesisch und notfalls einem Happen Latein, ging es ganz gut.

Als das Auto zwei Stunden vor Abflug keinen Saft mehr auf der Batterie hatte und der Flughafen noch ziemlich weit entfernt war, fanden sich sofort hilfsbereite Leute, die beim anschieben geholfen haben.

Ich mag die Offenheit und das Entspannte auf solchen Inseln (auf La Palma ist es ganz ähnlich). Jedes Mal, wenn man abreist, sagt man sich: Das nimmst du mit in den Alltag. Und mit etwas Liebe und notfalls auch mal Mut zur Ecke schafft man das tatsächlich.

Schweifen wir nochmal zurück. Ich mag gar nicht viel dazu sagen, ihr kennt das sicher selbst: die Ausstrahlung solcher Orte entzieht sich den Worten.

An einem anderen Ort schichtete ich für die guten Geister eine kleine Steinpyramide auf:

Ist wirklich schon Herbst?

Unverhofft kommt oft, an einem buckligen Feldweg irgendwo im Nirgendwo entdeckte ich diesen wunderbaren Stupa und das dazugehörige buddhistisches Kloster:

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Wieder zu Hause eine schöne Überraschung:

Das Tarot aus dem Iris Verlag war in der Zwischenzeit angekommen und die Karten können sich sehen lassen.

Eine schöne Rückseite, sehr stabiles Papier und die Farben der Karten kommen dem Original nahe.

 

Heute haben die meisten Decks Knallfarben (nicht von der Schachtel täuschen lassen, die Karten des Decks selbst sind sanfter). Die originalen Waite-Smith Karten sind diesem Deck sehr ähnlich.

Für unsere heutigen Sehgewohnheiten ist das erstmal eine Umstellung. Wir sind überall von Glossy-Lifestyle-Bildern mit möglichst hohen Kontrasten umgeben. Umso schöner finde ich persönlich die subtilere alte Farbgebung, aber das ist reine Geschmackssache.

 

Das neue Thema des Monats…

… ist online! Diesmal geht es um die Zeit der Ernte und was das alles auch ganz individuell bedeutet.

Man braucht nicht mal ein Gärtchen dafür, ernten tun wir alle. Aber ernten wir auch das, was wir gerne mögen? Bauen wir es überhaupt an?

Ein paar Gedanken dazu findet ihr hier im neuen Thema auf der Webseite.

 

Ein frohes Mabon!

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eine neugierige Amsel am Kulkwitzer See

Ein wunderbares Mabon euch allen!

Weil die Frage gerade oft gestellt wird: Natürlich kann man Hexenfeiertage auch am Wochenende davor oder danach feiern.

Oft ist es gar nicht anders möglich. Wenn man es realistisch sieht, ist ein ausgeruhtes Fest doch viel schöner, als wenn man nach einem langen Arbeits/Familientag mit summendem Kopf versucht irgendwas auf die Beine zu stellen, obwohl man sich gar nicht danach fühlt.

Die Energien der Feste sind mehr wie Wellen, das sind keine Stichtage auf dem Kalender. Mittlerweile lösen sich einige ganz von den festen Daten und feiern dann, wenn sie diesen Umschwung der Energie in der Natur fühlen. Das ist ein wunderbarer Ansatz.

Zumal man bei den Festen manchmal merkt, dass sie ursprünglich im britischen Wicca zusammengestellt wurden und das meine ich klimatisch: in Südengland hat man zu Imbolc eben schon Schneeglöckchen, während wir oft noch unter einer kalten, grauen Wolkendecke sitzen und vor uns hingrummeln, wann endlich der Frühling kommt.

Es mit der Natur hier vor Ort abzustimmen ist inspirierend und gibt einem einen neuen Blickwinkel. Natürlich spricht auch nichts dagegen zu den „offiziellen“ Terminen zu feiern. Dann hat man das schöne Gefühl, dass gerade tausende andere Menschen ebenfalls feiern und spürt diese besondere Verbundenheit.

Zum Schluss muss man es ausprobieren – und das darf man auch. Viele wollen es ganz besonders richtig machen und das zeigt, dass es einem ernst ist. Aber ihr habt wirklich Spielräume, zum Schluss zählt, dass es Sinn ergibt und sich stimmig anfühlt.

Den Ahnen so nah

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heute früh am Morgen, mehr Fotos gibt´s bei @nature_by_claire auf Instagram

Beim Thema Trauer und Verstorbene kommt man über kurz oder lang natürlich auch bei den Ahnen vorbei. Das Wort Ahnen hört sich etwas altertümlich an und manche verbreiten viel melodramatisches Pathos rund um das Thema.

Da hat halt jeder seinen Zugang, aber nach meinen Erfahrungen ist das alles sehr real und überhaupt nicht weit weg. Und es ist auch nicht unbedingt edel oder heldenmütig, die Ahnen sind nicht alle weise oder großartig. Das Ganze ist ziemlich kompliziert, wenn man es ernst nimmt und nicht auf diesen überhöhten Sockel stellt. Was auf dem hohen Sockel steht ist weit weg, da muss man nicht ran, Häkchen dran.

Ich habe das selbst als weit weg empfunden und fand die Vorstellung der weisen Ahnen auch wunderbar. Weil ich eben noch in der Theorie steckte, doch dann kam unverhofft die Praxis und zwar beim Kartenlegen.

 

Hin und wieder fragen Leute nach Orten (meist der Ort wo ihr Haus steht), wenn dort spürbar etwas nicht im Lot ist. Vor ein paar Jahren sagten die Karten zum ersten Mal: es ist der Krieg. Eigenartig… aber ich gab es so weiter. Nach ein paar Tagen kam die Rückmeldung, der Fragende hatte recherchiert und genau an der fraglichen Stelle gab es heftige Gefechte mit vielen Toten.

Oha, da waren die Ahnen plötzlich viel näher als gedacht. Ein paar Mal gab es das und jedes Mal ergaben die Recherchen, dass dort tatsächlich Fürchterliches passiert war im Krieg. Und das strahlt immer noch aus. Teilweise so heftig, dass es an diesen Orten immer wieder zu Unfällen kam.

 

Die schöne, edle Ahnen-Welt war jedenfalls erstmal dahin. Abgründe und Schrecken taten sich auf und es war überhaupt nicht mehr weit weg. Wie kann man damit umgehen?

Kleine Schritte sind gut. Langsam und behutsam, nichts erzwingen (zu passenden Räucherpflanzen kommen wir noch in der Reihe), lieber eine Pause mehr, als eine zu wenig. Nicht gleich das ganze Leid der Welt auf die eigenen Schultern nehmen wollen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Bücher über die Kriegskinder und -enkel und wie dieser dunkle Schatten im Hintergrund ganze Generationen unterschwellig mitgeprägt hat. Das ist die seelische Ebene.

Aber es gibt auch die spirituelle Seite und das Erstaunliche ist, dass viele Leute, die das wahrnehmen, sich gar nicht spirituell bezeichnen würden oder vorher sonderlich damit befasst hätten.

Das sind die Ahn/ungen, die jeder haben kann. Vor ein paar Jahren an einem diesigen Novembertag hatte ich den Gedanken: Hier sind aber auch viele. Das sind gar nicht mal bewusste Gedanken, über die man dann ewig nachdenkt. Es ist mehr wie ein Fisch, der aus dem Gedankenstrom kurz herausspringt und gleich wieder eintaucht.

Dann kam das Jahr 2013 und damit das große Gedenken an 200 Jahre Völkerschlacht in Leipzig. Plötzlich fiel mir dieser Gedanke von damals wieder ein, ich recherchierte und las von 80.000 bis 110.000 Toten – das sind viele. Auf einmal machte es Sinn.

Und so geht das vielen Leuten, das ist ja nur ein Beispiel: man nimmt etwas wahr, kann es oft nicht eindordnen, es ist erstmal auch gar nicht so wichtig. Und dann irgendwann kommt die Bestätigung: das war es. Da hast du spontan etwas von der Ahnen-Ebene, von den Vorfahren mitbekommen. Als würde man kurz durch ein Fenster schauen, das sonst verborgen ist.

Natürlich sieht man da nicht nur Krieg und schlimme Dinge, nicht dass jetzt dieser Eindruck entsteht. Aber tragische Dinge hinterlassen oft besonders starke Abdrücke – was im Umkehrschluss auch bedeutet: für die sanfteren Themen muss man die Sinne oft besonders schärfen bzw. die flüchtigen Ahn/ungen daran besonders bewahren, sie springen einen nicht so an.

 

Das Thema für den Herbst

noch mehr Naturfotos von mir gibt´s bei Instagram: @nature_by_claire

Der Orakelsommer war eine wirklich schöne Sache und vielleicht ist es generell eine schöne Idee, Themen über eine gewisse Zeit zu beleuchten, dann können sie sich besser entfalten. Natürlich kann zwischendurch auch immer mal etwas anderes kommen, ich sperre das ungerne in starren Vorgaben ein.

Draußen ziehen die ersten morgendlichen Nebelschwaden durch die Straßen und schon im Sommer, als ich von einer Leserin auf den Film „Winna, der Weg der Seelen“ aufmerksam gemacht wurde (→ hier der Blogeintrag dazu), wurde mir klar, dass dieses Thema später im Jahr nochmal eine Rolle spielen soll.

Daher möchte ich die Zeit jetzt im Herbst zur Tagundnachtgleiche und zu Samhain / Halloween dem Thema Tod und Vergänglichkeit widmen.

Huh, werden da mache denken und vielleicht lieber weitersurfen. Das ist auch OK, wobei ich es nicht als düstere, deprimierende Serie plane. Machen wir uns nichts vor: niemand kommt um dieses Thema herum, der Freunde und Familie hat und auch wenn man nicht gerne darüber nachdenkt, ist man eines Tages selbst an der Reihe.

In den Beratungen ist das ein häufiges Thema: verlorene (ungeborene) Kinder, verstorbene Freunde oder Familienmitglieder, manchmal auch Leute, die man gar nicht so genau kannte, deren Tod einen aber sehr berührt hat.

Es gibt so viele Fragen und Aspekte, nur ein paar Beispiele aus dem täglichen Leben:

Die Mutter hat den Vater so geliebt, wir haben Angst, dass sie ihm „hinterhergeht“ und wollen sie nicht auch noch verlieren, kann man da nicht irgendwas machen?

Ich habe damals meine beste Freundin plötzlich vor dem inneren Auge inmitten eines Lichtblitzes gesehen – genau in dem Moment hatte sie den Autounfall. Ich habe das noch nie jemandem erzählt, damit man mich nicht für verrückt hält.

Ich bin nachts mit Herzrasen aufgewacht und die Uhr ist stehen geblieben. Am nächsten Tag rief das Krankenhaus an, der Vater ist genau zu dieser Zeit verstorben.

Ein paar Tage nach der Beerdigung habe ich mein Kind gesehen, als würde es vor mir stehen. Alle sagen das war Einbildung oder Wunschdenken, aber ich weiß, dass es das nicht war. Diese Verbindung hat sich völlig anders angefühlt. Es hat mir zugewunken und in dem Moment wußte ich, dass es ihm gut geht und ich mir keine Sorgen machen soll.

Ich war im Urlaub und abends schauten mich zwei Sterne an, als wären es Augen, die mir etwas sagen wollen. Ich dachte, ich spinne, das hat mich erschreckt und ging mir längere Zeit nach, weil es so eindrücklich war. Erst viel später erfuhr ich, das genau in dieser Zeit ein lieber Mensch gestorben ist.

Mein Lebensgefährte ist verstorben, doch bei mir auf der Arbeit erwarten sie jetzt schon, nach gerade mal zwei Wochen, dass ich wie immer bin und mir nichts anmerken lassen.

… sich nichts anmerken lassen, bloß schnell weitermachen wie gehabt, das ist oft ein großes Problem. Man muss da natürlich unterscheiden, für viele ist es hilfreich ein Stück weit „wie immer“ weiterzumachen, das gibt Halt. Es ist das sprichwörtliche: Das Leben geht weiter.

Trauernde können es manchmal keinem recht machen. Lenkt man sich mit dem ganz normalen Leben etwas ab, heißt es, man würde das zu schnell abhaken. Trauert man intensiv und drückt das auch aus, wollen viele das am liebsten nicht sehen und sind peinlich berührt oder erstellen sogar hobby-psychologische Diagnosen, die unterschwellig suggerieren, dass man „krank“ wäre, wenn man nicht endlich mal besser drauf ist.

Das Ziel dieses Herbst-Themas ist also: dieses wichtige Thema aus der Schweige-Ecke herauszuholen, behutsam und respektvoll. Zu schauen, welche Traditionen und Rituale helfen können, aber wirklich ganz behutsam.

In der westlichen Kultur rutschen wir schnell auf die intellektuelle Ebene und machen schlaue Sprüche, um uns solche Themen emotional auf Distanz zu halten (wie z.B. der Klassiker: „Ich habe keine Angst vor dem Tod, nur vor dem Sterben.“ – das ist so eine Kopfgeburt, die zeigt, dass man meilenweit vom Thema entfernt ist; in Asien tastet man sich viele Jahr(zehnt)e lang meditativ an dieses Thema heran, aber wir sind anscheinend so toll, dass wir das fix mit einem Satz wegerklären können).

Ich sage auch nicht, dass ich die große Hexe wäre, die alle Lösungen hat. Ich habe genauso liebe Menschen verloren und an manchem knabbere ich bis heute in stillen Minuten. Das ist einfach das Leben.

Es soll also kein düsterer Trauer-Herbst hier im Blog werden, sondern ein gemeinsamer Blick, sich austauschen und Dinge zusammentragen, die hilfreich sein können. In unserer schönen, neuen Botox-Welt kann man sich sehr alleine fühlen, wenn das Schicksal zuschlägt und man auf einmal merkt, wie hoch die Mauern des Schweigens bei diesem Thema sein können, weil es eben nicht schick, bequem oder schön ist.

 

 

 

Samhain steht vor der Tür

Vielen Dank für die Anregung, da machen wir doch gleich mal ein eigenes Thema auf! ;) Wir könnten eigentlich alle Jahreskreisfeste durchgehen, falls ich es vergesse, erinnert mich ruhig daran. Es ist zwar noch etwas Zeit, aber die fliegt bekanntlich nur so dahin im Alltag und schon ist Halloween – oder Samhain, wie es in naturspirituellen Kreisen gefeiert wird.

Bei mir kommen ab Mabon (Herbsttagundnachtgleiche) sofort alle Dekosachen für Samhain heraus, ich kann damit gar nicht früh genug anfangen. Dazu muss ich aber sagen, dass ich die Jahreskreisfeste nicht auf einen Tag oder eine Nacht reduziere, sondern eher als generelle Stimmung eines Jahresabschnittes betrachte, die dann am Festtag ihren Höhepunkt findet.

Bei uns in Sachsen ist es mit dem Feiern nicht so günstig wie in den katholischen Bundesländern, wir haben den 31.10. frei (Reformationstag) und nicht den 1.11. (Allerheiligen), so dass nächtliches Feiern ein extra Tässchen Kaffee am folgenden Morgen erfordert, aber daran soll es nicht scheitern.

Direkt an Samhain lege ich gerne Karten, baue einen Altar auf (was – wenn man es bewusst macht – für sich schon ein Ritual ist), zünde Kerzen für die Verstorbenen an und stelle immer auch eine große Schale Wasser auf, damit die Kommunikation zwischen den Ebenen leichter wird.

Das ist so eine typische Sache, die ich erst in anderen Kulturen gelernt habe (in dem Fall aus den afroamerikanischen Traditionen, die Wasser als spirituelles Leitmedium betrachten) und erst später entdeckte, dass es bei uns ganz ähnliches gab (der früher sprichwörtliche Durst der Ahnen, der gelöscht werden muss / Seen und Teiche als Orakelorte, aus denen man spirituelle Botschaften erhält / der Fluss, dessen Überquerung Märchenhelden vor der Verfolgung von Baba Yaga & Co. schützt, den man aber auch als Schwelle zwischen der Geisterwelt und der hiesigen Welt lesen kann). Vielleicht hat auch die Spiegelmagie damit zu tun, bei einer Meditation am See wurde mir klar, wie ähnlich sich ein See und ein Spiegel in der Hinsicht sind und wie viele Wassergöttinnen einen Spiegel als Symbol haben. Aber das nur nebenbei. ;)

Natürlich muss auch gekocht werden, ein Fest ohne das passende Essen ist nur halb so schön, man würde ja auch nicht Weihnachten oder Ostern ohne die entsprechenden „Kultspeisen“ feiern (wie Stollen, Plätzchen, Äpfel usw. oder eben Ostereier). Kürbissuppe steht da ganz oben auf der Liste, ich verwende aber auch gerne Rüben, Knollen und andere erdnahe Gewächse, weil sie einfach gut dazu passen: die Ahnen sind in die Erde gegangen, man feiert an diesem Tag die Ahnen, also ist das eine runde Sache.

Ich mache an Samhain (und auch sonst zu den Jahreskreisfesten) nur selten Rituale in diesem klassischen Sinn, als abgegrenzte Zeremonie. Das geht eher fließend ineinander über: gutes Essen, schwatzen, Orakel und auch einfach nur den Moment auf sich wirken lassen und sich für die Stimmung öffnen.

So, jetzt bin ich aber mal gespannt, was ihr so macht! :)