Flüche

Im Gegensatz zu früheren Zeiten in der Hexen-bewegung (der westlichen! – andere Kulturen waren nie so leichtsinnig) wissen heute die meisten, dass nicht alles Licht und Liebe ist, wie früher die Parole hieß.

Damals galt die mehr oder weniger ausgesprochene Annahme: Fühlt sich jemand verflucht, dann bildet er sich das ein. Oder es wird als bequeme Ausrede benutzt, um die angebliche Bosheit anderer Leute herzunehmen, damit man nichts am eigenen Leben ändern muss.

Das gibt es natürlich auch. Als ich in meinen Anfängen steckte, neigte ich ebenfalls zu dieser Ansicht. Man bekam außerdem oft mit, wie Flüche dazu benutzt wurden, um teure Rituale und Talismane zu verkaufen. Das lief meist so ab, dass kostenloses Kartenlegen oder Handlesen angeboten wurde. Dabei wurde festgestellt, dass ein schwerer Fluch auf der Person lasten würde, der dann gar nicht mehr so kostenlos entfernt werden sollte.

Das ganze Thema hatte einen ziemlich dubiosen Ruf und man versuchte es elegant beiseite zu reden, Stichwort: fehlende Eigenverantwortung der Betroffenen. Moderne Magie ist gute Magie, alles andere war finstere Vergangenheit.

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Bis mich vor einigen Jahren der Hilferuf eines Pferdewirtes aus dem Norddeutschen erreichte. Er schilderte, dass es jemanden gibt, der ihm die Pferde verhexe. Auf dem Land sei manches noch anders und es gäbe in der Gegend ein paar Leute, die sich auf sowas verstehen.

Es war sofort klar, dass es ihm ernst war. Er war typisch norddeutsch, geradling, sparsam mit Worten und auf Fakten bedacht. Kurz gesagt: der letzte Mensch, von dem man erwarten würde, dass er sich verflucht fühlt. Gewissenhaft zählte er auf was zu welchem Zeitpunkt passiert war, welche Veränderungen er auf seinem Grundstück bemerkt hatte, wie es den Tieren danach ging.

Dieser Moment war ein wichtiger Wendepunkt. Manchmal braucht man diesen einen Moment, in dem einem ein Licht aufgeht und man erkennt, dass man nicht mit dem Strom der allgemeinen Meinung schwimmen kann, sondern sich selbst ein Bild machen muss.

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Warum wohl werden Geistheiler, Schamanen und die verschiedensten Priesterinnen und spirituellen Medien auf der ganzen Welt darum gebeten, negative Energien zu erkennen und zu vertreiben?

Ich muss gerade an die Geschichte eines westlichen Forschers denken, der sich mit einem traditionellen Schamanen unterhielt. Der Forscher pries das naturverbundene Leben und den Einklang, in dem er leben würde. Der Schamane antwortete: Ach, so harmonisch ist das alles nicht, ich verbringe den ganzen Tag damit böse Geister zu töten.

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Wir haben auch oft eine falsche Vorstellung, wenn wir von Flüchen reden. Bei einem Fluch denkt man an jemanden, der in einem düsteren Zimmerchen dunkle Kerzen anzündet, Puppen malträtiert oder hinterhältige magische Büdel zusammenschnürt.

Doch es kann so viel mehr sein. Das Wort »Energieübetragung« wäre viel treffender, weil man dann nicht all diese Zaubergeschichten im Kopf hat, sondern das große Bild sieht.

Energie kann viele Wege gehen, auch wenn sie in Form von gezielten negativen Gedanken kommt ist das spürbar. Wer hat noch nie eine Person mit einer Aura erlebt, die einen instinktiv zurückweichen ließ. Oder einer Person, die man ambivalent findet, etwas ausgeliehen, nur um hinterher mit diesem Gegenstand zu fremdeln.

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Ich glaube jeder kennt solche mulmigen Momente und deshalb ist es so wichtig die Vorstellung vom Fluch als (ich sag´s jetzt mal salopp) »schwarze Kerzen anzünden und böse Sachen dazu sagen « aus dem Kopf zu bekommen.

Die Energie des Neides hat unter diesen Energien einen besonderen Stellenwert, sie wird als böser Blick, als malocchio (böses Auge) oder ohlhos grandes (große Augen) bezeichnet. Dafür muss man keine Kerze anzünden, das funktioniert auch so.

Interessanterweise braucht es mit Menschen aus Italien, Griechenland, der Türkei, dem Balkan oder aus dem ehemaligen Ostblock wenig Worte dazu. Jeder weiß was gemeint ist. Ich frage mich manchmal, wie dieses Wissen bei uns weggebrochen ist. In den alten Zauberbüchern (wir hatten ja gerade die Mosis-Büchlein hier im Blog) findet man das Thema noch ganz selbstverständlich.

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Waren unsere Vorfahren abergläubischer als wir? Sicher waren sie das, sie kannten für viele Dinge noch nicht die Ursachen und waren in einem völlig anderen Ausmaß von Leid, Krankheit und Tod umgeben als wir. Aber sie waren nicht dümmer und sie konnten gut beobachten, vermutlich besser als wir es heute können, mit all den Ablenkungen im Alltag.

Bei diesem Thema ist Panikmache nicht der richtige Weg und trotzdem kann man es nicht einfach beiseite schieben. Nach wie vor beschäftigt es viele im stillen Kämmerchen, sonst bekäme man nicht so viele Fragen dazu gestellt.

Naturgemäß gibt es viele Sichtweisen dazu und das ist auch richtig, jeder soll sich seine Meinung bilden. Aber wir wissen alle, dass der Mensch nicht nur aus Licht und Liebe besteht und das gilt nicht nur für seine körperliche und seelische Ebene, sondern natürlich auch für den Geist.

Je bewusster man damit umgeht, desto besser. Die Welt ist deshalb nicht in einem ständigen spirituellen Kriegszustand (dieses überzogene Bild wird dann ja gerne gezeichnet). Aber wenn mal etwas ist, findet man schneller Lösungen, wenn man alle Möglichkeiten im Blick hat.

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